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Charlie, Ozzy und Co: Was ist eigentlich Sexsucht?

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Charlie, Ozzy und Co: Was ist eigentlich Sexsucht?

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Nun hat also auch Ozzy Osbourne zugegeben, dass er unter einer ausgeprägten Sexsucht leidet und sich deswegen bereits in Behandlung begeben hat. Die ersten Reaktionen darauf sind, wenig überraschend, eher belustigt oder zynisch. Hier kämpft ein Rockstar eher nicht gegen eine schwierige Krankheit, sondern er erfüllt vielmehr das Klischee, das eben zu seinem Berufsfeld zwingend dazugehört.

In den letzten Jahren häufen sich die Beichten von Prominenten, dass sie angeblich sexsüchtig seien. Charlie Sheen mag wohl das berühmteste Beispiel sein. Der Schauspieler prahlte sogar damit und verdeckte so, dass die Symptome dieser Krankheit eben alles andere als ein erfülltes Sexleben versprechen. Nicht anders erging es David Duchovny, der zwar als Erotomane Hank Moody in „Californication“ einen Sexsüchtigen spielt – ohne aber darunter wirklich körperlich zu leiden. Im realen Leben sah das wohl ganz anders aus. Die Krankheit kostete ihn viel Kraft und seine Ehe mit der Schauspielerin Téa Leoni.

Was Sexsucht – oder Hypersexualität – eigentlich ist, bleibt in der öffentlichen Berichterstattung eher vage! Zu selten wird in der Betrachtung von Sexualität auf ihre Schattenseiten eingegangen. Vielleicht auch deswegen, weil es zu unsexy ist, darüber zu berichten.

Dabei war es lange Zeit überhaupt nicht klar, ob man im Zusammenhang mit der hohen Motivation, sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen (was eher in den seltensten Fällen damit zu tun hat, dass zwei Personen im Bett landen), überhaupt von einer Sucht reden kann. Schließlich gibt es ja gar keinen Stoff, von dem eine Person abhängig wäre. Doch wie auch bei der Internet- oder Computerspielesucht gehen Wissenschaftler inzwischen davon aus, dass es bestimmte Anzeichen gibt, die bei solchem unkontrollierbarem Verhalten einer Sucht ähneln: Besessenheit, Machtlosigkeit und die Verwendung von Sex als Schmerzmittel.

Alles dreht sich nur noch um Sex

Ähnlich wie bei anderen stoffbasierten Süchten drehen sich die Gedanken zunehmend nur noch um Sex – wobei sich das Problem im Gegensatz zu anderen Abhängigkeiten dadurch verschärft, dass Sex allgegenwärtig ist: auf Plakaten in der Stadt, im Fernsehen, in Zeitschriften, natürlich im Internet. Sexsüchtige suchen dabei nach allen verfügbaren Mitteln, um sich Befriedigung zu verschaffen, vom Telefonsex über Webcamchats bis hin zu stundenlanger Masturbation. Kennzeichen dieses Verhaltens ist stets, dass die gewonnene Lust im Vergleich zu den (auch körperlichen) Schmerzen und Schuldgefühlen kaum mehr in einem vernünftigen Verhältnis steht. Dazu gehören zum Beispiel auch schmerzende Genitalien, die nach heftiger Onanie oder häufigem Sex aufgescheuert sind. All solche Kriterien widersprechen natürlich dem frivolen Bild, das vom Sexsüchtigen in den Medien gestaltet wird.

Charlie Sheens Biographie spiegelte sich zum Beispiel auf geradezu perfide Art und Weise in jenem Charlie Harper, den er in „Two And A Half Men“ spielte. Ein Mann, der keine Verantwortung übernehmen will, jeden Tag nur damit beschäftigt ist, wie er das nächste Mädchen flachlegen kann und sich dabei, auch um seine eigenen Selbstzweifel zu übertünchen, betrinkt. Während die Boulevardmedien allerdings vom Privatleben des Schauspielers, der zeitweise mit mehreren Porno-Starletts in einer offenen Beziehung lebte, eher ein fantastisches Abbild zeichneten, schwingt in der inzwischen abgeschlossenen Sitcom ein oft ambivalentes, manchmal gar melancholisches Gefühl mit.

Martin Kafka, Psychiater der Harvard Medical School, definierte Menschen als „sexabhängig“, die über einen Zeitraum von sechs Monaten wöchentlich mindestens sieben Orgasmen haben und sich täglich „ein bis zwei Stunden mit solchen Aktivitäten beschäftigen“.

Nach neusten Studien ist jeder zehnte bis fünfzehnte Mensch betroffen – wobei Männer, möglicherweise aus kulturellen wie aber auch aus psychologischen Gründen, wesentlich öfter daran erkranken als Frauen. Oft wird das unkontrollierbare Verlangen nach Sex vor allem auch vor den wichtigsten Personen im eigenen Leben verschwiegen. Der Einfluss auf den Alltag wird dann auch stetig größer und das Gehirn verlangt mit der Zeit nach immer stärkeren emotionalen Anknüpfpunkten, um überhaupt so etwas wie Lust zu entwickeln. Anonymer Sex wird so genauso zum bevorzugten Mittel wie erschreckend intensiver Konsum von harter Pornographie.

Der Sexualforscher Alfred Kinsey brachte die Diagnose der Sexsucht übrigens auf eine erschreckend simple Formel: „Ein(e) Abhängige(r) hat mehr Sex, als Sie ihn haben.“

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