Van Der Graaf Generator Merlin Atmos

Esoteric Antenna

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Van Der Graaf Generator - Merlin Atmos

Van Der Graaf Generator waren immer schon dafür bekannt, mit minimalsten Mitteln das größtmögliche Ergebnis zu erzielen. So verkraftete die britische Band in ihrer nahezu 50 Jahre andauernden Karriere sowohl Abgänge von Musikern, als auch Veränderungen in der musikalischen Landschaft stets scheinbar spielend. Ursprünglich dem Progressive Rock zugewandt, begann die Gruppe um Sänger und Komponist Pete Hammill Mitte der Siebziger auf Punk mit einem deutlich aggressiveren Sound entgegenzutreten, strichen kurzzeitig sogar das ‚Generator‘ aus ihrem Namen, bevor sie sich 1978 vorerst auflösten. Nach einer erfolgreichen Reunion 2005, die unter anderem mit einem Konzert in der Londoner Royal Festival Hall und einem neuen Studioalbum zelebriert wurde, verließ Saxophonist und Flötist David Jackson die Band, der von Beginn an durchgehend bei Van Der Graaf Generator spielte und ihren Sound so unverkennbar mitgeprägt hatte.

Hammill, Organist Hugh Banton und Drummer Guy Evans machten aus der Not kurzerhand eine Tugend und als Trio weiter. Sowohl im Studio – zuletzt erschien das instrumentale „ALT“, das Studioimprovisationen beinhaltete -, als auch live. Davon zeugt nun das Live-Album „Merlin Atmos“, das die Auftritte der Band von 2013 dokumentiert. Hierbei überrascht vor allem die Songauswahl, die nicht nur zuvor noch nie live gespieltes Material von Van Der Graaf Generator umfasst, sondern zusätzlich auch noch diverse Stücke aus der umfangreichen Solo-Diskografie des Sängers. So stammt direkt der Opener „Flight“ von Hammills „A Black Box“ aus dem Jahr 1980 und der Zwanzigminüter zählt gleich zu den Höhepunkten des Albums. Hammill singt druckvoll und pointiert, hämmert gleichzeitig aufs Piano ein, als wäre er von der Tarantel gestochen worden und ergänzt somit Bantons voluminöses Orgelspiel perfekt. Das alles wird von Evans‘ wildem Schlagzeug gleichzeitig konterkariert und zusammengehalten.

Auch „A Plague Of Lighthouse Keepers“ ist bemerkenswert, weil der Song zuvor noch nie in seiner vollen Länge aufgeführt wurde. Hier präsentiert ihn das Trio langsamer als in der Studio-Version, wodurch er dunkler und bedrohlicher wirkt. Vor allem Banton überzeugt und ersetzt mit seinem erhabenen Spiel Bass und Bläser gleichzeitig.

Auf einer zweiten CD – „Bonus Atmos“ betitelt – befindet sich weit mehr als nur durchschnittliches Bonus-Material, da vor allem dort die mitreißende Atmosphäre, die ein Konzert von Van Der Graaf Generator annehmen kann, hervorragend eingefangen wird. „Man-Erg“ etwa wird um wilde, haarsträubend schräge Synth-Einsätze ergänzt. „Meurglys III, The Songwriter’s Guild“ von „World Record“ macht trotz erheblicher Kürzungen (es ist fast 10 Minuten kürzer als auf dem Album) Sinn und „Childlike Faith In Childhood’s End“ beendet das Album emotional intensiv. Insofern ist gerade die 2-CD-Variante für Anhänger und Fans des schrägen Progs von Van Der Graaf Generator empfehlenswert, da sie das ohnehin hervorragende Material der ersten CD um einige Glanzstücke bereichert. Bloß ärgerlich, dass auf „Bonus Atmos“ durch die lieblosen Auf- und Abblendungen zwischen den Songs kein wirkliches Konzertgefühl aufkommen will.

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