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Willanders WeltKolumne

Manche sagen, dass Donald Trump ein Springsteen-Fan war

Er arbeitete lange an einem Traum – jetzt singt Bruce Springsteen gegen Donald Trump und ICE.

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Einst sagte Bruce Springsteen zu seinem politischen Engagement: Er habe nur einmal an einer Präsidentschaftswahl teilgenommen – 1972 habe er für den unglücklichen George McGovern gestimmt. Seine Mutter Adele hatte dem Jungen ihre Maxime mit auf den Weg gegeben: „Wir sind für die Demokraten, denn sie vertreten die arbeitenden Menschen.“

In seiner Autobiografie schreibt Springsteen, dass er noch nicht einen Tag zur Arbeit gegangen sei. Andererseits heißt eine seiner Platten „Working On A Dream“. Und das ist eine verdammt schwere Arbeit.

Nachdem Ronald Reagan 1984 die Arbeit des „jungen Mannes aus New Jersey“ gelobt hatte, nämlich den Song „Born In The U.S.A.“, ist Springsteen etwas empfindlich gegen Lob geworden: „Nur Republikaner konnten das Lied missverstehen.“ Es erzählt die Geschichte eines Vietnam Veteranen, der nach seiner Heimkehr keine Arbeit finden kann. Ursprünglich für „Nebraska“ (1982) gedacht, wurde es der Titelsong von Springsteens erfolgreichstem Album.

Unterstützung für Demokraten

„The Ghost Of Tom Joad“ von 1995 handelt von Einwanderern, Grenzgängern und dem Niedergang amerikanischer Städte; der Titelsong ist eine Variation über John Steinbecks „Grapes Of Wrath“: „ I’ll be there, Ma.“ Springsteen ging ganz allein auf Tournee und trug diese Songs mit akustischer Gitarre vor. Er war der Tom Joad, wie Henry Fonda ihn in John Fords Film darstellte.

Bruce Springsteen entwickelte sich zu einem Bürgerrechtler. Er unterstützte vergeblich John Kerry in der Kampagne gegen George Bush Jr. und dann erfolgreich Barack Obama bei zwei Wahlen. Mit Obama brachte er das Buch „Renegades“ heraus, entgegen dem Titel ein staatstragender Gesprächsband. Während seiner Amtszeit sagte Obama: „Ich bin nur der Präsident, aber er ist der Boss.“

2016 Presidential Medal Of Freedom Ceremony
Bruce Springsteen und Barack Obama, hier bei der Presidential Medal Of Freedom Ceremony 2016

Im Jahr 2000 schrieb Springsteen den Song „American Skin (41 Shots)“, nachdem der Afroamerikaner Amadou Diallo von Polizisten erschossen worden war, als er nach seiner Geldbörse griff. Die Platte „We Shall Overcome – The Seeger Sessions“ (2005) versammelt amerikanische Traditionals, Folk und Worksongs wie „Pay Me My Money Down“ und „My Okalahoma Home“ in der Nachfolge des aktivistischen Sängers Pete Seeger. Auf „Wrecking Ball“ (2012) befasst Springsteen sich mit Gemeinschaft und Ermutigung, etwa in „We Take Care Of Our Own“.

Bruce Springsteen reagiert mit Düsternis auf Donald Trump

Dann kam Donald Trump, und Springsteens Welt verdunkelte sich. Auf „Letter To You“ (2020) singt er in „House Of A Thousand Guitars“: „The criminal clown has stolen the throne.“ In Trumps zweiter Amtszeit wurde Springsteens Zorn immer unmittelbarer. Bei einer Tournee in Europa äußerte er sich auf der Bühne über den „korrupten“ Trump. Der wiederum drohte dem „talentlosen“ Springsteen: Komm du mal nach Hause! Er kam nach Hause.

Im Winter 2026, nach dem Tod von Renée Good und Alex Pretti, schrieb Springsteen den Song „Streets Of Minneapolis“. Ein Schwarz Weiß-Foto von Protestierenden mit Schildern, auf denen „ICE out!“ steht, illustriert das Lied, das Springsteen binnen Tagen aufgenommen und sofort veröffentlicht hat. Es ist sein einziges reines Protestlied, eine Reportage, ein wütender und bitterer Aufschrei. „We remember the names of those who died“, singt Springsteen.

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„Their claim was self defense, Sir“, singt er mit der Stimme des zum Tode Verurteilten in dem Song „Nebraska“. Es ist wie das Szenario am Ende von „Jungleland“, nur dass kein warmes Bier getrunken wird und kein Mädchen auf der Kühlerhaube sitzt. Es ist eiskalt, es ist neblig. Der Krankenwagen fährt weg.

Manche sagen übrigens, dass Donald Trump ein Springsteen-Fan war.

Leigh Vogel WireImage