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Aus dem Off (8)

Corona-Tagebuchnotizen von Arne Willander: Eve Of Destruction

Es kommt mir merkwürdig vor, dass noch Bücher erscheinen und in Buchhandlungen verkauft werden. Bei einer empirischen Untersuchung am Samstag stellte ich fest, dass Buchläden in Berlin geöffnet sind. Am Marheinekeplatz versicherte mir die möglicherweise portugiesische, wenn nicht französische Buchhändlerin, dass ihr Geschäft systemrelevant sei – sie sagte einen anderen Begriff, so etwas wie „erste Prioritätsstufe“.

Auch bestätigte sie die Vermutung, dass nicht weniger Menschen als früher in den Laden kommen, um Bücher zu kaufen. Manche rufen allerdings vorher an und verlassen das Lokal schnell wieder, wenn sie das Buch gekauft haben.

Autobiographie von Woody Allen ist schon vergriffen

Nun fragte ich nach Woody Allens Autobiografie, und die Portugiesin oder Französin schaute nachdenklich und ein wenig mitleidig: Sie habe heute schon alle Exemplare von „Ganz nebenbei“ verkauft; nur im Fenster stehe noch ein Buch. Es war kurz vor 15 Uhr. Sie wandte sich zum Fenster und griff mit Plastikhandschuhen zu dem Band.

Der Freund, mit dem ich in gehörigem Abstand eben ein Würstchen im Park gegessen hatte, wollte auch die Woody-Allen-Autobiografie kaufen; wir schauten begehrlich zu dem Regal mit den bestellten Büchern, wo zwei schwarze Umschläge mit Zetteln darin erkennbar waren. Die Französin oder Portugiesin zauderte. „Ich kann es nicht machen.“ Sie gab uns ein Visitenkärtchen: Um 17 Uhr könnten wir anrufen, vielleicht werde ein Exemplar nicht abgeholt. Der Freund überließ mir das Buch aus dem Fenster. Ich hatte Priorität. Wir gingen hinaus. Am Eingang lagen zwei Exemplare von Albert Camus’ „Die Pest“.

Zu Woody Allens Autobiografie kann ich noch nichts schreiben, aber ich hörte Songs von P. F. Sloan, einem amerikanischen Sänger und Songschreiber, der nicht dafür berühmt ist, der Autor von „Eve Of Destruction“ und „Secret Agent Man“ zu sein (Barry McGuire und Johnny Rivers sind es heute aber auch nicht mehr so recht).

P. F. Sloan beherrschte jede Art von Song

Sloan, der eigentlich Philip Schlein hieß, arbeitete Mitte der 60er-Jahre bei Dunhill Records in Los Angeles, schrieb Lieder für Herman’s Hermits und die Turtles und veröffentlichte einige Platten. 1970 ehrte ihn sein Kollege Jimmy Webb mit dem Song „P. F. Sloan“, nicht zu verwechseln mit „What Happened To P. J. Proby“ von Van Morrison, was ich immer tat. P. F. Sloan beherrschte jede Art von Lied, er war ein Folk-Troubadour, ein Pop-Balladier und ein Melodramatiker.



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