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Die besten deutschen Songs aller Zeiten: Blumfeld – „Ghettowelt“

Als Blumfeld die Bühne betraten und die deutsche Popkultur von den Füßen auf den Kopf stellten, regierten Snap! und Enigma die Charts, und Metallica schrieben schwerblütige Balladen. Wer genau hingehört hatte, hätte etwas ahnen können – Jochen Distelmeyer war mit seiner Band Die Bienenjäger Ende der 80er-Jahre durch kleine Clubs getourt und hatte schöne, Aztec-Camera-artige Popsongs gesungen, mit einer Stimme, die völlig unrockig klang und anders als alle anderen.

Doch auf „Ghettowelt“ konnte man kaum vorbereitet sein. Die erste Blumfeld-Single erschien 1991 und begann mit dem Satz: „Ein Lied mehr, das dich festhält/ und nicht dahin lässt, wo du hinwillst.“ Es war ein Orkan. Es war eben nicht ein Lied mehr, sondern das beste und wichtigste Lied des Jahres und der Beginn von etwas Neuem, das dann „Hamburger Schule“ genannt wurde, was damals natürlich noch keiner wusste, was aber auch mehr war: nämlich der Beweis, dass komplexe Inhalte und schönste deutsche Lyrik zu perfekten Popsongs taugen. Denn obwohl „Ghettowelt“ kracht, als spielten Joy Division Grungerock, trug das Lied feinsten Pop in sich, wie auch die politisch agitierenden Lyrics gleichsam intimes Liebeslied waren.

Jochens souveräne, zarte, kraftvolle Singstimme formte Sätze wie: „Ein falscher Freund mehr/ der nicht locker lässt/ bis Du einer von ihnen bist“ – ungemein elegant, sie flogen einfach durch den kargen, krachigen Instrumentalorkan.

Blumfeld wurden eine Sensation, und das völlig zu Recht. Jochen argumentierte mit Adorno und Luhmann und wurde gerne missverstanden. Als Nächstes kam das aggressive, politische zweite Album „L’Etat Et Moi“, und dann folgten mit „Old Nobody“ der vermeintliche Umschwung ins Private und die Hinwendung zum Pop.

Dabei war alles immer schon dagewesen. Und Blumfeld waren die wichtigste deutsche Band der Neunziger.

Blumfeld :: Testament der Angst


Kritik: Blumfeld in Berlin – Richtige Refrains zur richtigen Zeit

Wir durchleben einen der schlimmsten Sommer seit 73 Jahren, es gibt Hetzjagden von Nazis durch unsere Städte, die AfD ist nach manchen Umfragen zweitstärkste Partei in Deutschland. Dagegen gibt es zum Glück Protest. Beim „Wir sind mehr“-Konzert traten unter anderem Die Toten Hosen auf, Kraftklub und Feine Sahne Fischfilet. Zum Dorf-Festival „Jamel rockt den Förster“ kam Herbert Grönemeyer. Die „Hamburger Schule“-Bands, allen voran Blumfeld und Tocotronic, sangen schon Anfang der 1990er-Jahre gegen Rechtsextremismus an, sie wurden geprägt von Mölln und Rostock-Lichtenhagen. Umso erstaunlicher, dass heute kaum Bezug auf diese Künstler genommen wird. Zu antifaschistischen Festivals, von denen es aktuell zu…
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