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Joy Denalane Let Yourself Be Loved



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Ein kleiner Schritt für die Menschheit, ein großer für den Soul in Deutschland: Joy Denalanes neues Album erscheint auf dem leibhaftigen Motown-Label, und zu sagen, dass die Sängerin da in ein paar tiefe Fußstapfen trete, wäre eine Untertreibung. Umso bemerkenswerter, wie souverän, elegant und auch selbstverständlich Denalane diese Herausforderung meistert.

Auch weil sie nicht einfach ihren bisherigen Pop-affinen Neosoul aufpoliert, sondern sich kopfüber in eine der wichtigsten Epochen im Soul stürzt, als Leute wie Marvin Gaye und Stevie Wonder, Curtis Mayfield und Aretha Franklin sich als Autoren neu erfanden – Musik, sagt die 1973 geborene Denalane, die sie (durch den südafrikanischen Vater) schon im Kindergartenalter liebte. Wie ernst ihr die Wurzelforschung war, kann man daran sehen, dass sie dieses Album erst im zweiten Anlauf nehmen konnte. Schon vor dem sehr hübschen, sehr persönlichen Vorgänger, „Gleisdreieck“ von 2017, hatte sie sich an einigen der Songs in Brooklyn versucht, aber offenbar nicht den richtigen Ton getroffen.

Unter anderem mit dem (Jazz-)Pianisten und Produzenten Roberto Gioia fängt sie den Vintage-Klang nun mit satten Bläsern, Streichern und Chören mal schmachtend balladesk, mal treibend und euphorisch raumöffnend ein. Dabei greift sie – vergleichbar vielleicht mit Michael Kiwanukas Retro-Update – über den Pastiche locker hinaus. Sie bündelt, mischt, variiert die Ansätze der Vorbilder mit der Leidenschaft des Fans und der ganzen Sicherheit einer HipHop-, also soulhistorisch erfahrenen Künstlerin.


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Und wie die Vorbilder öffnet sie in den Liebes-, Freundschafts-, Selbstreflexionen immer wieder auch das weitere Feld einer nicht zuletzt durch die Hautfarbe geprägten Identität: Vertrauen, Einsamkeit, Selbstbehauptung haben im Soul ja stets eine größere Reichweite. Das Schönste an diesen rundweg gelungenen elf Songs ist, wie künstlerisch entschieden, geschlossen und selbstbewusst sie hier klingt. Was für eine Stimme, welch ein Soul! (Universal)


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