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Never Mind The Atomwolke: Wie Musiker auf Tschernobyl reagierten

Indie-Sounds aus Schweden. Das war im April 1986 der heiße Scheiß zwischen Punk/New Wave und der Old School des vom HipHop erschlafften Rockszenerie. Zumindest für eine Saison lang. Bands wie die Watermelon Men, die Nomads und vor allem die derben Designer-Biker The Leather Nun sprengten locker die vorherrschende Dominanz aus Großbritannien und den USA auf.

Ein Besuch im beschaulichen Landstädchen Waxholm, das man vom Stockholmer Busbahnhof an der Teknika Högscholan in einer knappen Stunde erreichen konnte. Dort residierte mit MNW das größte unabhängige Label. Auch die Londoner Parade-Adresse Rough Trade hatte hier seinen Vetriebspartner für den skandinavischen Raum. MNW-Boss Jonas Sjoström referierte damals im Schnelldurchlauf über die Geschichte der schwedischen Popmusik. Ähnlich wie in der alten Bundesrepublik hatten die anglo-amerikanischen Pop-Helden die Lufthoheit. Dann kamen Abba; und die Erkenntnis, dass man es auch mit homegrown Charme in die internationalen Charts schaffen konnte.

Es war die Zeit der Fernsprechzellen und verbindlichen Verabredungen. Mobiltelefone waren noch lustige Science-Fiction-Geräte aus „Raumschiff Enterprise“. Auch Computer oder Faxgeräte waren noch nicht im Alltagseinsatz. So zog ich mit Stockholmer Kollegen fern der Heimat und selbstversunken in der blond gelockten Szenerie durch die Clubs und Bars. Und staunte über die astronomischen Bierpreise. Von der Kernschmelze in der fernen Sowjetunion bekam ich in jenen letzten Apriltagen kaum etwas mit. Natürlich erwähnte der eine oder andere DIE WOLKE, die da über das nordöstliche Europa waberte.

Doch ein wirkliches Schockthema war Tschernobyl seinerzeit (noch) nicht. Zumindest nicht in der aufstrebenden schwedischen Indiewelt. Hysteriewellen rollten damals weit langsamer als in der weltweiten Echtzeit-Kommunikation von heute. Und die Schlagzeilen des „Svenska Dagbladet“ oder der Abendzeitung „Aftenposten“ übersah ich geflissentlich. Das massive (Jugend-)Besäufnis auf der Nacht zum 1. Mai, wenn in Schweden traditionell der Frühling eingeschädelt wird, hat jedenfalls nachhaltigere Spuren hinterlassen, als die später manifest werdenden Folgen, dass etwa – gerade in dieser Region – Pilze, Waldbeeren und Wildtiere auf Jahrzehnte hinaus kontaminiert waren. Tschernobyl war kein Pop-Ereignis. Zu Hippie-Grün. Zu Technisch. Fuck Politics, let’s Dance!



Rammstein: Till Lindemann fährt in Tschernobyl Karussell  – streng verboten

Langweilig wird Till Lindemann in der Ukraine nicht: Während seiner „F&M“-Tour versucht der Rammstein-Sänger zu demonstrieren, dass er keine Angst vor den Dingen hat, vor der Normalsterbliche Angst haben: Corona zeigt er den Mittelfinger. Und bei einem Besuch der der Sperrzone von Tschernobyl hat er sich über das Verbot hinweggesetzt, nichts in der Stadt oder der Natur zu berühren. Ein Video zeigt Lindemann, wie er in Prypjat auf einem verlassenen Karussell fährt. Er pfeift ein wenig vor sich hin. Das rostige Teil stand wohl in einem Vergnügungspark. Prypjat gilt heute als „Geisterstadt“: 1970 für die Arbeiter des Kernkraftwerks Tschernobyl gegründet…
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