Trumps Regierung findet keine klare Linie bei den explodierenden Benzinpreisen

Trump und seine Regierung behaupten, die Benzinpreise seien kein Problem – räumen aber gleichzeitig ein, dass sie hoch bleiben könnten.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

Donald Trumps Krieg gegen den Iran findet jenseits des Ozeans statt, doch er treibt die Sprit- und Transportkosten in den USA in die Höhe. Die Benzinpreise, die an Straßen im ganzen Land langsam nach oben klettern, sind kaum zu übersehen – und die Amerikaner haben keine Ahnung, wann sich die Lage bessert. Der Präsident und seine Regierung übrigens auch nicht.

Wenn Trump etwas vermasselt, ist es in der Regel ein Einbruch an den Märkten, der ihn dazu bringt, den Schaden zu begrenzen. Im Fall des Iran-Kriegs sieht er sein Wahlkampfversprechen von Erschwinglichkeit dahinschwinden – doch er scheint weder willens noch in der Lage, das aufzuhalten. Einen Krieg lässt sich nicht mit einem Truth-Social-Post beenden, und wirtschaftlicher Optimismus aus dem Weißen Haus ändert nichts an der materiellen Realität einer Treibstoffknappheit, die durch eine blockierte Straße von Hormus verursacht wird. Das Ergebnis ist ein Sammelsurium an verwirrenden öffentlichen Widersprüchen vom Präsidenten und seinen Beratern darüber, was mit den Benzinpreisen los ist und wann die Amerikaner mit einer Entspannung rechnen können.

Als die Benzinpreise am Sonntag bei rund vier Dollar pro Gallone lagen, sagte Energieminister Chris Wright gegenüber CNN-Moderator Jake Tapper voraus, dass die Preise möglicherweise erst „später in diesem Jahr“ oder sogar „erst nächstes Jahr“ wieder unter drei Dollar fallen könnten. Tapper hakte bei Wrights früheren Vorhersagen nach und erinnerte ihn daran, dass der Minister zu Beginn des Konflikts gesagt hatte, er glaube, der Preisanstieg sei im „schlimmsten Fall“ ein Problem von „Wochen“ und nicht von „Monaten“.

Wright vs. Trump

„Die Preise haben wahrscheinlich ihren Höhepunkt erreicht und werden anfangen zu sinken. Sobald dieser Konflikt gelöst ist, werden die Preise definitiv fallen“, fügte Wright hinzu.

Am Montag rief der Präsident bei „The Hill“ an und widersprach Wright öffentlich: Er halte seinen Minister für „falsch damit. Komplett falsch“, und die Preise würden sinken, „sobald [der Krieg] endet“.

Ein durchaus nachvollziehbarer Dissens – wäre da nicht die Tatsache, dass der Präsident selbst wenige Tage zuvor etwas völlig anderes gesagt hatte. Gegenüber Reportern vor dem Weißen Haus erklärte er, die Preise seien momentan „gar nicht so hoch“ und „die Börse steigt. Alles läuft wirklich gut.“ Noch verwirrender: Einige Tage davor – in einem Gespräch mit Fox-News-Moderatorin Maria Bartiromo – räumte der Präsident ein, dass die Preise hoch seien und bis zu den Midterms womöglich noch weiter steigen könnten.

Midterms im Blick

Bis November könnten sie „gleich“ oder vielleicht sogar „etwas höher“ sein, sagte Trump und ergänzte, er „hoffe“, dass sie bis zum Wahltag sinken. Bartiromo konnte den großäugigen Blick, den sie in die Kamera warf, kaum verbergen.

Der Präsident war natürlich mit einer Agenda rund um Erschwinglichkeit und Inflationsbekämpfung angetreten – kühn genug, um den Amerikanern einige der niedrigsten Benzinpreise der Geschichte zu versprechen. Die Realität seiner Amtszeit sieht ganz anders aus. Doch während die Republikaner sich auf die Midterms im November vorbereiten, wird immer offensichtlicher, dass die Folgen des selbst gewählten Krieges des Präsidenten und seiner sprunghaften Handelspolitik die Preise in die Höhe treiben und massiven Wählerverdruss schüren.

Angesichts der drohenden Quittung an der Wahlurne begehen Trump und einige seiner engsten Kabinettsmitglieder womöglich denselben Fehler, der Ex-Präsident Joe Biden (zumindest teilweise) die Wiederwahl gekostet hat: so zu tun, als sei alles in Ordnung, und den Amerikanern selbst ein Wahrnehmungsproblem zu unterstellen.

„In ihrem Innersten fühlen sie sich gut“

Genau das behauptete Finanzminister Scott Bessent vergangene Woche, als er gefragt wurde, warum der wirtschaftliche Optimismus der Amerikaner nicht zunehme. „In ihrem Innersten fühlen sie sich gut. Ich bin nicht sicher, was sie den Leuten von den Umfragen erzählen“, sagte Bessent über Trumps zunehmend katastrophale Umfragewerte.

Am Montagabend erklärte Pressesprecherin des Weißen Hauses Karoline Leavitt gegenüber Fox News, wer darauf bestehe, dass die USA infolge des Krieges „schlechter dastehen“, der „fiebert gegen diesen Präsidenten und damit gegen unser Land“.

Am Dienstag brüstete sich Leavitt damit, dass die Benzinpreise den „achten Tag in Folge“ gefallen seien – verschwieg dabei aber, dass der Rückgang etwas mehr als zehn Cent betrug, von einem Höchststand von 4,118 Dollar auf 4,022 Dollar. Das entspricht rund neun Cent pro Gallone – kaum ein Kratzer an dem knapp 30-prozentigen Preisanstieg seit Kriegsbeginn.

Waffenruhe läuft ab

Trump hat die Wochenendfrist, die er am Freitag für eine Einigung zur Beendigung des Iran-Kriegs genannt hatte, bereits verstreichen lassen; Vizepräsident J.D. Vance soll nach Pakistan zurückkehren, nachdem eine erste Verhandlungsrunde ergebnislos geblieben ist; und am Dienstag sagte der Präsident gegenüber CNBC, er rechne damit, dass „bald wieder gebombt“ werde, wenn die Unterhändler keine Lösung fänden – und stellte klar, dass er die Waffenruhe bei ihrem Ablauf am Mittwoch nicht verlängern werde, sofern der Iran seinen Forderungen nicht nachkomme.

Vieles bleibt ungewiss – aber wenn es ums Benzin geht, fährt man mit dem Blick auf die Preisschilder an der Tankstelle wohl besser als mit den Versprechungen des Präsidenten.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil