Depeche Mode: „101“ – besser als ein Studioalbum



von

Das ideale Studioalbum von Depeche Mode – wäre es in einem Studio auf­ genommen worden und nicht live vor Publikum in der Rose Bowl von Pasadena, wo die Band 1988 ihr 101. und letztes Tourkonzert gab. Die vier Musiker spielten damals noch nicht mit Schlagzeuger, sondern mit Drum- Computer und Rhythmen aus dem Synthesizer, was den Arrangements ein entsprechendes Bandmaschinenflair verlieh. Enthalten sind alle Songs der „Tour For The Masses“­-Set­list, und für die Live­-Versionen wurden etliche Stücke entzerrt und als Maxi­-Versionen dargeboten, wie „Never Let Me Down Again“, dessen Single Depeche Mode mit einem ihrer Remixe vereinten. Als Best­-of einer Pop­band sucht diese Songsammlung im Jahr 1988 ihresgleichen.

„101“ klingt daher wie ein Nonstop- Mix aus dem Backkatalog, in den Publikum hineingemischt wurde – bisweilen so abrupt, als müsste daran erinnert werden, dass sich hier 60.000 Leute im Stadion befinden. „Good evening, Pasadena!“, ruft Dave Gahan zu Beginn, aber die Aufnahme dieser nicht für Improvisationen bekannten Gruppe hätte auch aus Hamburg oder Madrid stammen können. Eine längere Interaktion bietet das abschließende „Everything Counts“, als Gahan das Publikum zum Mitsingen auffordert, was es auch dann noch tut, als das Lied vorbei ist. Das Ende des Sets gehört also den Stimmen, nicht den Maschinen.

Im Tourfilm, von D. A. Pennebaker und Chris Hegedus gedreht, kommt die Besonderheit dieser kaliforni­schen Show zum Ausdruck: dass eine britische Elektro­-Popband den Durchbruch in den USA geschafft hat. Die Doku zeigt Fans bei ihrer Reise durch das Land, aber nicht allen Kinogängern gefiel es, anstelle eines vollständigen Konzerts US­-Teenagern beim Busfahren zuzusehen, was für das Reissue nun als „filmischer Vor­läufer des jugendkulturellen Reality­-TV-­Trends“ verkauft wird. Dafür enthält die digital restaurierte Edition nicht nur Interviews mit Band und Crew, sondern auch drei bislang unveröffentlichte Live­-Videos. (Sony)


ÄHNLICHE KRITIKEN

Dave Gahan & Soulsavers: „Imposter“ – einfach herzzerreißend

Der Depeche-Frontmann als großer Repertoire-Sänger

Depeche Mode „Ultra – The 12′′ Singles“: Vinyl-Premieren für DM

Die Maxi-Singles aus der „Ultra“-Phase auf Vinyl

Markus Kavka :: Depeche Mode

Kavka verbindet den Aufstieg der britischen Synthie-Popper mit seinen eigenen Coming-of-Age-Jahren in der BRD der 80er-Jahre.


ÄHNLICHE ARTIKEL

So sorgen Depeche Mode für den perfekten Silvester-Moment

Kurz vor Mitternacht mit den richtigen Worten ins neue Jahr starten? Depeche Mode machen es vor.

„Stop Speaking“: Jenny Lee Lindberg von Warpaint kooperiert mit Dave Gahan

„‚Stop Speaking‘ handelt von dem Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden ... unabhängig von den Fehlern, die man machen wird, weiß man irgendwie, dass man sie ohne das Nörgeln anderer in Ordnung bringen wird“, so die Musikerin.

Dave Gahan: Neues Musikvideo zu „The Dark End Of The Street“

Zum ersten Mal gesungen wurde das Lied im Jahre 1967 von James Carr, dem wohl größten Interpreten, den der Deep Southern Soul je hervorgebracht hat. Auch Aretha Franklin, Cat Power und die Eels fanden Gefallen an dem Rührstück.