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Der deutsche Woody Allen: Zum Tod von Helmut Dietl

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Der deutsche Woody Allen: Zum Tod von Helmut Dietl

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Man hat ihn als den deutschen Woody Allen bezeichnet und mit Kinogrößen wie Billy Wilder verglichen – mit seiner wohldosierten Ironie war er ein Solitär in der sonst so grauen deutschen Kinolandschaft: Helmut Dietl war seit seinen Anfängen beim Fernsehen einer der wichtigsten und interessantesten deutschen Filmemacher. Seine leichtfüßigen Erzählungen waren ein Gegenentwurf zum oft verkopften oder bleiernen deutschen Film, seine frühen Fernsehserien haben etwas Cineastisch-Leichtes, wie man es aus dem italienischen Kino von Federico Fellini kennt oder aus Frankreich von Francois Truffaut.

Dietls erste Arbeit fürs Fernsehen, die Serie „Münchener Geschichten“ (1974), ist ein liebevolles Porträt der Stadt und seiner Einwohner, ein sozialer Querschnitt von kauzigen Figuren und absurden Situationen. Dietl entwirft München dabei als Stadt, in der sich Betuchtes und Bräsiges die Hand geben und in skurriler Koexistenz leben. Dietl gelang es, klein- und großbürgerlichen Eigenheiten und Lokalkolorit etwas Kulthaftes, wo nicht Allgemeingültiges zu verleihen.

Die Serie „Monaco Franze – Der ewige Stenz“ (1983), mit Patrick Süskind verfasst, um den sich durchwurschtelnden Frührentner Franz Münchinger und sein „Spatzl“ ist eine große Ode an die Stadt München. Als Mischung aus Fellinis Casanova und bajuwarichem Schlawiner weiß Franze um die genüsslichen Seiten des Lebens und federt in lässiger Pose durch die zehn Episoden – Helmut Fischer als Alter ego seines Regisseurs wie einige Jahre später Franz Xaver Kroetz in „Kir Royal“ (1986), der glänzendsten und wirkungsmächtigsten von Dietls Serien, die vom Publikum freilich zunächst weniger gefeiert wurde als von der Kritik.

Das Humoristische blieb bei Dietl auch im Zentrum, als er zum Kinofilm wechselte: „Schtonk!“ (1992) über die Farce um die Hitler-Tagebücher, „Rossini“ (1997) über das Treiben in einem speziellen italienischen Restaurant in München, „Late Show“ (1999) über das Fernsehgeschäft. Die bissige Satire wurde dabei stets von einem liebevollen Verständnis für menschliche Schwächen und Eitelkeiten konterkariert – auch das stellt ihn in eine Traditionslinie mit Lubitsch, Wilder und Allen. Sein letzter Film, „Zettl“ (2012), mit Michael „Bully“ Herbig in der grandios fehlbesetzten Hauptrolle, fiel bei Kritik und Publikum durch – worunter Dietl schwer litt.

Helmut Dietl wurde am 22. Juni 1944 in Bad Wiessee geboren und verbrachte seine Kindheit größtenteils mit seinen Großeltern. Er studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft, bevor er erste Assistenzrollen beim Fernsehen annahm. Auch privat war Dietl kein großer Freund der nachkriegsdeutschen Entbehrungskultur: Nach der Lungenkrebsdiagnose, die er im Jahr 2013 in einem beeindruckenden Interview mit der „Zeit“ öffentlich machte, scherzte er: „Ich hab‘ ja gern geraucht, und ganz ehrlich: Darum überrascht mich diese ganze Angelegenheit auch jetzt nicht so sehr. Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist.“

Zuletzt lebte Helmut Dietl mit seiner vierten Ehefrau Tamara Duve und der gemeinsamen Tochter in München. Am Montag (30. März) starb Helmut Dietl an den Folgen seiner Krebserkrankung.

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