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Als Frank Zappa vor 50 Jahren von der Bühne geschubst und für tot erklärt wurde

Vor 50 Jahren erlebte Frank Zappa bei einem Auftritt in London ein mehr als unfreiwilliges Stagediving: Der Musiker wurde von einem zornigen Fan einfach von der Bühne gestoßen. Mit katastrophalen Folgen für ihn und das Publikum.

10. Dezember 1971: Frank Zappa spielte im legendären Rainbow Theatre gerade die Zugabe seines zweiten Konzerts an diesem Abend. Um seinen britischen Fans zu schmeicheln, stimmte er ein Cover des Beatles-Hits „I Want to Hold Your Hand“ an und nickte dabei lachend ins Publikum. Möglicherweise auch ein zynischer Kommentar auf das junge Frauen einst zum Schreien bringende Werk einer Band, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem Jahr offiziell Musikgeschichte ist.

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Ein junger Mann namens Howell fühlte sich von diesem musikalischen Beitrag allerdings so sehr beleidigt, dass er auf die Bühne stürmte und Zappa mit voller Wucht in den Bühnengraben stieß. Drei Meter Fall in die Tiefe, die Zappa so schnell nicht vergass. Das Publikum wurde durch diese völlig unerwartete Attacke in Panik versetzt.

Als Howell versuchte zu fliehen, konnte er von wütenden Zuschauern in Gewahrsam genommen werden, die ihn schließlich erst einmal an Zappas Roadies weitergaben. Bis heute hält sich das Gerücht, dass sie den 24-Jährigen erst einmal kräftig vermöbelten. Später wurde er von der Polizei festgenommen.

Wut und Panik unter den Fans

Unterdessen verbreiteten sich die Falschinformation, dass Zappa tödlich verunglückt sein könnte. Die völlig verunsicherten Besucher des zweiten Konzerts trafen vor dem Rainbow Theatre auf die Zuhörer des ersten Gigs, der nur Stunden zuvor stattfand. Entsetzen in ihren Gesichtern. Wildes Getümmel und Bangen um Zappa.

Howell gab später zu, dass er eifersüchtig war: Seine Freundin hatte ihm anscheinend während des Konzerts gestanden, in Zappa verliebt gewesen zu sein, was den plötzlichen Wutausbruch ausgelöst hatte. Nach einer Gerichtsverhandlung musste er wegen Körperverletzung 100 britische Pfund zahlen. Für Frank Zappa hatte der Vorfall unangenehme Folgen: Der brutale Angriff zwang die Band, die restlichen Termine ihrer Tour abzusagen, und den Musiker für fast ein Jahr im Rollstuhl zu sitzen.

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Obwohl er sich schließlich von seinen Verletzungen erholen konnte, litt Zappa sein ganzes Leben lang an chronischen Rückenschmerzen. „Die Band dachte damals, ich sei tot“, schrieb Zappa in seiner Autobiographie „The Real Frank Zappa Book“. „Ich hatte eine Wunde am Kinn, ein Loch in meinem Hinterkopf, eine gebrochene Rippe und ein gebrochenes Bein. Außerdem war ein Arm gelähmt.“

Bei dem Sturz war auch Zappas Kehlkopf in Mitleidenschaft gezogen worden. Möglicherweise sorgte dies dafür, dass er später mit tieferer und heiserer Stimme auftrat. Ein akustischer Wandel, der allerdings zu seinen Jazz-Fusion-Experimenten von 1972 gut passte.

Katastrophenwinter für Frank Zappa und seine Band

Für die Mothers Of Invention, der Band Zappas, wurde der Dezember 1971 mit dem „Rainbow Theatre“-Vorfall endgültig zum Seuchenmonat: Gut eine Woche vor dem Bühnenangriff in London feuerte ein wahnsinnig gewordener Anhänger der Band bei einem Gig in Genf eine Leuchtfeuerpistole ab und löste so ein Feuer aus, das mehrere Fans verletzte und zugleich noch einen Großteil der Instrumente zerstörte. Das Montreux Casino brannte dabei so gut wie komplett ab.

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Auch dieses tragische Ereignis hatte Folgen für die Musikgeschichte, die niemand ahnen konnte: Nur Tage nach Zappa und seiner Band wollten Deep Purple just an diesem Ort neues Material aufnehmen. Sie hatten den mobilen Aufnahmewagen der Rolling Stones gemietet, der sich vor dem Theater befand und fast Feuer gefangen hatte. Hier ließen sie sich von dem fatalen Brand zu ihrem bekanntesten Song inspirieren: „Smoke On The Water“.

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