„Blue Velvet“ und „Paris, Texas“: Dean Stockwell ist tot


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Dean Stockwell ist tot. Medienberichten zufolge starb der Schauspieler im Alter von 85 Jahren am Sonntag (7.1.) eines natürlichen Todes. Das bestätigte unter anderem das Branchenmagazin „Deadline“.

Berühmt geworden schon als Kind

Stockwell stammt aus North Hollywood und wurde im Jahre 1936 in eine Schauspielerfamilie hineingeboren. In seinen jungen Jahren war er einer der beliebtesten Kinderschauspieler Hollywoods und arbeitete für die US-amerikanische Produktionsgesellschaft „MGM“. So stand er unter anderem neben Frank Sinatra, Grace Kelly und Gregory Peck vor der Kamera.

Kathryn Grayson, Frank Sinatra, Gene Kelly und der junge Dean Stockwell

Der Broadway und Cannes vergoldeten seine 50er-Jahre

In den 50er-Jahren betrat er als Theaterschauspieler die Bretter, die die Welt bedeuten – so wirkte er in einigen Broadway-Stücken mit. 1959 kehrte er für eine Rolle, die er schon in New York verkörperte, auf die Leinwand zurück. Im Thriller „Der Zwang zum Bösen“ spielte er einen jugendlichen Mörder, wofür er bei den Filmfestspielen von Cannes den Darstellerpreis gewann. Drei Jahre später wiederholte er seinen Erfolg: Diesmal erhielt er die „Goldene Palme“ für die Darstellung des trunksüchtigen Sohnes von Katharine Hepburn in „Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Damit ist er neben Jack Lemmon und Marcello Mastroianni einer von drei Schauspielern, denen das Kunststück gelang, jene Trophäe zwei Mal zu gewinnen.

Dean Stockwell und Heather Sears in „Söhne und Liebhaber“ (1960)

Für die Gegenkultur ließ er seine Karriere schleifen

Mit Ende 20 zog sich Stockwell aus dem Schauspielgeschäft zurück, um sich in den 60er Jahren einer Hippie-Kommune nördlich von Los Angeles anzuschließen. In diesem Zuge experimentierte er nicht nur ausgiebig mit Drogen, sondern schloss auch Freundschaften mit Künstlern wie George Herms, Wallace Berman und Neil Young.

Unter Wenders und Lynch wurde er unsterblich

Seit den frühen 70er-Jahren schaffte der Schauspieler das erneute Comeback – um wenig später den Entschluss zu fassen, Hollywood als Immobilienmakler endgültig den Rücken zu kehren. Zu unser aller Glück kam es anders: In den 80er-Jahren brillierte Stockwell als Charakterdarsteller für die namhaftesten unter den Regisseuren: In Wim Wenders‘ Roadmovie „Paris, Texas“ spielte er den besorgten Bruder des verschwundenen Protagonisten. Im kollektiven Gedächtnis bleibt auch sein Auftritt in David Lynchs Kultfilm „Blue Velvet“. Dort sang er als feminin auftretender Drogendealer im Rüschenhemd schmachtend „In Dreams“ von Roy Orbison – und trieb dem von Dennis Hopper gespielten Psychopathen Frank Booth die Tränen in die Augen.

„Zurück in die Vergangenheit“ machte ihn in Deutschland bekannt

Einem Fernsehpublikum machte ihn in Deutschland die von der Kritik gefeierte Science-Fiction-Serie „Zurück in die Vergangenheit“ bekannt: Seit Beginn der 90er-Jahre war er dort an der Seite des Zeitreisenden Sam Beckett zu sehen. Für jene Rolle wurde er mit dem Golden Globe Award ausgezeichnet. Einzig ein Oscar fehlt in seiner Sammlung. Einmal aber war er nominiert: Als bester Nebendarsteller für die Verkörperung eines Mafiachefs in der Kriminalkomödie „Die Mafiosi-Braut“.

Dean Stockwell und seine Frau Joy während der Golden Globe Awards

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