Griechenland-Krise: Vor den Banken stehen jetzt die Losverkäufer


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Geschlossene Alpha Bank im Zentrum Athens. Davor verkauft eine Frau Lotterielose (Foto: J. Friese)
Geschlossene Alpha Bank im Zentrum Athens. Davor verkauft eine Frau Lotterielose (Foto: J. Friese)

Omonia-Platz im Zentrum Athens. Die Türen der National Bank of Greece sind geschlossen, auf den Stufen des Haupteingangs sitzt ein Athener, der Telefonkarten verkauft. Zwei Meter weiter bietet ein Straßenhändler Lotterielose an, es ist ironisch, aber wahr, vor vielen der geschlossenen Banken stehen heute Athener mit Losen. Bis zu zwei Millionen Euro Gewinn, versprechen sie. Die Passanten gehen vorbei.

Der Bank-Run beginnt schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln

Am Mittag, Aufregung. Bei der Piräus Bank gibt es jetzt wieder Geld, nur da, glaubt eine Frau, sie erzählt es jedem, der an ihr vorbeiläuft. Die Automaten muss man nicht suchen, in den U-Bahn-Stationen, neben den geschlossenen Bankfilialen, man sieht die wirklich langen Schlangen vom Weitem. Der Bank-Run beginnt schon in den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Die Athener steigen mit gezücktem Portemonnaie aus, schweigend, eilig, reihen sich dann in die lange Schlangen ein. Jeder hebt heute ab. Hier steht jedes Alter, jede soziale Schicht. Das Abheben dauert heute länger als sonst. Die Kunden starren auf das Display. Sie versuchen, häufiger abzuheben. Es geht nicht. Pro Karte 60 Euro. Ein älterer Mann zeigt seine drei Zwanziger der schweigenden Schlange, er lacht ein wenig irre, das ist alles, sagt er. Alles.

Sie sagt, sie hat 4500 Euro Erspartes, und sie hätte es gerne. In ihren Händen

War es in den vergangenen Tagen leicht, mit den Griechen über die Krise zu reden, will heute kaum einer angesprochen werden. Reporter kreisen um die Wartenden vor den Banken, fotografieren, filmen. Die Athener drehen die Köpfe weg. Eine Frau, sie ist 42, sagt, sie hat Mittagspause, arbeite in einem Büro, so vage bleibt sie. Sie will mit der Reporterin aus Deutschland reden, okay, aber namentlich erwähnt werden, das bitte nicht. Sie sagt, sie macht sich Sorgen, größte Sorgen.



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