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Nick Cave & The Bad Seeds Skeleton Tree

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“Skeleton Tree” ist nicht entstanden, weil Nick Caves Sohn gestorben ist, sondern obwohl er gestorben ist. Es wäre zu leicht und es wäre falsch, das Album einfach als Trauerarbeit zu verstehen, als therapeutische Kunst, die einer Tragödie logischerweise folgt. In “One More Time with Feeling”, Andrew Dominiks ergreifendem, das Album begleitenden Dokumentarfilm, sagt Cave, dass Kreativität Raum und Luft zum Atmen brauche, und dass ein Trauma wie der Verlust des eigenen Sohnes diese Luft nicht erlaube.

Dass es “Skeleton Tree” nun doch gibt, mag als Triumph der Schaffenskraft verstanden werden; man sollte das Album und die Umstände seiner Entstehung dennoch nicht romantisieren. Es ist also auch darauf hinzuweisen, dass große Teile des Albums – die meiste Musik und ein Teil der Texte – bereits vor dem Unfalltod seines Kindes entstanden waren. Das Morbide und Abgründige, das Elegische und Atmosphärische, also die ständigen Begleiter Caves, hätten wahrscheinlich auch ohne reale Ereignisse wieder ihren Weg in Caves Kunst gefunden.

Hier gibt es kein “Tears In Heaven”

Aber nun ist es so, “Skeleton Tree” ist Das Album Über Den Tod Seines Sohnes, und als solches wird es in die Pop-Geschichte eingehen, weil Pop ja immer Geschichten braucht, Kontexte, Bilder, Orte, Stimmungen. Und damit seine private Tragödie kein Promo-Text wird, hat Cave beschlossen, keine Interviews zu geben und Dominiks Film das Sprechen zu überlassen. Der Film wiederum hat den Tod des Sohnes als impliziten Mittelpunkt, der das Geschehen zu jeder Zeit dominiert. Es ist also ein Paradox: Das Trauma der Privatperson Cave soll nicht als Werbung für das neue Album herhalten – obwohl es nun nicht mehr möglich ist, das Album ohne diesen Hintergrund zu hören; und dieser Hintergrund ja – auch wenn es zynisch klingt, aber sind wir ehrlich – ein wesentlicher selling point ist.

Die Lieder auf “Skeleton Tree” sind gut, das lässt sich leicht erkennen. Die Texturen sind düster und stimmig, die Produktion bleibt am Boden und entwickelt eine intensive Unmittelbarkeit, Cave singt sanft und schön. Die Kunst ist hier nicht von ihrem Erschaffer zu trennen, eine grundsätzlich schwierige Zeile wie “I need you in my heart” gewinnt natürlich eine besondere Bedeutung.

Dennoch muss man festhalten, dass man als Zuhörer nicht zum Kitsch-Apologeten mit Verweis auf reale Umstände werden muss; es gibt kein “Tears in Heaven” hier, natürlich nicht. Aber ist “Skeleton Tree” ein Meisterwerk? Muss es das nicht sein, mit diesem Hintergrund? Wäre das nicht eine schöne, oder sogar: die einzig richtige, Erzählung?

Nach einem ersten Hören lässt sich sagen, dass es in jedem Fall ein gutes Album geworden ist, das Cave weiterhin als relevanten, stilsicheren Künstler zeigt. Ob es mehr als nur ein gutes Album ist, wird die Zeit zeigen, und “Skeleton Tree” ist ganz sicher ein Album, das Zeit braucht. Es ist ein Fluch des Internets, sich sofort eine Meinung bilden zu müssen, an der man dann auch noch, so schreibt es das Ego vor, festhalten sollte. Aber, keine Frage, hörenswert ist dieses Album.

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