Götz George: Ihm kann keiner

Dass sein „George“, der Film über den von ihm gespielten Vater, jetzt gezeigt wird – heute abend auf Arte, am Mittwoch im Ersten -, begreift er schon wieder als Beleidigung. Zwar hat Götz am 23. Juli Geburtstag, aber nun ist Urlaubszeit, „da guckt doch keiner“. Er selbst ist ja auch auf Sardinien. Eine Eingabe bei der ARD blieb erfolglos. Sie wollen ihn ehren, aber sie machen es falsch.

Götz George grollt und schmollt. Er sei ganz anders als sein Vater, sagt er in der Dokumentation „Der will doch nur spielen“, die wie bestellt und abgeholt wirkt. Doch das Temperament hat er von Heinrich, den Bollerkopf. Und während der Vater unter dem massigen Körper und dem Gedröhne einen weichen Menschen verbarg, hat Götz George noch immer eine athletische Figur, spricht vom „Sportiven“ und davon, wie ein Schauspieler nach oben und nach unten „gespült“ werde – und lässt doch die Verletzungen ahnen, die ihm die Medien zugefügt haben und eine frühere Geliebte, die ihn als Spießer und Pascha beschrieb. Als „spießig“ bezeichnet er sich selbst, indes sein Vater eine sich verströmende Entität gewesen sei.    

Ein bisschen enttäuschend ist es manchmal, wenn er – zum Beispiel – den „Tatort“-Regisseur Hajo Gies bloß als „Hajo oder wer immer da gerade Regie geführt hat“ würdigt. Gies inszenierte „Duisburg Ruhrort“, den ersten Schimanski-Film, und viele andere Klassiker der ersten, der entscheidenden Phase der Figur. Wolfgang Staudte, Romuald Karmakar, Roland Suso Richter – immer verantwortet „der Hauptdarsteller“ den Film, und wenn er abgedreht ist, geht er weiter. Schwimmen bei Sardinien. Und mittlerweile lässt George die Drehbücher ablehnen, ohne sie gelesen zu haben – „ein gutes Zeichen“. Zugleich dreht er einen weiteren Schimanski, man sieht ihn schon wieder in der sagenumwobenen Jacke herumstaksen, ein biologisches Wunder.

Götz George sieht es anders, aber als „Diamantendetektiv Dick Donald“ im Vorabendprogramm hatte er die Siebziger beinahe vepasst, ein Adonis in Badehose, konnte sich mit Fassbinder nicht verständigen (der flipperte nur) und spielte auch sonst im neuen deutschen Film nicht mit – als ihn 1977 „Aus einem deutschen Leben“ rettete. „Entdeckt“ hätten ihn diese Leute nicht, schnauft George, er war ja schon 20 Jahre dabei, schon seit Opas Kino. Aber nach dem Lagerkommandanten Höß kam das Angebot für Schimanski, dessen Schöpfungsgeschichte er sich zu großen Teilen selbst zuschreibt. Die Sprache, die Kampfjacke. 

Götz George war der Nachfolger von Hansjörg Felmy beim „Tatort“ des WDR, der einen leisen Melancholiker spielte und fast so viel über die Siebziger erzählte wie Schimanski dann über die Achtziger – bloß von der anderen, der bürgerlichen Seite. Auch Felmy war ein Mann in der Krise. Und Schimanski kam einen langen Weg, ebenfalls aus den Siebzigern – aber die Tristesse der Kneipen und Billig-Italiener, der Schlöte und Kiesgruben, der geplatzten Föhnfrisuren, wattierten Neonjacketts und Jean-Pascal-Pumpjeans sah man in diesen Filmen im Zusammenhang. Bars, Bordelle und Musik erst von Tangerine Dream, dann von Klaus Lage, Chris Rea und Dieter Bohlen standen stellvertretend für Dekadenz, während die Malocher um ihre Zechen kämpften. Das Proletariat hatte Stolz, und Schimanski kämpfte gegen die da oben, den Apparat, den Amtsschimmel, auch die Schlapphüte der Schnüffelei und Überwachung. Er ließ sich immer mit Opfern und Verdächtigen ein. Er verstand die  Frauen nicht. Und er begründete die Männerfreundschaft mit Eberhard Feik.

Unter den späteren Schimanskis gab es noch einen Film mit Christoph Waltz, der an dieses ambivalente Verhältnis anknüpfte. Waltz war unwiderstehlich und hatte die dankbarere Rolle, aber George erreichte ein Unentschieden. Seine eigentlichen Partner waren jung, schwach und austauschbar. Als großzügiger Lehrer taugt Götz George nicht: Professionalismus, das Aufgehen in der Rolle, die Disziplin am Set sind ihm zu wichtig.In den letzten 20 Jahren spielte er verschlossene Charaktere, übermächtige und demente Väter, einsame Außenseiter, Psychopathen. Er verabscheut die Presse, die ihn doch meistens feiert, und fürchtet die Reise nach Berlin-Mitte, wo alles so entsetzlich wuselig und hektisch ist. Er meckert gern, er sucht Ruhe. Götz George ist ein Mann der Widersprüche, der sich die Welt zugemauert hat, der selbst sagt, dass er „ängstlich“ ist.    

„Mit Grandezza“ will er abtreten. Er wird es merken, wenn die richtige Rolle gekommen ist – falls er das Drehbuch liest.


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