Neue Podcast-Folge: „Die Streifenpolizei“ über die Favoriten der Oscar-Verleihung

Eric Pfeils Pop-Tagebuch: Internationale Tage

Folge 156

Man kann die Zeit ja auf vielerlei Art und Weise ordnen. Manch einer, der bei alleiniger Konzentration auf nur schwer unterscheidbare Wochentage um seinen Halt fürchtet, sucht längst Orientierung an internationalen Feier- und Gedenktagen. Und warum auch nicht? Zu fast jedem Gedenken gibt es viele schöne Lieder, die man am entsprechenden Tag endlich mal wieder aus der Kiste holen kann. Der März ist da ein sehr ergiebiger Monat.

Gleich am 1. März ist – zumindest in den USA – endlich wieder Peanut Butter Lover’s Day, der Tag der Erdnussbutter-Liebhaber. Und mal ehrlich: Wann haben Sie, liebe Leserin, zuletzt Ihre Platten der Peanut Butter Conspiracy gehört? Nun, am 1. März ist Ihr Tag. Das Tolle: Es gab gleich zwei Bands mit diesem Namen, man kann es also mal so richtig krachen lassen! Barclay James Harvest wiederum gab es nur einmal, manchem dürfte das gereicht haben. Auch Musik von Elvis ­böte sich am Erdnussbuttertag an. Die schöne „Peanuts“-Titelmusik an diesem Tag einzusetzen erschiene mir hingegen etwas gezwungen.

Am 10. März wiederum ist Dudelsacktag. Nicht nur Paul-McCartney-Fans lassen es an diesem Tag dudeln. Es gibt schließlich außer „Mull Of Kintyre“ noch viele andere Lieder, in denen die Sackpfeife geblasen wird. Clownbands, die dem Neue-Deutsche-Härte-Kanon zuzurechnen sind, gilt es hierbei – wie auch sonst – dringend zu vernachlässigen. AC/DCs „It’s A Long Way To The Top (If You Wanna Rock’n’Roll)“ hat einen Dudelsack­part von herrlicher Unangestrengtheit. Vielleicht ist Bon Scott der einzige Mensch der Welt, der freien Oberkörpers einen Dudelsack bedienen konnte, ohne dabei um seine Würde fürchten zu müssen. Andererseits will ich mich da ungern festlegen: Vielleicht gibt es ja zahlreiche Bluesrock-Bands mit oberkörperfreien Sackpfeifern, die ich nicht kenne.

Kooperation

Am zweiten Märzwochenende ist in Deutschland Tag der offenen Töpferei. Immerhin 500 Töpfereiwerkstätten nehmen teil. Auch wenn man spontan „Yeah! Yeah! Yeah!“ zu brüllen geneigt ist – pophistorisch muss der Tag als unergiebig bezeichnet werden: Mir ist trotz mehrtägiger Recherche nicht ein einziger Song untergekommen, in dem das Loblied der Töpferei gesungen wird. Eine Lücke, die noch zu füllen ist. Wann immer in Fernsehberichten über Töpferei berichtet wird, sehen sich TV-Redakteure vor die Aufgabe gestellt, ihren Beitrag angemessen musikalisch zu untermalen. Anders als für Berichte über das Fahrradfahren oder über Menschen, die sich für Motorräder interessieren, lassen sich hier schlicht keine Lieder mit spezifischem Content auftreiben. Popgrößen wie Queen, Kraftwerk oder Steppenwolf haben zu dem Thema schlicht nicht abgeliefert. Kleiner Tipp für Nachwuchsmusiker: Hier gäbe es GEMA-Gelder noch und nöcher einzustreichen.

Mein persönlicher Lieblingsgedenktag ist der 16. März: Hier findet der Lips Appreciation Day statt, der Ehrentag der Lippen. Nicht nur das Gesamtwerk der Flaming Lips kann an diesem Tag rauf und runter gehört werden, auch die Zweieinhalb-Hit-Wonder-Disco-Formation Lipps Inc. („Funkytown“) darf hier endlich wieder für enthemmte Stampftänze sorgen. Lipps Inc. war das Studiovehikel des Musikers Steven Greenberg, der mit seinen wenigen Charts-Erfolgen so viel Geld verdient haben dürfte, dass von ihm keine Töpfer-Anthems mehr zu befürchten sind.

Wer das mit den Lippen albern findet und es lieber ein paar Etagen medizinischer haben möchte, der kann auch vier Tage später, am 20. März, den Mundgesundheitstag begehen. Vielleicht mit „World Shut Your Mouth“ von Julian Cope oder mit „Don’t Talk Just Kiss“ von Right Said Fred.

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