Infografik: Musiker verdienen online so gut wie nichts

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Infografik: Musiker verdienen online so gut wie nichts

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Wie viel verdienen Musiker online? Bisherige Äußerungen der Künstler weisen auf eine spärliche Ausbeute hin. So hat sich zuletzt Geoff Barrow vie Twitter über die geringen Einnahmen von nur 2.500 Euro beschwert, die seine Band Portishead mit 34 Millionen gestreamten Songs generieren konnte. Der Autor und Gestalter David McCandless hat nun Infografiken angefertigt, die illustrieren sollen, wie viel Geld Musiker dafür bezahlen, um Angebote unterschiedlicher Online-Vertriebe und -Händler in Anspruch nehmen zu können und wie viel Streaming-Dienste, wie Spotify oder Beats, letztlich an Künstler ausschütten.

Um allgemein gültige Aussagen treffen zu können nimmt McCandless das US-Mindestmonatsgehalt an und berechnet in der Folge, wie viele Alben/Songs ein Künstler verkaufen müsste bzw. wie viele Plays auf Streaming-Plattformen notwendig wären, um dieses Grundeinkommen zu gewährleisten. Dabei wird zwischen Leuten mit und ohne Plattenvertrag unterschieden.

Die Kritik an McCandless ließen, laut „Metal Hammer“, nicht lange auf sich warten: Die Dienste unterscheiden sich untereinander deutlich: Zwar zahlt ein Portal wie Beats mehr pro Stream an die Künstler, doch kann Marktführer Spotify durch die deutlich höhere Reichweite auch mehr Hörer erreichen. Ein weiter Kritikpunkt ist, dass der Autor von gleich verteilten Einkünften ausgeht. Letztlich haben die Individuellen Verträge zwischen Musikern und Plattenfirmen einen erheblichen Einfluss darüber, wie viel Gewinn am Ende des Tage ausgeschüttet wird. Trotzdem lassen sich anhand der angefertigten Grafiken Trends erkennen und Schlussfolgerungen ziehen. Wir haben die zentralen Erkenntnisse zussamen gefasst.

Online-Vertriebe und –Händlern (Albumverkauf):

Bandcamp

Jemand ohne Vertrag, der sein Album bei Bandcamp für 10.00 US-Dollar anbietet, müsste für das angenommene US-Mindestmonatsgehalt von 1.260 US-Dollar 148 Alben verkaufen und würde jeweils 8.50 US-Dollar vom Verkaufspreis behalten.

iTunes

Bei iTunes hingegen müsste man ohne Vertrag 182 Alben à 9,99 US-Dollar verkaufen, um das Mindestmonatsgehalt einzustreichen, würde aber statt 15 mindestens 30 Prozent des Verkaufspreises an iTunes abtreten.

Steht der Musiker unter Vertrag halten sich die Einnahmen ebenfalls in Grenzen. Er müsste er wegen des angenommenen Label-Anteils von 47 Prozent sogar 1.126 Scheiben absetzen, für die er laut der Rechnung auch nur 1,11 US-Dollar pro Album erhalten würden.

Streaming-Dienste (Gebühr pro Song):

Beats

Bei Beats müsste man mit Vertrag 35 Prozent der 200.000 bzw. 43.726 Plays/Usern auf seinem Song vereinen, um auf den Durchschnittslohn zu kommen um damit 0,0029 US-Dollar pro Stream zu erhalten. Ohne Vertrag wären es 6.996 Plays/User und 0,0108 US-Dollar pro Stream.

Spotify

Bei Spotify sind es hingegen für Vertragsmusiker nur 0,0011 US-Dollar pro Stream bzw. 1.093.750 Plays/User, bei einem Musiker ohne Vertrag belaufen sich die Einkünfte auf 0,007 US-Dollar pro Stream bei 192.308 Plays/Usern.

Die Grafiken gibt es hier in der Übersicht.

Fazit:

Die Ergebnisse weisen eine klare Tendenz auf. So dürfte es für Künstler, sowohl bei Online-Vertrieben und -Händlern, als auch bei Streaming-Diensten, kaum möglich sein, den Lebensunterhalt auf diese Art und Weise zu verdienen. Eine zukünftige Reformierung der bestehenden Geschäfts-Modelle wird unumgänglich werden, wenn Künstler ihre Einkünfte nicht fast ausschließlich über Konzerte generieren sollen. Zumal das wirtschaftliche Potenzial ja da ist – die Umsätze durch Streaming lagen 2015 erstmals höher, als durch CDs.


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