Smith Westerns im Interview: Von der Garage in die eigene Schublade


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Die Müdigkeit macht aus dem typischen Chicagoer Schnurren in der Stimme ein verschlafenes, Post-London-Nuscheln. Die Jungs von Smith Westerns sind ziemlich geschafft. Auf dem Weg nach Berlin haben sie in der Metropole an der Themse vorbeigeschaut. Das Resultat: zwei Stunden Schlaf. Dementsprechend zerknittert schauen die Gebrüder Cullen und Cameron Omori und ihr Kumpel Max Kakacek aus der Wäsche.

„Dye it Blonde“ heißt das zweite Album von Smith Westerns, das vor wenigen Wochen bei uns erschienen ist – als erster Release des neuen Domino-Unterlabels Weird World. Die Band hat sich dafür von der Garage ins Studio bewegt, um die Stücke aufzunehmen. So klingt es auch. Die Garagentür ist und bleibt zu. Obwohl erst Anfang zwanzig, wissen die Drei schon ziemlich genau was sie wollen. Als roter Faden zieht sich ebenso das Seufzen von Sänger Cameron, wie auch das Seufzen der Gitarren durch den Glam-inspirierten Rock. Ähnlich wie ihre Kollegen von den Bands Girls oder Mates of State mischen sie die Idee des Pop der heutigen Zeit mit Einflüssen der sechziger und siebziger Jahre.

Um mit der Musik groß rauszukommen habt ihr mit eurem vorherigen Leben – Jobs, Universität – abgebrochen. Habt ihr das jemals bereut?
Cameron Omori: Nun ja, es gab eigentlich nie den Punkt an dem wir gesagt haben: „Ich schmeiß‘ jetzt alles hin um in einer Band zu spielen.“ Wir haben nebenbei Musik gemacht, wir haben Angebote bekommen, und es schien das Richtige für uns zu sein. Es ist ja nicht so, als ob wir von Zuhause weggelaufen wären.

Wie ist es dazu gekommen, dass ihr bei einem großen Label wie Domino unter Vertrag genommen wurdet?
Cullen Omori: Einer unserer Freunde aus London hat eine unserer Singles an Domino vermittelt. Fat Possum deckte nur unsere Verträge in Nordamerika, also brauchten wir jemanden, der uns in Europa vertrat. Es läuft echt gut mit dem Label. Unser Manager hier ist schon lange ein großer Fan von uns. Natürlich hat Domino auch einen großen Einfluss. Es fühlt sich nach einer vernünftigen Entscheidung an.

Als ich eure neue Platte zum ersten Mal hörte war ich von dem Wandel eurer Musik vom Garagensound zu einer schimmernden Pop-Platte sehr überrascht. Haben euch die Aufnahmen in diesem großen Studio zu diesem neuen Sound inspiriert?
Cameron Omori: Das lässt sich nicht wirklich miteinander vergleichen. Unser erstes Album haben wir nur zum Spaß aufgenommen. Wir dachten nicht, dass es sich jemand anhören würde. Wir waren schon verdammt stolz drauf, aber wir wussten einfach, dass es nicht allzu bald auf den Top 40 Radiosendern laufen würde. Dafür, dass es klingt, wie es klingt, kam das Album im Endeffekt aber überwältigend gut an.
Max Kakacek:Mit einigen Ausnahmen natürlich, aber manche Leute mögen diesen Sound des Home-Recording einfach nicht so. Wir wollten einfach auch schon immer zeigen, dass wir das Potential haben eine gute Platte aufzunehmen und gute Songs zu schreiben. Deswegen sind wir eigentlich ins Studio gegangen.

Ist ein Teil des Songwritings auch im Studio passiert?
Cameron Omori: Wir haben für jedes Lied nur einen Tag im Studio gehabt. Zehn Tage für zehn Lieder. Deswegen war alles schon im Voraus aufs Genaueste geplant, damit wir gleich loslegen konnten sobald wir im Studio waren.

Ihr spielt ja jetzt schon auf ziemlich großen Festivals wie dem South by Southwest oder im Sommer dann beim Bonaroo, wo auch viele Manager und A&R-Scouts im Publikum zu finden sind. Seid ihr von solchen Leuten schon Mal herablassend behandelt worden, weil ihr noch so jung seid?
Cullen Omori: Die meisten behalten es für sich, ob sie uns für zu jung halten. Die einzige Kritik bekommen wir immer aus unserer Heimatstadt Chicago. Das sind dann eher die Medien dort, die versuchen, uns runter zu machen. Aber schlussendlich sind alle A&R-Scouts und Manager nur Menschen in der Menge, für die wir spielen. Sie unterscheiden sich halt von dem Typen, der tatsächlich Geld gezahlt hat, um uns zu sehen, weil es ihnen egal ist, wer da auf der Bühne steht. Deshalb ist es wichtiger, dass unsere Fans Spaß haben und nicht der Typ, der nur wegen einem Label da ist und uns dann nach der Show an der Bar zu textet. 

Wir Musikjournalisten sind ja ein ziemlich faules Pack, und sobald wir eine Band in eine Schublade gesteckt haben, lassen wir sie da auch gerne drin.  Was wäre ein Schublade, in der ihr ungern stecken wollt?
Es ist ganz schlimm, wenn wir als Garage-Rock bezeichnet werden. Es ist eh ganz schwer, unsere Musikrichtung zu definieren. Wir spielen auch keinen Britpop oder Ähnliches. Wir haben zum Spaß die Musikrichtung Dream-Arena erfunden. Unsere Musik ist ja etwas verträumt, aber auch Arena-Rockmusik. Deswegen sind wir wahrscheinlich am ehesten Dream-Arena. Wir stecken uns eben in unsere eigene Schublade.