Prince 30 Jahre „Lovesexy“

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Über das Album, auf dessen Hülle er nackt zu sehen war, das ihn schwebend über der riesigen Blüte einer Orchidee zeigte, und auf dem ein eichelförmiger Stiel jene Erektion darstellte, die er selbst nicht zeigen wollte, über dieses Album sagte Prince: „Es ist ein mentaler Trip, wie ein psychedelischer Film. Entweder du lässt dich darauf ein – oder eben nicht.“

Wenige Räusche dauern länger als eineinhalb Monate. Prince nutzte das High und nahm in dieser Zeit seine zehnte Platte „Lovesexy“ auf. Er begann im Dezember, pausierte natürlich nicht über Weihnachten und Silvester, im Gegenteil, und beendete den Job im Januar. Die Schreibprozesse des Genies sind gut dokumentiert, für sämtliche seiner mehr als 30 Studioalben, aber „Lovesexy“ war besonders: Es war die Start-Ziel-Durchsetzung eines Konzeptes, ohne dass er, wie sonst üblich, viel Material hin- und herschob.

Seine Band spielte mit, hatte aber weniger zu sagen denn je. Ähnelte der Vorgänger „Sign „O“ The Times“ noch jenen berüchtigten, viele Tracklist-Konfigurationen durchlaufenden Compilations aus älteren (The Revolution-)Stücken und aktuellen Demos, bestand „Lovesexy“ fast ausschließlich aus Neukompositionen.

 

Der Neun-Song-Zyklus war seine Lobpreisung an Gott, er übernahm vom eigentlich zur Veröffentlichung geplanten „Black Album“ nur „When 2R in Love“. Die einstige, konfuse Skizze „The Ball“ hatte nur noch entfernte Ähnlichkeit mit seinem neuen, aufbrausenden „Eye No“. Über seine Entscheidung, die „schwarze Platte“ Im Dezember 1987 nicht auf den Markt zu bringen und stattdessen sofort die neuen Stücke anzugehen, gibt es unterschiedliche Versionen.

Prince: Kauft nicht das „Black Album“!

Die gängigste: Eine böse Erfahrung mit einer Ecstasy-Tablette überzeugte ihn, das „Black Album“ sei teuflisch. Ein elendiger Nachlass, würde er plötzlich sterben und dieses Werk als finales hinterlassen. Die Kinder sollten ihn so nicht in Erinnerung behalten. Vielleicht hat Prince auch nur erkannt, wie mittelmäßig diese Lieder waren und verhinderte ihr Erscheinen deshalb in letzter Minute. „Don’t Buy The Black Album, I’m Sorry“, die Textbotschaft schmuggelte Prince in sein Video zu „Alphabet St.“. Die Bitte an seine Fans die Platte nicht als Bootleg zu erwerben.

https://www.youtube.com/watch?v=vP1kZLGG5gw

Die Kombination der Wörter „Love“ und „Sex(y)“ scheint im Zusammenhang mit Prince so naheliegend wie schlicht, auch, wenn er die dahintersteckende Philosophie – Rauschzustände durch religiösen Glauben – nie erklärte. Aber die Ära der Slogans war nun angebrochen: „New Power Generation“, „Yes“, „The Feeling You Get When You Fall In Love, Not With A Girl Or Boy, But With The Heaven’s Above – Lovesexy“, „Free Yo Mind From This Rat Race“ (in „Escape“ sang Prince, zu „Dirty Mind“-Zeiten nicht denkbar, „We Don’t Want Your Body, We Want Your Mind“).

Prince wirkte wie ein Sektierer, aber seine Angebote waren keine krummen Geschäfte. Man hatte nichts zu verlieren, „Lovesexy“ war ein take it or leave it. In Fan-Foren und Facebook-Gruppen ist es die „Lovesexy“-Ära, die am leidenschaftlichsten diskutiert wird. Allein, wer nur die Parolen dieser Zeit schmettert, erhält dort sofort eine Antwort.

Tragischerweise waren es die echten Freunde von Prince, die Fragen hatten. Saxofonist Eric Leeds sagte: „Ich verstand nicht, was der Begriff ‚Lovesexy‘ aussagen sollte. Das kapierte niemand.“

Im Prince-Camp kam „Lovesexy“ also nicht überall gut an. Richtig laut wurden die kritischen Stimmen natürlich erst Jahre später. „Er hatte das ‚Black Album‘ gestoppt, weil er fand, dass er es aus den falschen Gründen gemacht hatte, und das war Wut“, berichtete sein Tourmanager, Alan Leeds, dem ROLLING STONE. „Aber dann machte er ‚Lovesexy‘ ebenfalls aus den falschen Gründen: Er wollte ein Album machen, das Gott gefallen sollte. Anstatt die Musik einfach für sich selbst sprechen zu lassen, verpflichtete er sich einer Ideologie.“

Musste man die „Lovesexy“-Ideologie überhaupt verstehen? Es gibt ja auch einfach nur … die Songs. Die herausragenden Songs. Und gab es jemals ein Album von Prince, in dem mehr Ideen pro Lied verarbeitet wurden, mehr miteinander verwobene Melodien, als in „Lovesexy“? Es war eine Symphonie. Oder wie die musikalische Entsprechung einer jener Filme von Robert Altman, in denen hunderte Schauspieler gleichzeitig sprechen und doch jede Stimme verstanden wird. Kein Wunder, dass die CD-Version die neun Stücke als einen einzigen präsentierte, sie sich also nicht einzeln anwählen ließen. Anzahl der Tracks: 1. Spieldauer: 45:05 Minuten.

https://www.youtube.com/watch?v=n-qK5MNSwoE

Es steckten derart viele Sounds darin, dass Prince Störgeräusche drinlassen konnte, vielleicht sogar absichtlich einbaute, wie im Titelsong. In der Tradition von Stevie Wonder und Marvin Gaye griff er sich amerikanische Städte heraus, um auf soziale Missstände und Rassismus hinzuweisen („Detroit … what’s happenin’?“, in „Dance On“). „Glam Slam“ endete wie ein Stück von Johann Sebastian Bach, und es enthält mit „Heavy feather, flicka nipple / Baby scam water ripple /I don’t understand / It means I love you“ eine selbstironische Beschreibung dafür, dass der Lyriker seine eigenen Konzepte manchmal nicht versteht.

Rain Is Wet, And Sugar Is Sweet

Im abschließenden „Positivity“ griff Prince ROLLING STONE und das „People“-Magazin an und warnte vor „Spooky Electric“, seiner eigenen dunklen Seite, die des Drogen-Faibles und der One-Night-Stands. „Alphabet St.“ bestach durch einen derart einzigartigen Rhythmus, dass Prince bei späteren Tourneen kapitulierte und das Lied fortan, nur um das Arrangement nicht wiederholen zu müssen, als Country-Parodie brachte. Lediglich die schottischen Miesmacher von The Jesus and Mary Chain verstanden dessen Kern, ihre Rock’n’Roll-Version versetzten sie 1994 mit Feedbacks und Stones-Chören.

Doch es war „Eye No“, das Prince in eine neue Sphäre hob. Erstmals eröffnete er ein Album nicht nur mit einem Sample, sondern auch einem fremden Sample (das psychedelisch anmutende „Passing Clouds“ von Roger Limb). Es passte eigentlich nichts darin zusammen, und doch klang alles harmonisch: das Geräusch von Feuer, Fegefeuer, reinigendem Feuer, die Spoken-Word-Einleitung („Rain Is Wet, And Sugar Is Sweet …“) von Ingrid Chavez, die keiner kannte und die die Prince-Regel brechen durfte, dass seine Stimme stets als erste auf seinen Platten zu hören ist; schließlich Prince’ Proklamation, drogenfrei auch – für Gott – ein besserer Künstler zu sein: „The reason my voice is so clear/ Is there’s no smack in my brain. Hundalasiliah!“ Dieses komische Wort mit dem „H“ steht laut des „Urban Dictionary“ für „Hallelujah“.

„Rain is Wet, And Sugar Is Sweet“: Es klingt wie der Anfang eines Kinderreims voller Selbstverständlichkeiten. Mit der eigentlich selbst erklärenden Beschreibung von Sinneswahrnehmungen wollte Prince sicherstellen, dass wirklich jeder auf dieser Reise mitgenommen wird.

So biografisch Prince seine Songtexte ausstattete, so defensiv brachte er das Produkt „Lovesexy“ auf den Markt. Videos wollte er zunächst nicht drehen, vielleicht ist der Clip von „Alphabet St.“ mit seiner Sesamstraßen-Ästhetik, den plumpen Buchstaben-Überblendungen und Prince’ improvisiert wirkenden Tanzbewegungen deshalb so charmant. Die Sache soll damals kurzfristig anberaumt und nach einem Drehtag im Kasten gewesen sein. „Alphabet St.“ und auch die zweite Single, „Glam Slam“, erschienen dann in durchsichtigen Hüllen, als Maxi-CD noch unansehnlicher als auf Vinyl, lediglich mit einem Sticker versehen, wie Promoscheiben. Diese Gesichtslosigkeit war das Erbe des „Black Album“. Prince war noch immer auf dem Trip, hinter seiner Musik verschwinden zu wollen.

https://www.youtube.com/watch?v=nomKVJTla6g

„Lovesexy“ gilt mit damals einer Million abgesetzter Tonträger als Prince’ erster Flop. Dabei zeigte die Verkaufskurve schon seit „Around The World In A Day“ von 1985 nach unten. Den Leuten wurde langsam klar, dass Prince kein Michael Jackson war. Der richtete seine Musik nach vermeintlichen Trends aus, während Prince einer nicht transparenten Vision folgte, die für manche auch anstrengend erschien. Das „Lovesexy“-Cover schreckte Käufer ab, gerade in den USA wollten manche Fans ihn ungern nackt sehen.

Prince vs. Michael Jackson

Einige Ladenketten stellten die Platte nicht in ihre Regale. Dass die Anwahl einzelner Songs nicht möglich war, erschien gerade im erblühenden CD-Zeitalter halsbrecherisch (Warner Music veränderte die Pressung in späteren Auflagen, brachte dann die Unterteilung in neun Stücke). Wer die Single „I Wish U Heaven“ hören wollte, musste die „Spulen“-Taste also bis zur Minute 30+ gedrückt halten. Darauf hatten natürlich auch Radio-DJs, die für die Album-Bewerbung zuständig gewesen wären, keine Lust.

Seine Musik verkaufte sich also schlechter, aber wenigstens in Europa war Prince populärer denn je. Das „Black Album“-Drama, dem eine etwas alberne Perfektionismus-Attitüde zugrunde zu liegen schien, wertete „Lovesexy“ nur umso mehr auf. Außerdem erweckte die  „Sign „O“ The Times“-Tournee, die er im Jahr zuvor ausschließlich auf unserem Kontinent inszenierte, endgültig die Liebe zum wohl aufregendsten Livemusiker seiner Generation. Von der Aftershow in Berlin reden die Leute noch immer. Die Jams dieser Aftershows als auch die des „Lovesexy“-Jahrs waren vielleicht auch deshalb so berauschend, weil die regulären Konzerte relativ unflexible Setlisten aufwiesen.

 

Mit seiner „Lovesexy“-Konzertreise setzte Prince weitere, bis heute gültige Maßstäbe. Die beste Rundbühne in einer Stadionmitte (leider nicht in allen Stadien!) und die besten Show-Arrangements aller seiner Tourneen mit einer ersten Stunde von zwei Stunden, die fast durchgängig im Medley dargeboten wurde. Die Plattform mit verschiedenen, absenkbaren Ebenen enthielt ein Basketballfeld, ein Bett, eine Schaukel, riesige Torbögen. Prince fuhr mit einem Auto auf die Bühne.

Es war ein großer Sommer 1988, als die Konkurrenten Prince und Michael Jackson von Juli bis September durch Europa reisten, dort erstmals parallel in ihrer Karriere, und sich dabei in Deutschland doch in der Auswahl der Arenen und Stadien aus dem Weg gehen konnten. Prince kam nach Hamburg, und Frankfurt und Dortmund gehörten ihm exklusiv. Der noch breiter aufgestellte Jackson kam u.a. auch nach Westberlin, München und auf den Hockenheimring. Ständig war einer der beiden in den Nachrichten. Vor allem Prince forcierte den Vergleich, seine Band übte ein höhnisches „The Way You Make Me Feel“-Snippet in einem „80’s Medley“ ein.

Am 8. und 9. September 1988 trat Prince in der Dortmunder Westfalenhalle auf. Er ließ den zweiten Abend mitschneiden.

Und der zweite Abend war tatsächlich das, was sein Biograf Matt Thorne später als das größte live ausgestrahlte Konzert aller Zeiten bezeichnete. 

„Lovesexy“ Live

Es ist heute undenkbar, hierzulande auf eine derartig mutige Sender-Programmierung zu stoßen: Sat 1. Überträgt live. Zur Prime Time. Ein Prince-Konzert. Ohne zu wissen, was Prince spielt, oder was Prince mit seiner Tänzerin Cat im Bühnenbett anstellt. Prince war der Mega-Star, und der Privatsender versprach sich gute Quoten. Als Prince das Publikum ansprach, sagte er nicht den Städtenamen „Dortmund“, er sagte auch nicht „Germany“, er sagte: „Europe“. Alle sollten ihn sehen.

Die Leistung des holländischen Regisseurs Egbert van Hees (verstorben 2017) kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sein intuitiver Umgang mit der Rundbühne, den Details ihrer Auswüchse und der Hydraulik, und nicht zuletzt der Live-Schnitt mit neun Musikern in 39 Songs ist unter Berücksichtigung von Tempo, Sound, Licht und Prince‘ Theatereinlagen konkurrenzlos. Kein Wunder, dass das im April 1989 erschienene „Lovesexy Live“-VHS mit nur einer Handvoll alternativen Schnitten im Vergleich zur Live-Ausstrahlung veröffentlicht werden konnte. Prince sang nie besser, er spielte nie besser, nie hatte er prachtvollere Kostüme, und er sah auch nie gesünder und schöner aus als bei diesem Auftritt. Und wie immer bei Prince: perfekte Sauberkeit im Bühnenbild. Keine aufgeklebten Setlists am Boden, keine Getränkeflaschen, keine Handtücher auf irgendwelchen Monitorboxen. Die Szenerie beschrieb ein Konzert, das ganz ohne Drumherum auskam.

Und erst nach 90 Minuten, null ausgepowert, die Kameras fingen ruhige Finger ein, setzte Prince sich erstmals an den Flügel. Dann begann er ein knapp zehnminütiges Medley, in dem sich Kindergeburtstag („Starfish and Coffee“, „Raspberry Beret“) mit End-of-the Road-Drama („Condition Of The Heart“, „Strange Relationship“) und süffisanten Aufforderungen ans Publikum abwechselten. Allein das war sein Geld wert, und Prince‘ Einlage am Klavier ist, solange kein offizieller Videomitschnitt der finalen „Piano and a Microphone“-Tour von 2016 erscheint, sein bis heute schönstes Live-Dokument als Klavierspieler.

Als Prince die Tournee in die USA verfrachtete, sprach seine Schlagzeugerin und Musical Director Sheila E. schon davon, wie schade es ist, dass viele das „Lovesexy“-Konzept nicht verstünden, aber wie stolz die Band trotzdem auf das Werk sei. Durchhalte-Rhetorik, die Hallen in Amerika waren nicht ganz so gut gefüllt. Die US-Gigs sind hörenswert, nicht nur, weil sie länger waren als die in Europa. Sondern weil Prince noch intensivere religiöse Parolen schmetterte.

„Manchmal unterbrach er mittendrin“, sagt Keyboarder Matt Fink zu ROLLING STONE. „Die Band spielte weiter, während er bis zu zehn Minuten wie ein Prediger zu den Fans sprach. Wir wussten ja, dass er gläubig war. Aber es war ein enormer Bruch mit der Vergangenheit – und es sagte schon viel darüber aus, in welche Richtung er gehen würde.“

 

Von den USA-Mitschnitten hat Pittsburgh die vielleicht überwältigendste Geschwindigkeit, aber es sind die Abschlusskonzerte Anfang 1989 in Japan, die, bis auf Tokio vom Soundboard abgenommen, die beste Qualität haben, und die einen optimalen Einblick in den Songreigen bieten. Es gibt sie als tolle Bootlegs. Allerdings wurden in Japan die Sets schon etwas kürzer, und es existieren auch keine Videoaufnahmen vom Asien-Trip, selbst Konzertfotos sind rar. Prince’ Lust auf „Lovesexy“ hatte sich eindeutig verflüchtigt. Er hatte alles über Gott und alles zu Gott gesagt.

Sein Veröffentlichungs-Rhythmus, eine Platte pro Kalenderjahr, pendelte sich nach „Purple Rain“ 1984 mittlerweile auf die erste Jahreshälfte ein. In Gedanken war er 1989, im Jahr nach „Lovesexy“, aber noch immer auf „Lovesexy“-Tour, also längst beim nächsten Projekt. Weil die Verhandlungen mit Regisseur Tim Burton zum „Batman“-Soundtrack immer konkreter wurden, soll Prince gerüchteweise gar mit dem Gedanken gespielt haben, die Japan-Konzerte abzusagen.

Prince in der „Großen Freiheit“

Eine Ära kam zu ihrem Ende. Die meisten Kritiker und Fans bezeichnen die Sieben-Alben-Strecke von „Dirty Mind“ 1980 bis „Sign „O“ The Times“ 1987 als meisterlich. Die typische Favoriten-Reihenfolge ist „Sign“, „Purple“, dann „1999“. „Lovesexy“ gehört nie dazu, landet frühestens auf Platz acht. Bis heute hat die Platte kaum einen prominenten Fan. Questlove, einer der versiertesten und klügsten Prince-Rezensenten, pocht sogar darauf, dass die „I Wish U Heaven“-B-Seite „Scarlett Pussy“ das beste Stück sei, das den Sessions entsprang.

Prince

Dabei gehört „Lovesexy“ mit zur goldenen Periode – es war für lange Zeit die letzte Platte, die Prince nicht als Reaktion auf den Markt aufnahm, eben weder anheimelnd noch abwehrend. Mit „Diamonds and Pearls“ versuchte er sich 1991 an HipHop, damit schielte er also auf den Markt. Und mit den TAFKAP-Alben wollte er sich bewusst vom Markt abgrenzen – was bei Fans nur zu Schulterzucken führte. Mit „Lovesexy“ aber hatte Prince den Kopf in den Wolken, was eben auch heißt, dass er über seinen Rezipienten steht. Mit dem darauf folgenden „Batman“-Score gelang ihm noch eine sehr gute, absolut funktionale, den Bedürfnissen des Blockbusters angepasste Platte ohne theoretischen Überbau (sieht man mal von der singenden Figur des „Gemini“ ab, aber das gehört nicht hierher). „Batman“ war clever.

Die Aftershow-Konzerte der „Lovesexy“-Tour sind seine bis heute beliebtesten, und das liegt nicht nur an dem entfesselten Gig im „Paard van Troje“ in Den Haag, sondern auch an demjenigen in der „Großen Freiheit“ in Hamburg vom 31. August (den Egbert van Hees derart überzeugend filmte, dass er gleich danach für die große Dortmund-Show engagiert wurde). Die Bootleg-Soundqualität ist leider nur auf „Audience“-Niveau, aber Prince offenbarte bei dem Konzert einige Haltungen.

Zum Jam von „I Wish U Heaven“ fing er an, die Geschichte seines alter ego Camille zu erzählen, dem „baddest motherfucker in the world“, der mit dem „Black Album“ das „baddest album in the world“ rausbringen wollte: derart bösartig, dass nicht mal ein Name auf dem Cover stehen sollte. Dann leitete Prince in seinen neuen Song „God Is Alive“ über und zitierte „Lovesexy“. „Natürlich gibt es Leute, die ‚Lovesexy‘ albern finden“, sagte er zum Hamburger Publikum. „Aber es ist eine Sprache, die ihr versteht, und die ich verstehe. Und deshalb stehe ich hier und gebe für euch ein Konzert.“

Er lacht, dann beschließt er das So-kam-es-zum-Namen-Kapitel endgültig.  „I don’t give a shit. I like it.“

Peter Still Redferns
Die 100 besten Sänger aller Zeiten: Prince

Auf Platz 30 der besten Sänger aller Zeiten, gewählt von ROLLING STONE: Prince Für Roots-Drummer Ahmir „?uestlove“ Thompson ist Prince „ganz sicher der mutigste schwarze Musiker der Postmoderne. In seiner Stimme stecken viele Persönlichkeiten, er hat einfach vor gar nichts Angst – und wenn er so richtig aufdreht, klingt es, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank.“ Der Mann hat recht: Der stimmbänderzerfetzende Höhepunkt von „The Beautiful Ones“ lässt tatsächlich schwere Paranoia vermuten und überzeugt ebenso wie das vor Leidenschaft triefende, flaumleichte Falsett von „Adore“, das Rockergegröhle von „Let’s Go Crazy“ oder die roboterhafte Starre in „When Doves Cry“. „Gesanglich…
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