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Spoon Hot Thoughts


Die Waschzettel, die mit den Vorabkopien von Alben an, na ja, Journalisten verschickt und die heute wahrscheinlich „Infos“ genannt werden, enthalten oft amüsante Formulierungen: groteske Anpreisungen, vollmundigen Unfug, verstiegene Vergleiche, bizarre Stilblüten, längliche Biografieskizzen. In dem Waschzettel zu „Hot Thoughts“ stehen neben anderen nützlichen Hinweisen zwei Begriffe, die man unbedingt für die Musik von Spoon verwenden sollte: „Ohrwürmer“ und „Hooks“.  Und dann beginnen die Beschreibungsprobleme.

Spoon waren immer die Band für Menschen, die Rock und Jazz hören und möglicherweise komische Experimental­musik. Sie waren nie: „indie“. Ihre Platten erschienen bei kleinen Labels, aber sie waren das Gegenteil der Leerbezeichnung „­indie“. Manche ihrer Songs klangen wie Hits, wie The Killers, bevor es sie gab. Manche klangen wie Hippiemusik. Manche klangen wie psychedelische Beatles-Stücke. Vielleicht ist es der Rhythmus, vielleicht ist es das Schlagzeug, vielleicht ist es Britt Daniels Gesang: Spoon bedeutet Déjà‑vu, aber man erkennt sie immer. Sie haben einen scheppernden Groove. Sie haben die Melodien, die Widerhaken und das Kirmesdudeln.

Sehnsüchtig und wuchtig

Und jetzt haben sie noch viel mehr davon. Dave Fridmann, der so viele Alben von Mercury Rev und den Flaming Lips eingerichtet hat, produzierte „Hot Thoughts“ in seinem Studio in Cassadaga im Staat New York. „Hot Thoughts“ ist ein zugleich transparentes und dichtes, ausuferndes und konzentriertes, schwelgerisches und präzises Wunderwerk von flirrenden Arrangements, Keyboards als Streichern und krachendem Schlagzeug, Hall und elektronischen Verzerrungen, Orgeln, Chören und jäh zupackendem Funk. Paul McCartney und Marvin ­Gaye, Michael Jackson und die Red Hot Chili Peppers, Hall & ­Oates und die Talking Heads schießen in diesen Songs zusammen, von denen die meisten vier Minuten lang sind und Abenteuer, sehnsüchtig und wuchtig, verspielt und überbordend, mit langen Instrumentalpassagen und retardierenden Momenten. Man lebt in diesem Klang.

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Spoon-Sänger John Britt Daniel
Spoon-Sänger John Britt Daniel

Und dann schlägt die Melodie los. „Tear It Down“ wirkt wie ein leicht hingeworfener Geniestreich der ganz späten Beatles, so bittersüß und süchtig machend. „Shotgun“ ist eine Bestie des galoppierenden Disco-Funk-Rock mit einem Riff wie „I Was Made For Lovin’ You“ und der triumphalen Verzweiflung eines Nirvana-Songs: „You’re the one who brought a shotgun/ You went and brought a shotgun.“ Am Ende, bei „Us“, tönt ein Saxofon, vielleicht ein Xylofon, seltsame Geräusche, eine wehmütige, filmmusikhafte Melodie. „And those hot thoughts/ Melting your cool.“ (Matador)

Clasos/CON LatinContent/Getty Images

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