111 Songs: Kraftklub – „Songs für Liam“


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Zum ersten Mal bemerkten Nicht-Eingeweihte Kraftklub als irritierenden Moment bei einer sonst gar nicht so ungewöhnlichen Show, dem Bundesvision Song Contest 2011. Da sprang die Chemnitzer Band um die Brüder Felix und Till Brummer (die eigentlich Kummer heißen) auf die Bühne und behauptete dreist: „Ich will nicht nach Berlin.“ Man musste einfach lachen und nicken – und sich über diese Zappeltypen mit ihren Hosenträgern wundern. Sie wurden nur Fünfte. Aber keine vier Monate später stiegen sie mit ihrem Debüt, „Mit K“, auf Platz eins der deutschen Charts ein.

Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass Kraftklub den „neuen Osten“ verkörpern: ohne Selbstmitleid, aber mit genügend Selbstironie, ohne Nostalgiequatsch, allerdings auch ohne Zweckoptimismus. Oder doch eher daran, dass sie HipHop machen für Leute, die eigentlich Rockmusik mögen, oder Rockmusik für Leute, die eigentlich HipHop cooler finden. Es ist kein Zufall, dass sie beim gleichen Management sind wie Casper, dem etwas Ähnliches gelingt: jenseits von Genredefinitionen Lieder zu schreiben, die jeden ansprechen, der ihnen eine Chance gibt. Zum Beispiel „Songs für Liam“. Da tauchen „Scrubs“ und Mario Barth auf, Josh Homme und die Arctic Monkeys – und dann die Beobachtung: „Das ist keine Musik, das sind die Black Eyed Peas.“ Wer würde da nicht sofort zustimmen? Auch wenn man sich noch so sehr dagegen sträubt, bleibt der simple Refrain dieses unwahrscheinlichen Liebesliedes hängen: „ Wenn du mich küsst, schreibt Noel wieder Songs für Liam …/ Wenn du mich küsst, kommen unsere Freunde zurück aus Berlin …/ Und wenn du mich küsst, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheiße.“

Es ist aber nicht alles ein einziger Spaß für diese Band: Im März dieses Jahres ließen sie sich von der ECHO-Nominiertenliste streichen, weil auf der auch die zweifelhaften Frei.Wild standen. Neben Stil und Sound sind Standpunkte halt auch nicht unwichtig.