In unserer Reihe "Copyright or wrong?" beziehen Künstler aus Deutschland Stellung zum Thema Urheberrecht. Nach dem einleitenden Beitrag von Ekki Maas von Erdmöbel, dem Statement von Frank Spilker, Phillip Boa und Bela B. bezieht heute Inga Humpe Stellung zum Thema. Inga Humpe ist eine Hälfte des berliner Electro-Duso 2raumwohnung. Ihr letztes Album "Lasso Remixe" erschien 2010.
Sven Regeners Interview feiern wir, von vorne bis hinten und zurück.
Die Modernität, die Leute für sich in Anspruch nehmen, wenn sie Musik umsonst verlangen, ist real ein Rückschritt. Der Rebell ist mittlerweile der, der bezahlt für das, was ihm gefällt. Wir brauchen Rebellen, damit bequemes und ungerechtes Verhalten aufgedeckt und geändert wird. This is not a love song...
Hier die bisherigen Beiträge der Serie:
Kommentare (9)
Rebell ist wer bezahlt?
Das tue ich ja: ich gebe heute genausoviel für Musik aus, wie früher auch. Ich kaufe mir CDs und LPs, wenn die Musik mich im Netz überzeugt hat und wenn der Tonträger verspricht, mir mehr zu bieten, als bloss ein par Songs. Und ich bezahle kalt lächelnd das Doppelte wie vor 10 Jahren für Konzertkarten.
Jetzt bin ich also ein Rebell ja? Gegen wen eigentlich? Mit Inga Humpe, Bela B und Hans Peter Friedrich gegen das fiese Imperium der Piraten, die die arme Musikindustrie gekapert und die armen Künstler als Geiseln genommen haben?
Wenn das nicht Post-Post-Punk ist! Wo wollen wir uns treffen vor dem Sturm auf die CBase? Schloß Bellevue vielleicht? Oder doch lieber gleich beim Innenministerium? Ob die Beamten vom BKA auch mitkommen dürfen?
Ich habe ja Verständnis für den Ärger bei den altgedienten Berufsmusikern, die Angst um Ihre Rente haben. Aber wollt Ihr wirklich, dass jeder Internetanschluss vollständig kontrolliert und damit das Abwürgen jeder Aktivität im Netz möglich gemacht wird, die irgendeinem Konzern, Politiker oder Medienzaren nicht in den Kram passt?
Erinnert Euch mal an die Kultur, aus der Ihr alle gewachsen seid! Wie war das mit den zwei Typen, die wie Kontrolleure aussehen?
von zettberlin am 04. Mai 2012 11:46 Uhr
?
Und wer fordert das? Hier geht es doch zunächst einmal um Pläne gewisser Parteien, das Urheberrecht aufzuweichen und Künstlern damit die Existenzgrundlage zu entziehen. Mit dem Internet hat das sekundär zu tun. Davon abgesehen: Ja, ich würde mir wünschen, dass das Netz stärker kontrolliert wird, nicht nur was Raubkopien angeht.
von Sven am 04. Mai 2012 12:16 Uhr
Antwort
> Pläne gewisser Parteien, das Urheberrecht aufzuweichen
Die Piraten wollen das Urheberrecht nicht "aufweichen" -- seine Durchsetzbarkeit ist bereits aufgeweicht. Als Fraunhofer MP3 vorstellte, war der Film gelaufen.
Die Piraten wollen jetzt, dass mit diesem Fakt vernünftig umgegangen wird. Das bedeutet: solange kein Geld ins Spiel kommt, sollen Internetnutzer nicht verfolgt werden, wenn sie Dateien tauschen. Denn diese Verfolgung würde viel mehr Schaden für viel mehr Menschen anrichten als der Verdienstausfall der Musikindustrie.
Und die ganz offizielle Parteimeinung der Piraten ist, dass alle, die Geld verdienen, auch einen fairen Anteil zahlen sollen und zwar am besten direkt an die Autoren. Das wären dann YouTube, Vimeo, Facebook und alle anderen, die Musik auf ihren kommerziellen Webseiten anbieten. Auch, weil kommerzielle Webseiten ohne jeden Schaden für die Netztfreiheit leicht zu kontrollieren sind.
Und all das hat selbstverständlich primär mit dem Internet zu tun, mit seiner Struktur und seiner Technik. Und wer dazu etwas Substantielles sagen möchte, kann sich das nötige Wissen in selbstverständlich frei verfügbaren Fachbüchern anlesen.
von zettberlin am 04. Mai 2012 12:35 Uhr
Surprise, surprise!
Schau mal einer an. Die Künstler sind also tatsächlich unisono für den Schutz des Urheberrechts? Sven Regner ist für sie der Held der Nation? Was für eine Überraschung! Die Diskussion geht jedoch am eigentlichen Problem vorbei, bzw. bleibt beim kleinsten gemeinsamen Nenner stehen. Die Frage nach dem OB des Urheberrechtsschutzes kann in einem Rechtsstaat eigentlich nur mit Ja beantwortet werden. Diejenigen, die den Urheberrechtsschutz ernsthaft gänzlich in Frage stellen (das sind weitaus weniger, als so mancher aus der Regener-Fraktion annehmen möchte), sehen sich zudem mit dem Dilemma konfrontiert, dass es bald nichts mehr zu tauschen gibt, wenn man den Künstlern den Geldhahn abdreht.
Das eigentliche Problem ist doch, WIE der Urheberrechtsschutz unter geringstmöglicher Freiheitsbeschränkung der Internetnutzer durchgesetzt werden kann. Bisher läuft es doch so, dass der Staat sich weitgehend aus der Kontrolle des Internets raushält (was natürlich auch richtig so ist!!!) und den Rechteinhabern (Musikindustrie) die Verfolgung von Urheberrechtsverstößen mittels Abmahnungen überläßt. Die Rechteinhaber kommen an diejenigen, die mit dem Getausche (mit Werbung) Geld verdienen (Leute wie Kim Dotcom) aber nicht ran, weil die ihre Server im Kongo oder in Belize oder in sonst einem unkontrollierbaren Staat rumstehen lassen. Stattdessen mahnen die Anwälte der Musikindustrie Fernfahrer Uwe (ist froh, wenn er es im Internet schafft, ne Handyhalterung für seinen Truck bei ebay zu bestellen) ab, weil dessen Sohn Dennis die neueste Bravo Hits 77 CD heruntergeldaden hat. Vater Uwe (hört nur Volksmusik) soll dafür nun 1500 € Abmahngebühr zahlen. Was kriegt der Künstler davon? Richtig! Nix. Das meiste kassieren die Anwälte. Aber auch Kim Dotcom wird derweil immer fetter, weil immer mehr illegale Downloader seine Internetseiten anklicken und er den Werbeplatz teurer verhökern kann. Und weil Sony und Co. mit dem Abmahnen der kleinen Leute gar nicht mehr hinterherkommen, macht die Musikindustrie Stress und der Gesetzgeber muss sich was neues einfallen lassen. Vielleicht mehr Kontrolle durch die Provider? Drakonischere Strafen? Höhere Abmahngebühren? Oder gar Netzverbot? Whatever it takes! Genau an diesem Punkt sagen einige Menschen, so wie ich, STOP! Verfolgt doch bitte ersteinmal diejenigen, die mit illegalen Downloads ihre Hubschrauber und ihren Panicroom finanzieren, bevor ihr den Privatnutzer am heimischen Nutzer noch mehr kontrolliert bzw. noch härter bestraft. Das Argument von Kim Dotcom und den Betreibern von Rapidshare und co. , sie würden doch nur Speicherplatz im Netz zur Verfügung stellen, ist so was von heuchlerisch. Natürlich können die Betreiber von one click hostern die bei Ihnen hinterlegten Inhalte kontrollieren, sie wollen das nur nicht, da ihre Plattformen dann weniger genutzt und sie weniger Geld verdienen würden. Hier anzusetzen halte ich für wesentlich sinnvoller, als Fernfahrer Uwe die x-te Abmahnung zu schicken.
von Tobias Dierks am 05. Mai 2012 12:41 Uhr
@Tobias Dierks
Danke für einen der ersten vernünftigen Beiträge hier.
Ich denke allerdings, dass man Blutsauger wie Kim Schmitz und Konsorten durchaus drankriegen kann. Auch, wenn ihre Server in Belize stehen, Geld verdienen können sie dort nicht so gut. Überall, wo Anbieter auf die Einhaltung von Verträgen angewiesen sind, können Staaten eingreifen weil der Geldverkehr und das Handelssystem insgesamt durchaus unter Kontrolle der Staaten ist.
Was sich am Fall Dotcom ja auch exemplarisch gezeigt hat.
Nur greifen die Staaten anscheinend lieber in die Privatsphäre ihrer Bürger als in den internationalen Geldverkehr ein.
Das Problem hier mit Bela B, Inga Humpe und den anderen ist, dass sie lieber diesen Eingriff in die Freiheiten ihrer Hörer in Kauf nehmen, als sich für eine Politik auszusprechen, die kommerzielle Anbieter schärfer rannimmt. Von einem Typen, der die Rock n Roll Kultur vertreten will, erwarte ich, dass er nicht nach flächendeckender Überwachung schreit, wenn er für ein paar getauschte Dateien seiner Songs kein Geld bekommt.
Es ist für einen Rockstar einfach unwürdig, den Leviathan gegen seine Hörer anzurufen. Ideale wie Freiheit und Sebstbestimmung zu vertreten hat nun mal seinen Preis. Sie hätten alle sagen können: " Ihr verdammten Wichser sollt gefälligst zahlen!" aber nicht, ohne dazuzusagen: "Aber der Staat soll sich raushalten."
Wer bereit ist, jedes Mittel in Kauf zu nehmen, um seine Privilegien durchzusetzen, soll in die CSU eintreten aber nicht den Rockstar spielen.
von zettberlin am 05. Mai 2012 13:36 Uhr
?
"Das bedeutet: solange kein Geld ins Spiel kommt, sollen Internetnutzer nicht verfolgt werden, wenn sie Dateien tauschen. Denn diese Verfolgung würde viel mehr Schaden für viel mehr Menschen anrichten als der Verdienstausfall der Musikindustrie."
Und genau solch gefährlichem Unsinn muss deutlich wiedersprochen werden.
von Sven am 06. Mai 2012 14:35 Uhr
@sven
> solch gefährlichem Unsinn muss deutlich wiedersprochen werden
Dann tus doch. Ich meine: deutlich Widersprechen.
Such Dir ein paar Argumente, bring sie vor, entkräfte meine Argumente. Schön deutlich, wenns geht.
Da Du eine elaboriert klingende Formulierung wie "gefährlicher Unsinn" wählst, gehe ich jetzt davon aus, dass Du Dich mit dem Thema inhaltlich ausführlich beschäftigt hast. Da wirst Du ja wohl mehr drauf haben als einen pathetischen Aufruf in halbmaoistischen Stil oder?
von zettberlin am 06. Mai 2012 16:07 Uhr
?
@ zettberlin
Ich bin freier Autor und lebe vom Verkauf meiner Ergüsse. Insofern: Ja, ich habe mich mit dem Thema gezwungenermaßen sehr ausführlich auseinandergesetzt. Du stellst abstruse Forderungen auf, damit bist DU derjenige, der diese argumentativ begründen muss. Du plädierst dafür, dass jeder fremdes Eigentum unters Volk bringen darf wie es ihm passt, so lange kein Geld im Spiel ist. Ich brauche kein Gegenargument außer dem Hinweis, dass jeder von mir nicht genehmigte Download einen direkten Griff in meine Brieftasche darstellt.
Einen weiterführenden Gedankenaustausch erachte ich als Zeitverschwendung, da bin ich ganz ehrlich. Lieber arbeite ich, wie momentan, mit einer Vielzahl an Kollegen an entsprechenden Gegenmaßnahmen.
von Sven am 06. Mai 2012 18:04 Uhr
@Sven
Ich bin ebenfalls freier Autor und lebe zu einem wesentlichen Teil vom Verkauf meiner Ergüsse.
Ich habe meine Ansichten bereits argumentativ unterfüttert. Und in der Demokratie ist es eben so, dass man sich in einer Diskussion durchsetzten muss, wenn man etwas verhindern möchte.
> Du plädierst dafür, dass jeder fremdes Eigentum unters Volk bringen darf wie es ihm passt, so lange kein Geld im Spiel ist.
Ich plädiere dafür, dass solche alltäglichen Dinge nicht juristisch verfolgt werden sollen. Auch, weil das Kopieren einer Datei allenfalls die Erschleichung einer Dienstleistung ist, aber absolut kein Diebstahl. Und die aus Deinem Urheberrecht abgeleiteten Nutzungsprivilegien sind eben nicht das Gleiche wie physischer Besitz. Jede Analogie zu Brieftaschen, Brötchen, Schokoriegeln oder dergleichen ist falsch. Fernsehen ohne GEZ zu Zahlen ließe sich vergleichen aber Deine Brieftasche kannst Du stecken lassen.
von zettberlin am 07. Mai 2012 12:59 Uhr