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Die Streifenpolizei - der Podcast für Film & Serien vom Rolling Stone & Musikexpress

30 Jahre John Carpenters „Big Trouble In Little China“: Keine Chance für Martial Arts in Hollywood

Ein Trucker stürzt sich ins unterirdische Chinatown von San Francisco, in ein Labyrinth aus Königssälen und Folterkammern. Er will eine Frau mit grünen Augen, die grünen Augen machen sie begehrlich, aus den Fängen eines Dämons befreien. Tief unter der Erde sehen wir: Schwertkämpfer, die sich im waagerechten Flug duellieren; die chinesische Hölle des brodelnden Öls; sowie den Beutel der sechs Dämonen. Und alle bösen Asiaten sehen aus wie Fu Manchu.

„Big Trouble In Little China“! Der Kung-Fu-Film mit dem tollen B-Movie-Titel war faszinierend, farbenreich, lustig, vor allem sehr camp – und er war der Sargnagel für John Carpenter in Hollywood.

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Kooperation

Fernöstliche Kämpfe, in denen die Schwerkraft keine Rolle spielt? Amerika war in den Achtzigern nicht bereit für Martial Arts mit Fantasy. Das Kino von Rübermachern wie Jackie Chan wurde damals als Exotik zwar bewundert, importiert, aber nicht selbst hergestellt.

So wie viele Fantasy-Filme seiner Zeit, „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ 1984, im selben Jahr „Labyrinth“ oder wenig später Eddie Murphys „Auf der Suche nach dem Goldenen Kind“, spielt sich die Handlung überwiegend in Dunkelheit ab, es wird in fremdartige, unterirdische Reiche eingedrungen. Das Werk ging natürlich an der Kasse unter, Regisseur John Carpenter würde über Jahre nicht mehr mit einem großen Studio zusammenarbeiten.

Viel Bohei um Nichts

Der Film war ja bewusst als Groteske inszeniert, übersetzt verkünden die um den amerikanischen Filmtitel drapierten chinesischen Schriftzeichen: „Evil Spirits Make A Big Scene In Little Spiritual State“ – was sehr frei übersetzt so viel heißt wie großes Bohei um Nichts.

Aber „Big Trouble“ hat keinen Rost angesetzt. Es startete einen Siegeszug im Home-Video-Bereich, wo man sich einzelne Szenen mehrmals ansehen kann, als Partyspaß oder Einschlafhilfe. Allein die Kostüme sind’s wert – der Affe mit seinen Glühlampenaugen. Heute kennen den 1986 angelaufenen Streifen auch Leute, die 1986 erst geboren worden, das ist nicht grade übel für einen Flop.

„Big Trouble in China“ hat derart viele Fans gefunden, dass jetzt ein Remake in Planung ist. Mit Dwayne Johnson in der Rolle des LKW-Fahrers Jack Burton, die im Original Kurt Russell innehatte.

Die Besetzung Johnsons lässt befürchten, dass Hollywood den Spirit der Geschichte anders verstanden hat als die meisten Anhänger. Der als „The Rock“ bekannte Schauspieler ist der Prototyp einer Kampfmaschine. Kurt Russell verkörperte seinen Trucker eher wie eine Cowboy-Karikatur, die völlig überfordert ist.

Papiertüren einrennen

Nach Ende des 100 Minuten langen Films dämmert es einem langsam: Burton war zwar die Hauptfigur, aber in den Katakomben Chinatowns nicht mehr als ein Sidekick – sein chinesischer, Kampfsport erprobter Freund Wang Chi (Dennis Dun) hat die Geister fast im Alleingang besiegt. Der rabiate Westler bahnte sich seinen Weg zwar mit dem Maschinengewehr; Papiertüren aber rennt er, wie Homer Simpson, ein, statt sie zu öffnen. Einmal schlägt Burton sich sogar selbst K.O., bevor der Fight beginnt.

EjP

Spätestens seit Quentin Tarantinos „Kill Bill“ von 2003 sind fliegende Kämpfer und asiatische Mythologien in Hollywood etabliert, ebenso wird mit Genre-Mixen experimentiert, wenn auch, siehe „Cowboys & Aliens“ oder „Bone Tomahawk“ (mit Kurt Russell), mit zweifelhaftem Erfolg. Auch „Big Trouble In Little China“ war ursprünglich als Western konzipiert, sollte im Amerika des späten 19. Jahrhunderts spielen, was den Kampf der Kulturen zwischen Siedlern und Einwanderern noch drastischer dargestellt hätte. Das wäre vielleicht ein hochaktueller Film geworden. Aus Budgetgründen musste man leider ins San Francisco der Jetztzeit zurückkehren.

Jack Burtons verschwitztes Hemd

Für Kurt Russell bedeutete „Big Trouble einen Karriereknick, auch wenn er mit Jack Burton die dritte aufregende Figur aus einem Carpenter-Film schuf. Die erste war Snake Plissken, die „Klapperschlange“, dann kam Hubschrauberpilot McReady aus „The Thing“.

Tarantino jedenfalls hat sich an den alten Burton erinnert, als er Russell im Jahr 2007 für sein „Death Proof“ engagierte. Der Regisseur sagte, er wolle Russell, dessen Karriere in den 1990ern schlecht lief, wieder in einer harten Rolle sehen und besetzte ihn als Stuntman Mike. Burton hat seine Spuren in „Death Proof“ hinterlassen. An der Wand eines Diners hängt ein „Big Trouble in Little China“-Requisit: das verschwitzte Trägerhemd des Truckers.

20th Century Fox
20th Century Fox

17 knallharte Fakten zu John Carpenters „Escape From New York“ – „Die Klapperschlange“

Mit "Die Klapperschlange" (Original: "Escape from New York") veröffentlichte John Carpenter 1981 zwar nicht seinen erfolgreichsten, aber seinen vielleicht am innigsten geliebten Film. Mit geringem Budget – der Streifen kostete sieben Millionen Dollar, Werke dieser räumlichen Dimensionen, New York vor der Apokalypse, wären heute nicht unter 200 Millionen Dollar zu haben – realisierte der Regisseur eine Zukunftsvision. Ganz Manhattan ist ein Gefängnis, von Mauern umringt, nur von außen von Polizisten überwacht, innen herrscht Anarchie. Als der US-Präsident, unterwegs auf einer Mission, den Dritten Weltkrieg zu beenden, ausgerechnet dort notlanden muss, kann es nur einen geben, der ihn befreit: Snake Plissken.…
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