Gelöst: Alle versteckten Symbole in Bad Bunnys Super-Bowl-Halftime-Show

Analyse aller Symbole, historischen Bezüge und politischen Aussagen in Bad Bunnys Super-Bowl-Halftime-Show 2026.

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Bad Bunny ist es gewohnt, Geschichte zu schreiben – und in der vergangenen Nacht hat er einen weiteren Meilenstein gesetzt: Als erster Künstler trat er bei der Super-Bowl-Halftime-Show ausschließlich auf Spanisch auf. Bis zum großen Abend gab es nur einen Hinweis auf mögliche Themen der Show: den Apple-Music-Trailer, der Bad Bunny tanzend zu seinem Hit „Baile Inolvidable“ mit einer diversen Gruppe von Tänzern zeigte.

Die Stimmung: Einheit und Freude. Doch Bad Bunny schafft es immer, komplexe Botschaften in seine Auftritte zu integrieren – so wie in seine Songs.

Die Spannung war zusätzlich hoch, weil er zuvor konservativen Gegenwind erhalten hatte – bis hin dazu, dass Turning Point USA eine alternative Halbzeitshow organisierte. Außerdem warteten viele Menschen aufgrund von Bad Bunnys stark politisierten Grammy-Dankesreden (eine begann mit dem Ausruf „ICE out“) darauf, was er in seinem 13-minütigen Auftritt sagen oder tun würde.

Überraschung statt Ansage

Doch ganz im Stil von Bad Bunny kam alles anders als erwartet. Die Show war voller Symbole der puerto-ricanischen Geschichte und Kultur, verwies auf die gesamte lateinamerikanische Community und formulierte eine kraftvolle Neuinterpretation dessen, was es bedeutet, „amerikanisch“ zu sein. Hier sind einige der zentralen Symbole und Geschichtsbezüge der Show, die leicht zu übersehen waren.

Zuckerrohr

Die Halbzeitshow begann mit einer Totalaufnahme von Menschen bei der Arbeit auf Zuckerrohrfeldern, bevor die Kamera zu Bad Bunny schwenkte, der „Tití Me Preguntó“ sang und an Arbeitern vorbeiging, die Zuckerrohr mit Macheten schnitten. Zuckerrohr war im 19. und frühen 20. Jahrhundert der wirtschaftliche Motor vieler karibischer Länder, darunter Puerto Rico. Gleichzeitig stehen Zuckerplantagen symbolisch für das Erbe von Kolonialismus und Sklaverei in der Region.

Versklavte Afrikaner arbeiteten auf den Plantagen bis 1873, als Puerto Rico unter spanischer Kolonialherrschaft die Sklaverei abschaffte. Nach der Übernahme durch die USA im Jahr 1898 eigneten sich US-Zuckerunternehmen große Teile des Landes an und erzielten enorme Gewinne durch puerto-ricanische Arbeitskraft und Ressourcen. Die Arbeiter in der Show trugen weiße Kleidung und Strohhüte, sogenannte „pava“-Hüte – ein Verweis auf den jíbaro, die ikonische Figur des puerto-ricanischen Landbewohners. Der Auftakt mit Zuckerrohrfeldern verweist zugleich auf ländliches Leben und die bis heute wirkenden kolonialen Strukturen in der Karibik.

Piragua-Stand

Während Bad Bunny durch die Zuckerrohrfelder ging, passierte er verschiedene Alltagsszenen: Freunde an einem coco-frío-Stand, ältere Männer beim Domino-Spiel, junge Frauen beim Nägelmachen – und schließlich einen Piragua-Stand, an dem Benito eine Portion des geschabten Eises bekam. Der Piragua-Stand ist ein zentrales Symbol puerto-ricanischer Kultur und steht für Gemeinschaft und Nostalgie. Man findet ihn überall auf der Insel und in der Diaspora.

Die Sirupflaschen auf dem Wagen trugen Flaggen verschiedener Länder, darunter Kolumbien, Spanien, Puerto Rico und Mexiko. Neben dem Bezug zu den Lyrics von „Tití Me Preguntó“, die Frauen aus diesen Ländern erwähnen, war dies ein weiteres klares Zeichen lateinamerikanischer Einheit innerhalb der Show.

Sapo Concho

Über der Bühne erschien die animierte Figur Concho, bekannt aus dem Kurzfilm und Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“. Concho ist ein sapo concho, eine in Puerto Rico endemische Krötenart, die heute vom Aussterben bedroht ist – durch invasive Arten und durch Bauprojekte, die ihren Lebensraum zerstören.

Kurz vor Veröffentlichung des Albums erschien ein gleichnamiger Kurzfilm mit dem puerto-ricanischen Schauspieler Jacobo Morales als gealtertem Bad Bunny. Der Film thematisiert Gentrifizierung und kulturellen Verlust. Der bedrohte sapo concho wird so zum Sinnbild für die Gefährdung puerto-ricanischer Lebensweise durch Kolonialismus und Verdrängung.

Casita

Bad Bunny performte mehrere Songs – darunter „Yo Perreo Sola“, „Safaera“, „Party“ und „Voy a Llevarte Pa’ PR“ – auf dem Dach der berühmten „casita“. Fans kennen dieses Haus aus dem Kurzfilm „Debí Tirar Más Fotos“, der kurz vor dem Albumrelease auf YouTube erschien. Darin lebt Jacobo Morales in einem typischen rosafarbenen Zementhaus auf dem Land von Puerto Rico, gebaut, um Hurrikans besser standzuhalten.

Diese Häuser mit bunten Fassaden, Fensterläden und geschnitzten Holztüren verschwinden zunehmend durch Neubauten. Bad Bunny integrierte die casita bereits 2025 in seine Residency „No Me Quiero Ir de Aquí“ in San Juan. Beim Super Bowl war sie Treffpunkt prominenter Gäste wie Cardi B, Pedro Pascal, Young Miko, Karol G und Jessica Alba.

El Morro

Der Teil der Show mit Hochzeitsszene sowie Lady Gaga und Bad Bunny bei „Baile Inolvidable“ war eine Nachbildung von Castillo San Felipe del Morro, kurz El Morro. Die im 16. Jahrhundert errichtete Festung ist eines der bekanntesten Wahrzeichen San Juans und ein zentrales nationales Symbol Puerto Ricos.

Besonders ikonisch sind die kleinen Wachttürme, die garitas. Eine dieser garitas war auf der Bühne deutlich zu sehen und verankerte die Szene visuell in der Geschichte der Insel.

Toñita

Während „NuevaYol“ nahm Bad Bunny einen Shot von Maria Antonia „Toñita“ Cay – einer Schlüsselfigur der puerto-ricanischen Community in New York. In den Lyrics heißt es: „Un shot de cañita en casa de Toñita / PR se siente cerquita“.

Toñita betreibt seit über 50 Jahren den Caribbean Social Club in Williamsburg, Brooklyn, und weigerte sich stets, ihr Gebäude trotz massiver Gentrifizierung zu verkaufen. In Bad Bunnys Werk steht sie für Zusammenhalt und Widerstand innerhalb der Community.

Strommasten

Während „El Apagón“ sah man Arbeiter aus den Zuckerrohrszenen auf Strommasten hängen. „El Apagón“ thematisiert die häufigen Stromausfälle in Puerto Rico. Der längste Blackout in der Geschichte der USA folgte auf den Hurrikan María und dauerte fast ein Jahr.

Viele Menschen eigneten sich damals selbst elektrotechnische Grundkenntnisse an und kletterten unter Lebensgefahr auf Masten, um Stromleitungen zu reparieren. Diese Szene stellte eine direkte Verbindung zwischen kolonialer Ausbeutung und heutiger infrastruktureller Vernachlässigung her.

Flaggen der Amerikas

Am Ende rief Bad Bunny „God bless América!“ und zählte nahezu alle Länder des amerikanischen Kontinents auf. Menschen mit Flaggen aller Staaten und Territorien umringten ihn. Auf dem Football stand: „Together we are America“, begleitet von den Worten „seguimos aquí“.

Dies war eine klare Zurückweisung konservativer Stimmen, die Bad Bunny und Latinos generell als „nicht amerikanisch genug“ darstellen. Stattdessen erklärte er Amerika als vielfältigen, gemeinsamen Raum jenseits nationaler Grenzen.

Ricky Martin

Ricky Martin trat als Gast auf und sang auf Spanisch „Lo Que le Pasó a Hawaii“ – einen der politischsten Songs von „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“. Statt der einstigen Anpassung an den US-Mainstream präsentierte er eine klare Verteidigung puerto-ricanischer Kultur und Identität.

Azul Clarito

Mehrfach tauchte hellblau auf – eine Farbe, die mit der puerto-ricanischen Unabhängigkeitsbewegung verbunden ist. Lady Gagas Kleid war hellblau und mit der roten flor de maga, der Nationalblume Puerto Ricos, geschmückt.

Bad Bunny trug eine Flagge mit hellblauem Dreieck – eine Anspielung auf die ursprüngliche Flagge vor der US-Übernahme. In Verbindung mit historischen Gesetzen wie der Ley de la Mordaza wurde dieser Moment zu einem deutlichen antikolonialen Statement.