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Deichkind Befehl von ganz unten


Universal VÖ: 10. Februar 2012

„Wir tanzen um den Feuerberg aus lodernden CDs/ Die Netzwerke sind scharf gestellt in unseren WGs/ Dort fahr’n wir die Systeme hoch und rippen uns in Rage/ 99 Cent für ’nen Track verpuffen in der Blase“: Deichkind sind Punks im ursprünglichen anarcho-krawalligen Sinn – die Zusammenarbeit mit den legendären Slime auf dem ersten Album seit vier Jahren ist da nur konsequent. Trotzdem kommt die Musik des Trios – außer bei „Die rote Kiste“ – als gewohnt atemlose Mixtur aus Elektro, HipHop und Euro-Dance herangebrettert. Nach dem Tod ihres langjährigen Produzenten Sebastian Hackert sind Philipp Grütering, Ferris Hilton und Porky nun auf sich allein gestellt. Doch den Zeitgeist treffen Deichkind immer noch souverän: Der vorab als MP3 verschenkte Song „Illegale Fans“ beschreibt eine Haltung im Land, die normalerweise hochmoralisch beklagt wird. Weil ohne schlechtes Gewissen geklaut, gerippt und heruntergeladen wird, was das Netz hergibt. Anstatt zu jammern, stellen sich Deichkind gutgelaunt auf die Seite der Kopyright Liberation Front: „Wir sind keine Einzeltäter: Mann, wir sind die Massen! Illegale, illegale, illegale Fans.“

„Befehl von ganz unten“ hat viele Tracks, die zunächst derbe lustig sind, aber auch von einer gewissen Haltung zeugen. Vor allem „Leider geil“ spielt humorvoll und virtuos mit der eigenen Szene-Sprache und den entsprechenden Verhaltensmustern. Das Ergebnis ist ein eher trostloses Szenario unserer coolen Welt: „Kleine Kinderhände nähen schöne Schuhe/ Meine neuen Sneakers sind: leider geil.“

Es fehlt der Platz, um die vielen gelungenen Sprachschöpfungen zu zitieren, die gelegentlich mit einer etwas zu schlichten musikalischen Soße serviert werden. Sehr schön verpeilt und dabei ausgesprochen funky ist „Partnerlook“, mit seinen Referenzen an den Blöd-Sprech in der Modebranche: „Wir beflügeln unsere Umwelt – wenn man sich zu uns stellt“. Das Schöne an „Befehl von ganz unten“ ist, dass man sich hier ausgesprochen kreativ mit der Wirklichkeit von 2012 auseinandersetzt. Das ist meist sehr lustig und unterhaltsam – aber nie um den Preis einer fraternisierenden Haltung, die alle Widersprüche weglacht.


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12. Tomorrow Morning (2010) ★★★ Endlich erfasst ihn, den Trauerkloß, den an den eigenen Gefühlen verzweifelnden Waldschrat, doch noch etwas Glück. „Tomorrow Morning“ ist die kolibrileichte Platte, von der niemand angenommen hätte, dass sie jemals von den Eels kommen würde. Der Abschluss einer Trilogie über Himmel und Hölle der Liebe (mit den Vorgängern „Hombre Lobo“, 2009, „End Times“, 2010) schwebt mit „Spectacular Girl“ über den Wolken, labt sich an grausam redundanten Computersound-Experimenten („Baby Loves Me“) und überrascht mit sorgsam kompilierten Synthie-Beats, die an den Electro-Folk von Beck erinnern. Everett vielleicht sogar entspannt: „I Like The Way This Is Going“. Jetzt…
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