Scott Walker: Review zu „The Drift“ von Arne Willander


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Forums-User DJ@RSO kennt sich mit den Heftthemen unseres Magazins fast besser aus als unsere Redaktion. Jeden Monat ergänzt er den ROLLING STONE-Index und vermerkt, welche Künstler mit welchem Artikel im Heft vertreten sind. Außerdem stellt DJ@RSO jeden Monat ergänzende Archiv-Fundstücke zu unserer aktuellen Heftthemen zusammen (hier zum Beispiel für die August-Ausgabe). Zum Tag des Forums haben wir ihn mal gefragt, welcher Artikel am meisten Eindruck hinterlassen hat und warum.

Als langjähriger Leser des ROLLING STONE pflege ich Monat für Monat in gewisser Weise eine Art von „Freundschaft“ mit den Machern des Blatts. Zugegeben: Eine durchaus als einseitig zu bezeichnende Angelegenheit, da die Redaktion verständlicherweise nicht jeden einzelnen Leser – in diesem Fall mich – kennen kann. Und dennoch: Auf einer bestimmten Ebene ist man sich im Laufe der Zeit näher gekommen. Die Redaktion „weiß“ in der Regel, was mich interessieren könnte, und ich habe die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch inzwischen über fünfzehnjähriges Studium des Heftes „kennen lernen“ dürfen. So weiß ich ansatzweise um Vorlieben und Eigenheiten der Redaktionsmitglieder und kann für mich annähernd einschätzen, wessen Meinungsbild sich z.B. in Bezug auf neu erschienene Platten mit meinen Präferenzen decken könnte. Dieser Sachverhalt ist durchaus von Wert, bewahrt er doch vor so manchem Fehlkauf, ganz gleich, ob ich letztlich die Meinung des Rezensenten teile oder nicht.

Trotz der bei langjährigen Freundschaften immer vorkommenden Höhen und Tiefen, und trotz sich manchmal einstellender Routine-Erscheinungen, sorgt die Redaktion des ROLLING STONE immer wieder für Überraschungen. In der Fülle konstant lesenswerter Platten-Besprechungen des Magazins – egal ob es sich nun um Verrisse oder Lobhudeleien handelte – sticht für mich unter den zahlreichen, akzentuiert verfassten Rezensionen noch immer ein ganz bestimmter Text deutlich hervor. Als wäre es erst gestern gewesen, erinnere ich mich mit großem Vergnügen an die legendäre Besprechung zu Scott Walkers „The Drift“ in der Mai-Ausgabe des Jahres 2006. Dem Autor Arne Willander gelang es nämlich auf sehr bizarre Weise, meine uneingeschränkte Aufmerksamkeit für diese Platte zu erregen. So etwas Unerhörtes, Verstörendes, ja – Verrücktes – hatte ich bis dahin (und auch danach) noch nie als Besprechung zu einer Platte gelesen. Die Wertung – ein Krankenwagen (sic) anstelle der sonst üblichen Besternung – tat ein Übriges und setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Dabei kann völlig offen bleiben, ob ich damals Liebhaber dieser Art von Musik war oder nicht. Ja, selbst wenn ich bis dahin noch nie etwas von Scott Walker gehört hätte, nach der Lektüre des Textes war ich auf das Äußerste gespannt, diese Platte zu hören.

Was letztlich aus „The Drift“ und mir wurde, soll auch weiterhin im Dunklen bleiben. Das Ziel, Neugier für diese Platte zu wecken, hat die Besprechung damals jedenfalls hundertprozentig erreicht. Für mich bleibt diese Rezension ein Highlight in der langen Reihe der oft Akzente setzenden ROLLING STONE-Plattenkritiken. Für die Souveränität, auch einen solch ungewöhnlichen Text ins Blatt zu nehmen, möchte ich die Redaktion – und besonders Arne Willander als Autor – beglückwünschen. Auf das die „Freundschaft“ zum ROLLING STONE noch recht lange währen möge.

Hier der Artikel im Original-Layout:

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