Das Ende des Donjon Sfar/Trondheim/Mazan

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Joann Sfar, dessen burlesk-brutaler Debütroman, „Der Ewige“, vor Kurzem in deutscher Übersetzung erschien, ist inzwischen auch hierzulande dank seines „Gainsbourg“-Films und gefeierter Comicreihen wie „Grand Vampire“ bekannt wie ein bunter Hund. Lewis Trondheim hingegen gilt in Deutschland vielen immer noch als Geheimtipp. Seine Erfolge mit dem wortlosen Comic „Die Fliege“ und mit „Herrn Hases haarsträubende Abenteuer“ liegen eine Weile zurück. Die beiden führen nun gemeinsam ihre Comicserie „Donjon“ zu einem vorläufigen Finale furioso. Ursprünglich und größenwahnsinnig auf ein paar Hundert Bände angelegt, erzählt die auf mehrere Zeitebenen sowie Haupt- und Nebenstränge verteilte Fantasy-Groteske, die unter anderem von Starzeichnern wie Christophe Blain, Manu Larcenet und Killoffer in Szene gesetzt wurde, von Blütezeit und Niedergang des Donjon, eines kommerziell genutzten Verlieses, in dem geltungs- und erfahrungssüchtige Helden von allerlei Monstern in bester Videospielmanier niedergemetzelt werden. In „Das Ende des Donjon“ müssen der Enterich Herbert von Vaucanson und der samuraiartige Drachist Marvin – die Hauptfiguren des ganzen Schlamassels – die ohnehin schon in Stücke gerissene Welt des Donjon davor bewahren, von der „Schwärze“ verschlungen zu werden.

Klingt krude und überdreht, und das ist es auch. Als reine Persiflage sollte man „Donjon“ indes nicht abtun, dafür steckt merklich zu viel Herzblut in der Figurenzeichnung, zu viel wahre Traurigkeit und Melancholie in der an der Oberfläche mal blutrünstigen, mal humorvollen Handlung. Trondheim für seinen Teil hat diese Genrespielart längst nicht ausgereizt: Mit „Ralph Azham“ irrlichtert bereits sein nächster hochbegabt-verpeilter Antiheld durch fantastische Gefilde. Man sollte sich unverzüglich auf seine Spur begeben.

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