Mike McCready (Pearl Jam) erklärt, warum Eddie Van Halen ein Gitarren-Gott war
ROLLING STONE wählte Eddie Van Halen auf Platz acht der 100 besten Gitarristen aller Zeiten
Als ich elf Jahre alt war, hatte ich einen Gitarrenlehrer, der mir „Eruption“ vorspielte. Die Musik klang, als käme sie von einem anderen Stern. Ich lernte damals gerade die Grundakkorde, Sachen von AC/DC oder Deep Purple. „Eruption“ war jenseits meines Horizonts, aber es war eine Offenbarung – so, als würde man zum ersten Mal Mozart hören. Eddie ist der Meister der Riffs: „Unchained“, „Take Your Whiskey Home“, der Anfang von „Ain’t Talkin’ ’Bout Love“. Er erzeugt Klänge, die keine typischen Gitarren-Sounds sind, sondern Texturen und Harmonien, die erst durch seine spezifische Technik entstehen.
Das Riff von „Unchained“ klingt, als sei ein anderes Instrument eingeschmuggelt worden. Vieles erklärt sich durch seine Technik: Er hält das Plektron zwischen Daumen und Mittelfinger, was ihm die Möglichkeit gibt, mit dem Zeigefinger die Saiten zu picken. (Als mir das klar wurde, versuchte ich es auch, aber es war zu bizarr.) Aber unter all seinen technischen Fähigkeiten schlummert noch etwas anderes: Eddie hat Soul.
Es ist wie bei Hendrix: Man kann seine Sachen nachspielen, aber es gibt den Faktor X, den man nicht reproduzieren kann. Eddie hatte diesen Funken. Vor Jahren sah ich ihn auf der Van-Halen-Reunion-Tour, und als er zum ersten Mal in die Saiten griff, hatte ich das gleiche Gefühl wie damals, als ich ein elfjähriger Knirps war.
RS-Redakteurin Birgit Fuß über Eddie Van Halen
Nur wenn er ganz für sich war, stellte sich nach mehreren Stunden an der Gitarre eine Seligkeit ein, die mit nichts zu vergleichen sei. Wie gern wäre man da einmal dabei gewesen, und wie sehr gönnt man ihm diese Momente – zumal er in den vergangenen Jahren so viele gesundheitliche Malaisen zu überstehen hatte.
1999 musste er an der Hüfte operiert werden, 2000 wurde ihm ein Stück der Zunge entfernt. Für den Krebs machte er die Metallplektren verantwortlich, die er wie viele Gitarristen gern in den Mund steckte. Natürlich, gab er zu, habe er auch viel gesoffen und Drogen genommen. So bekämpfte er jahrelang seine chronische Schüchternheit, erst seit 2008 war er trocken. Er litt schon länger an Kehlkopfkrebs, machte aber kein Aufsehen darum. Egal, mit welchen Kollegen man sprach, ob Slash, Mike McCready oder John Frusciante, alle bewunderten nicht nur Van Halens Talent, sondern auch seine liebenswerte Art.
R.E.M.-Bassist Mike Mills fasste es so zusammen: „Eddie war ein Game-Changer, ein Gitarrist und Musiker, wie er in einer Generation nur einmal vorkommt, und ein ziemlich cooler Typ.“