Jan Böhmermann zerfleddert den „Struwwelpeter“

Jan Böhmermann zerfleddert den „Struwwelpeter“

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Jan Böhmermann muss ein wenig langweilig sein mit dem gewöhnlichen Verlauf seines „Neo Magazin Royale“. Vor wenigen Wochen zeigte er mit „Prism Is A Dancer“ ein neunzigminütiges Special als eigene Show, worin er einen Blick in die Social Media-Profile der Zuschauer wagte und natürlich allerhand Peinliches ans Tageslicht brachte.

Am 08. Juni (23 Uhr) folgt nun schon die nächste Sonderausgabe, wie das ZDF am Montag (23. April) bekanntgab. So wird der Moderator unter dem Titel „Dr. Böhmermanns Struwwelpeter“ den Kinderbuchklassiker von Dr. Heinrich Hoffmann einer Gegenwartsinterpretation unterziehen. Natürlich mit ironischem Unterton und reichlich Hashtag-Pomp, wie man das von Böhmermann gewohnt ist.

Alle Eltern wollen nur das beste für ihre Kinder (oder?)

Laut Pressemitteilung holt sich der Satiriker dafür prominente Unterstützung mit Devid Striesow, Annette Frier, Kida Ramadan und Ralf Kabelka. Die Show soll von „Übermütigen, Ängstlichen, Erfolgstypen, Abgehängten, Ehrgeizigen und der auch 150 Jahre nach Heinrich Hoffmann immer noch gültigen Weisheit, dass alle Eltern nur das Beste für ihre Kinder wollen“ erzählen. Auf Twitter gab Böhmermann schon einmal einen Vorgeschmack und zeigte sich als gefährlich anmutender Struwwelpeter-Clown mit Teufelsfratze und Klauen.

Von Marc Vetter

Eine modernisierte Fassung des Struwwelpeters passt natürlich genau ins ideologische Programm des Suppenkaspers Jan Böhmermann. Geboren im Jahr 1981, dürfte er von seinen Eltern den „Struwwelpeter“ vorgelesen bekomme haben, aber auch die zentrale Kritik an dem Werk, die seit Ende der 70er-Jahre propagiert wird, mitbekommen haben. Seit dieser Zeit wird dem Klassiker vorgeworfen, einen autoritären Erziehungsstil zu propagieren. Man kann sich vorstellen, wie der ZDF-Moderator genau diesen Umstand genüsslich in seine „Neo Magazin“-Neuinszenierung einfließen lassen wird. Das dürfte zwar den Pudelkern treffen. Es reißt aber bei den Zuschauern der Sendung, die so gut wie nie in Kontakt mit solch einem autoritären Erziehungsstil gekommen sind (und schon deshalb laut darüber lachen können), offene Türen ein.

Möglicherweise besteht der Witz gerade darin, dass die Sehnsucht nach einer vermeintlich heilen Welt, in der es Sendungen wie „Wetten dass…?“ gab, Samstagabendunterhaltung noch keimfrei war, Rapper noch witzig und subversiv (statt antisemitisch und geil auf Berühmtheit) sein durften und Kinderbuchliteratur nicht auf möglicherweise politisch unkorrekte Inhalte abgeklopft wurde, gerade durch die ironisierte Reinszenierung ihre volle Wirkung entfaltet. Das satirische Element wäre dann nur ein Feigenblatt für eine im Grunde reaktionäre Geisteshaltung, in der sich der Clown geradezu wünscht, für seine Provokationen mit voller Härte bestraft zu werden („Erdogan-Gedicht“).

Oder möchte uns Böhmermann in Wahrheit nur davor warnen, dass auch mit der Stärkung einer rechtspopulistischen Partei wie der AfD die Rückkehr des Autoritären in der Gesellschaft auf dem Vormarsch ist?

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