Xavier Naidoo und Epstein: Rückkehr ins Verschwörungsmilieu

Kaum zwei Monate nach seiner Comeback-Tour tritt Xavier Naidoo bei einer Epstein-Demo auf und spricht von „Kinderfressern“ – der Rückfall war absehbar. Jetzt nachlesen.

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Im Dezember 2025 gab Xavier Naidoo sich auf seiner ausverkauften Tour salbungsvoll und milde geläutert wie ein einst verlorener Sohn. Kaum zwei Monate später ist der Mannheimer Sänger erneut mit drastischen politischen Äußerungen am Start.

Kinderfresser und Dämonen vor dem Kanzleramt

Auf einer Kundgebung am Dienstag (18. Februar) vor dem Bundeskanzleramt in Berlin verbreitete Naidoo Aussagen, mit denen er sich zurück ins Schwurbler-Camp katapultierte. Vor dem Mikrofon wählte er drastische Formulierungen.

Wörtlich sprach er von „Kinderfressern“ und „Dämonen“ in Bezug auf Personen, die in den Akten auftauchen. Darüber hinaus äußerte er, Menschen, die „selber Kannibalen sind“, hätten ein Interesse daran, „dass wir alle Kannibalen werden, damit wir alle in die Hölle runterfahren“.

Rechte Trittbrettfahrer und das Compact-Netzwerk

Wen genau er damit meinte, ließ Naidoo mal wieder offen. In den US-Dokumenten finden sich keine Hinweise auf Kannibalismus; sie dokumentieren vor allem systematischen sexuellen Missbrauch Minderjähriger sowie die kriminellen Netzwerke rund um Epstein.

Zur Demonstration aufgerufen hatten rechtsgerichtete Trittbrettfahrer, die den Epstein-Skandal für ihre Agenda ausschlachten wollen – medial flankiert vom Videokanal des rechtsextremen Kampagnen-Netzwerks „Compact“ um Jürgen Elsässer.Naidoo erklärte vor Ort zudem, er wolle mit Bundeskanzler Friedrich Merz über die Inhalte der sogenannten „Epstein-Files“ sprechen.

Keine Premiere: Naidoos Geschichte im Schwurbler-Milieu

Bereits in der Vergangenheit war der Sänger wiederholt bei Veranstaltungen oder in digitalen Formaten aufgetreten, die im Umfeld verschwörungsideologischer Milieus verortet werden. Seine Wortmeldungen am Dienstag knüpfen an frühere Äußerungen an, in denen er politische und gesellschaftliche Eliten pauschal diffamierte.

Mehrfach hatte er Thesen verbreitet, die dem sogenannten Reichsbürger-Spektrum zugerechnet werden, darunter die Behauptung, Deutschland sei „immer noch ein besetztes Land“. Auch antisemitische und rechtspopulistische Äußerungen wurden ihm vorgeworfen.Im Jahr 2022 veröffentlichte der Popstar ein Video, in dem er sich für frühere Aussagen entschuldigte. Konkrete Inhalte nannte er darin nicht, sprach jedoch davon, sich „verirrt“ zu haben.

Das Ende der versöhnlichen Erzählung

Der jüngste Auftritt in Berlin dürfte diese Phase relativer Zurückhaltung beenden. Mit Begriffen wie „Kinderfresser“ und „Kannibalen“ greift Naidoo erneut auf drastische, im verschwörungsideologischen Diskurs verbreitete Motive zurück – ohne Belege oder konkrete Bezüge zu liefern.Ob und welche Konsequenzen dieser Auftritt für seine weitere künstlerische Laufbahn haben wird, bleibt offen.

Ebenso abzuwarten ist, ob seine Gönner und Mentoren – etwa Konzertveranstalter Marek Lieberberg, der sich stets für Naidoos Comeback starkgemacht hat, oder der nur selten lustige Comedian Oliver Pocher – auf diesen „Rückfall“ reagieren werden.Die versöhnliche Erzählung, Naidoo habe halt „ein wenig zu oft gekifft“, lässt sich nun jedenfalls nicht mehr aufrechterhalten.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.