Die Musikwelt zeigt Hollywood bei den Grammys, wie ICE-Protest geht
Die Grammy-Verleihung war auch 2026 eine große Show – aber mit Wut im Bauch.
Als vor ein paar Tagen die Golden Globes verteilt wurden, herrschte noch Ironie und betretenes Schweigen. Kaum ein Wort über die amtierende US-Regierung und den ICE-Terror in Minneapolis. Erst später gab es den Aufschrei, abseits der Kameras. Das war nun bei den Grammys völlig anders: Gleich mehrere Musiker:innen gaben deutliche Statements ab. Bad Bunny sagte, als er eine von drei Trophäen in der Hand hielt: „Bevor ich Gott danke sage, sage ich: ‚ICE out.’“ Viele Kolleg:innen trugen an diesem Abend „ICE Out“-Buttons an ihrer festlichen Kleidung.
Es ist ein Zeichen des Protests gegen eine Einwanderungsbehörde, die längst als Schock-Truppe agiert. Plump kommt der Widerstand indes nicht daher. Die ausgezeichnete Olivia Dean erinnerte daran, dass sie gar nicht geboren wäre, wenn ihre Eltern nicht als Einwanderer mutig gewesen wären. Billie Eilish machte klar, dass die USA ohne Einwanderung nicht existieren würden („Niemand ist illegal auf gestohlenem Land“). Und Shaboozey widmete seinen Grammy den „Kindern von Immigranten“.
Worte gegen den Hass
Die Musikwelt verzichtet (bis auf einige gehässige Witze von Moderator Trevor Noah) auf einen grimmigen Angriff auf die Trump-Administration und beschwört stattdessen den Zusammenhalt der Amerikaner. Das ist klug in einer verfahrenen politischen Lage, in der das Land sich vor den Augen der Welt in zwei Hälften teilt. Eine davon, so sagen es die Künster:innen an diesem Abend, wollen keine einfachen Lösungen für komplexe Probleme.
Stattdessen stellen sie sich dem Hass. Noch einmal Bad Bunny: „Es ist schwer, heutzutage nicht zu hassen. Hass wird durch mehr Hass nur stärker. Das Einzige, das mächtiger ist als Hass, ist Liebe. Deshalb müssen wir anders sein. Wenn wir kämpfen, müssen wir es mit Liebe tun. Wir hassen sie nicht. Wir lieben unsere Leute, wir lieben unsere Familie, und das ist der richtige Weg – mit Liebe.“
Das hätte Bono auch nicht besser sagen können. Es sind die Worte eines Musikers, der in diesem Februar bei der Halbzeitshow des Super Bowls noch einmal auf der ganz großen Bühne stehen wird. Mit der Ansage, aufgrund der ICE-Aktivitäten nicht in den USA zu touren, hatte Bad Bunny auch schon einen wunden Punkt offen gelegt. Der Musiker steht stellvertretend für eine Welt, der die MAGA-Leute und viele Republikaner misstrauen.
Zwischen explosiven Auftritten und rührenden Momenten haben die Grammys zu einer politischen Sprache gefunden, die nicht wie sonst auf wenige Aktivisten begrenzt war. In der Vergangenheit formierten sich aus solchen kollektiven Momenten der gemeinsamen Haltung gegen Unruhe und Ausschluss auch schon politische Bewegungen. Hollywood war dafür bisher zu ängstlich, die Musikwelt geht diesmal einen Schritt voran.