„Rush Hour 4“: Trump beeinflusst Hollywood-Fortsetzung mit Ratner

„Rush Hour 4“ kommt 2026 dank Trumps Einfluss bei Paramount. Regisseur Brett Ratner kehrt zurück, während Studios um Warner Bros. kämpfen und die Zukunft Hollywoods neu verhandelt wird.

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Die Geschichte der US-amerikanischen Actionkomödie „Rush Hour“ mit Jackie Chan und Chris Tucker in den Hauptrollen reicht 30 Jahre zurück. Mitte der 1990er-Jahre wurde konzipiert und gedreht. 1998 kam der turbulente „buddy cop“-Stoff in die Kinos. Es folgten die weltweit erfolgreichen Fortsetzungen „Rush Hour 2“ (2001) und „Rush Hour 3“ (2007). 2016 gab es eine auf den Filmen basierende US-Fernsehserie. Ein aus-erzähltes Sujet, sollte man meinen.

Doch nun berichten mehrere US-Branchenberichte, darunter der Online-Dienst des Business-Senders CNBC, dass es ein „Rush Hour 4“ geben wird. Dem Vernehmen nach soll Präsident Donald Trump persönlich bei Paramount Skydance auf eine Wiederbelebung des Franchise gedrängt haben.
Und zwar im Namen von Regisseur Brett Ratner, dessen Karriere seit 2017 nahezu stillstand, nachdem diverse Vorwürfe sexuellen Fehlverhaltens kursierten.

CNBC merkt an, dass es höchst ungewöhnlich ist, dass ein amtierender US-Präsident filmische Großproduktionen aktiv beeinflusst.

Brisanter Zeitpunkt inmitten von Studio-Kämpfen

Der Zeitpunkt könnte kaum brisanter sein: Paramount, Comcast und Netflix balgen sich gerade um die Übernahme des angeschlagenen Warner-Bros.-Discovery-Konzerns. Nun müssen sich Paramount und Warner Bros. auf ein seltenes Modell der Erlösaufteilung einigen, das eine Fortsetzung des Klamauk-Klassikers erst möglich macht.

Laut Branchenkenner Matthew Belloni hat Paramount die Finanzierung gesichert und eine Vertriebsvereinbarung mit Warner Bros/Discovery bereits ausgearbeitet.

Dass die Studios jahrelang vor „Rush Hour 4“ zurückschreckten, lag vor allem an Regisseur Ratners juristisch nie verfolgten, aber karrieretechnisch verheerenden Skandalvorwürfen. Dann kam President Trump ins Spiel.

Ratner selbst war zuletzt wieder vage rehabilitiert worden, als er 2024 für Amazon Prime einen millionenschweren Dokfilm über First Lady Melania Trump verantwortete.

Ein globales Phänomen der frühen 2000er

„Rush Hour“ war einst ein globales Phänomen: Mehr als 850 Millionen Dollar spielten die ersten drei Teile ein. Sie machten Jackie Chan und Chris Tucker weltweit zu Stars. Mittlerweile hat Chan mit seinen 71 Jahren sein Output gedrosselt. Tucker spielt seit 2007 nicht mehr in der Blockbuster-Liga.
Und so fragen sich die Hollywood-Beobachter: Kann ein klassischer Buddy-Cop-Film im Jahr 2026 überhaupt noch funktionieren?

Trumps Einfluss auf die Unterhaltungsindustrie

Donald Trump hat in den vergangenen Jahren wiederholt versucht, seinen Einfluss auf die Unterhaltungsindustrie geltend zu machen. Oft im Kreis prominenter Unterstützer wie Sylvester Stallone, Jon Voight oder Mel Gibson propagiert er eine Rückkehr zu dem, was er als „klassische Männlichkeit“ im Kino bezeichnet. „Rush Hour 4“ könnte damit zu einem weiteren Beispiel für eine politisch flankierte Rückkehr zu Macho-getriebenen Kulturformaten werden.

Für ein internationales Publikum – und speziell den chinesischen Markt, der einst maßgeblich zum Erfolg der Reihe beitrug – bleibt die Frage, wie ein solcher Film 2026 positioniert werden soll. Die geopolitische Stimmung hat sich seit den frühen 2000ern radikal verändert.

Immense wirtschaftliche Dimensionen

Die wirtschaftlichen Dimensionen hinter diesem Sequel sind immens: Warner Bros/Discovery bereitet gerade seine eigene Zerschlagung in „Units“ oder eine Gesamt-Übernahme vor. Paramount selbst will den Konzern am Stück kaufen und hat ein Angebot abgegeben, das auf 23,50 Dollar pro Aktie geschätzt wurde.

Gleichzeitig zeigen sich auch Comcast und Netflix interessiert. Ein Poker, der die Machtverhältnisse in Hollywood nachhaltig verändern könnte.
Paramount plant zudem, seine jährliche Filmproduktion nahezu zu verdoppeln – auf bis zu 18 Filme ab 2028. In diesem Kontext wirkt „Rush Hour 4“ weniger wie ein nostalgisches Prestigeprojekt, sondern eher wie ein strategisches Content-Pfand inmitten eines billionenschweren Wettbewerbs um Lizenzen, Marken und Kataloge.

Ein Seismograf für Kino und Kulturmärkte

Was bedeutet all das für die Musikwelt und die Kulturbranche insgesamt? „Rush Hour 4“ ist schließlich mehr als nur irgendeine weitere Fortsetzung in einem von Fortsetzungen geprägten Markt. Es ist ein Beispiel dafür, wie Popkultur, politische Machtausübung und ökonomische Interessen immer stärker miteinander verwoben sind.

Der Film – ob Erfolg oder Flop – wird damit unweigerlich zu einem Seismografen: für die Zukunft des Kinos, für die globalen Kulturmärkte und für die Frage, wie viel Einfluss Politik auf popkulturelle Narrative im 21. Jahrhundert nimmt.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.