The Cure „Wish“


Universal (VÖ: 25.11.)


von

Ihr erstes – und einziges – britisches Nummer-eins-Album war hart erkauft: Die Sonnenschein-Single „Friday I’m In Love“ ist eine Einmaligkeit, wurde ihr „Shiny Happy People“, entzweite das Lager – und kam doch nicht am Erfolg von „Lovesong“ aus dem Vorgänger, „Disintegration“, vorbei. Robert Smith vernachlässigte Doom and Gloom, komponierte Hardrock, dessen Strophen er mit derart viel Grübeleien versah („Open“), dass er die Refrains vergaß („End“). Er setzte auf Ein-Wort-Titel und änderte den Bandnamen, machte aus „The Cure“ einfach „Cure“. Umso bemerkenswerter, dass die Lieder nicht pointierter, sondern ausufernder wurden.

Kein Substantiv, sondern ein Imperativ

Smith wurde nicht müde, den Albumtitel zu erklären – kein Substantiv, sondern ein Imperativ: „Wünsche!“ Solch ein Druck kann nur bei Bands entstehen, deren neun (!) vorherige Alben sich jeweils besser verkauft haben als das davor. Tatsächlich machte sich dann jede ihrer Platten nach „Wish“ immer schlechter in den Charts. Besonders mit Boris Williams soll es Konflikte gegeben haben. Der Schlagzeuger setzte mehr Vertrauen in Dunkles Theater, zeitlupenartige Songs, die dann nur B-Seiten wurden.

„Wish“ dürfte gar das einzige Cure-Werk sein, dessen B-Seiten besser sind als die LP-Stücke: „This Twilight Garden“, „Play“ sowie „Halo“ mit Zeilen reiner Smith-Romantik: „I never felt like this with anyone before/ You show me colours and I’m crying.“ Der herausragende Junkie-Song „The Big Hand“ wiederum wurde auf die Rückseite von „A Letter To Elise“ verbannt. Der größte Platzierungsfehler ihrer Karriere.

Die 24 Bonus-Tracks sind zum Teil sehr rar. Die „Lost Wishes“-EP, die, wie schon 1993, als MC aufgelegt wird, gibt es erstmals digital: etwas langweilige Instrumentals, aus denen Smith sein Konzeptalbum „The Sea“ machen wollte. Anderes, wie „Miss Van Gogh“ oder „Now Is The Time“ waren bis jetzt unveröffentlicht. Schön wäre die Ergänzung um das (Video-)Live-Album „Show“ gewesen, das die Eroberung Amerikas durch die fünf stoffeligen Briten dokumentiert.


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Songs zwischen Abschied und Ankunft


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