Rolling Stones: Ron Wood und Keith Richards über den Re-Release von „Some Girls“


Näher als bei den glänzenden Aufnahmen der „Some Girls Live in Texas DVD“ sind die Fans selten an den Rolling Stones dran gewesen. Der Film wurde 1978 an einer heißen Nacht in Fort Worth während ihrer kurzen Sommertour gedreht. Er ist ein Teil der bevorstehenden „Some Girls“-Reissue, das am 18. November herauskommen und mit einigen Extras vollgestopft sein wird, wie beispielsweise zwölf bisher unveröffentlichten Songs.

Für die Band war es eine Reise zurück in eine Zeit, in der Keith Richards auf seinen Prozess wegen Heroinbesitzes wartete, Mick Jagger die New Yorker Danceszene stark frequentierte und sich die Stones selbst mit einem Wandel konfrontiert sahen. „Uns wurde von den Punks in den Arsch getreten“, erklärt Richards. „Ich bin zwar wirklich kein Punk-Fan, aber ihre Energie und auch die Tatsache, dass dir eine neue Generation folgt, das war für uns wirklich ein Tritt in den Arsch. Es war einfach an der Zeit, zum Kern der Musik vorzudringen und damit aufzuhören, mit glamourösen Frauenstimmen, Waldhörnern und dem ganzen Kram herumzuspielen.“

Ab Oktober 1977 versteckte sich die Band im Proberaum der Pariser Pathé Studios, jammten und improvisierten monatelang. „Jeder von uns barst fast vor Energie und wir spielten ein Riff nach dem anderen“, erklärte Ron Wood. „Unser Motto war ‚Mehr schnelle Nummern‘.“ Das Ergebnis war ihr elektrischstes Album aller Zeiten. Die Songs reichen von Feierabend-Disco-Glitter („Miss You“) über schnellen Punk („When The Whip Comes Down“) bis zu gefühlvollen Ballarden, die Richards und Woods neugefundene Hoheit des verwobenen Gitarrenspiels bestens darlegten („Beast Of Burden“, „Just My Imagination“). „Wir spielten erst im Western-Modus, dann im Heavy-Rock’n’Roll-Modus“, erzählt Wood, „und dann spielten wir nur Songs in A-Dur.“

Mit dem Produzenten Don Was, der im vergangenen Jahr die Wiederauflage von „Exile On The Main St.“ produzierte, kehrten die Stones Anfang des Jahres zu „Some Girls“ zurück. Sie hörten sich hunderte Stunden Material von den ursprünglichen Sessions an und benutzen Bootlegs, die schon lange in Fankreisen zirkulierten, als Leitfaden um Highlights wie „Claudine“– ein schlicht arrangierter Boogie über die französische Sängerin Claudine Longet, die beschuldigt wurde, ihren Freund, den Skifahrer Spider Sabich, 1976 ermordet zu haben – und „Tallahassee Lassiew“ – einen heiser-lärmenden Song im Chuck-Berry-Stil, aufgenommen während der „Some Girls“-Tour – zu finden.

„Es gab eine wirklich großartige Version von ‚Miss You‘, die eigentlich schon fast ein Jazz-Song war“, erinnert sich Richards an die Überraschungen, auf die die Band in ihrer Schatztruhe gestoßen ist. „Mick hat seinen Gesang auf dieser Aufnahme nicht gemocht. Ich hätte es gerne auf die Reissue gepackt, weil es sich so sehr von der anderen Version unterscheidet. Aber gleichzeitig erklärte Mick: ‚Nein, ich will das nicht.‘ Und umgekehrt, manchmal mochte ich mein Gitarrenspiel nicht. Wir hatten diese Momente einige Male, sahen uns an und meinten dann immer: ‚Schade.'“

Diese Reise in die Vergangenheit mit der Wiederauflage von „Exile“ und „Some Girls“ in den letzten zwei Jahren „hat uns wieder verlorengeglaubte Energie eingeflößt und uns klarwerden lassen, was für eine energetische Live-Band wir sind“, erklärt Wood.

Dennoch, die „Some Girls“- und „Exile“-Reissue mag vielleicht nur der Anfang sein: Produzent Was will nun auch „Beggars Banquet“, „Let It Bleed“ oder „Sticky Fingers“ bald angehen. „Es gibt so viel Material“, sagt er, „wenn sie niemals wieder ins Studio gehen würden, könnte man trotzdem etwa 50 Jahre lang jedes Jahr ein neues Stones-Album herausbringen. Und sie wären alle gut.“

Dieser bisher unveröffentlichte Song „No Spare Parts“ ist auch in der „Some Girls“-Reissue zu finden:


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