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Daniel Blumberg Minus


Diesen elegischen, sehnenden, zehrenden Ton, dieses Piano, diese Vio­line, diese Mundharmonika, diese Ausbrüche der elektrischen Gitarre haben Songs der 70er-­Jahre: von Neil Young und Jackson ­Browne, von Gene Clark und Bill Fay. „­Minus“ wäre eine wohlklingende nostalgische Platte wie von Father John Mis­ty, würde Daniel Blumberg nicht fragmentarische Interludien mit stetig wiederholten Sentenzen dazwischenspielen, die in schwelgerischen Melodien kulminieren und sich dann in Störgeräuschen auflösen. Von der beschwörenden Ballade zur simmernden Katzenmusik ist es bei Blumberg nur ein Sprung – in den Abgrund.

Blumberg ist 27 Jahre alt, als Jugendlicher spielte er in einer Band namens Cajun Dance Party, dann arbeitete er mit Low, Lambchop und David Berman alias Silver Jews, und mit Neil Michael Hagerty von Royal Trux bildete er Howling Hex. Das ist ungefähr die halbe grandiose amerikanische Kaputtheit des Songschreibertums. Jetzt hat Blumberg eine epische Klageplatte aufgenommen, an fünf Tagen in London: „Minus“ ergießt sich als eine Suada des freien Spiels – der Violinist Billy Steiger, der Kontrabassist Tom Wheatley, der Schlagzeuger Jim White (von den Dirty Three) und Scott Walkers Produzent Peter Walsh, ein Virtuose des Extremismus (seit „Cli­mate Of Hunter“, 1984), schichten Westcoast-Schönklang auf, um ihn dann lustvoll zu zerstören.

Der Kakofonie abgerungen

Daniel Blumberg, der derangierte Sentimentalist und Troubadour im Zentrum, kann wie ein Engel singen und Klavier spielen, maunzt mit Kopfstimme, dehnt die elysischen Melodien zu Mantras, während die Geige irrlichtert und sägt. Man denkt auch an Nick ­Caves Verbindung mit dem Geiger Warren Ellis, der ­Caves Meditationen ebenso begleitet wie inspiriert. Rhapsodien des Unglücks. American Gothic, American Vaudeville.

Sieben Stücke nur enthält „Minus“, eine der Depression und der Kakofonie abgerungene Platte, die am Rand der Auflösung balanciert. Eine romantische Entfesselungskunst, Herzkammermusik. (Mute/PIAS)

Daniel Blumberg live: 24. Juni 2018 im Acud, Berlin


15 Songs, die wir Supergroups zu verdanken haben

Temple of the Dog Gründungsjahr: 1990 Mitglieder: Chris Cornell (Soundgarden), Jeff Ament (Pearl Jam), Stone Gossard (Pearl Jam), Mike McCready (Pearl Jam), Matt Cameron (Soundgarden), Eddie Vedder (Pearl Jam) „Hunger Strike“: https://www.youtube.com/watch?v=VUb450Alpps Bad Company Gründungsjahr: 1973 Mitglieder: Paul Rodgers (Free), Simon Kirke (Free), Mick Ralphs (Mott the Hoople), Boz Burrell (King Crimson) „Can't Get Enough“: https://www.youtube.com/watch?v=7p9mzYB--uI Asia Gründungsjahr: 1981 Mitglieder: John Wetton (King Crimson), Geoff Downes (The Buggley, Yes), Steve Howe (Yes), Carl Palmer (Atomic Rooster; Emerson, Lake and Palmer) „Heat of the Moment“: https://www.youtube.com/watch?v=cpxsMyoXUZQ The Highwaymen Gründungsjahr: 1985 Mitglieder: Johnny Cash, Willie Nelson, Waylon Jennings and Kris Kristofferson „Highwayman“: https://www.youtube.com/watch?v=aFkcAH-m9W0 Black Country Communion Gründungsjahr: 2009 Mitglieder: Joe Bonamassa, Glenn Hughes…
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