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So waren Balthazar in Köln: Biblisches Indie-Potpourri made in Belgium


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Belgien gilt nicht unbedingt als Kaderschmiede für interessante Musik, doch das sollte sich bald ändern. Nach dEUS, Soulwax und Françoiz Breut (die zwei Tage zuvor ebenfalls ein wunderschönes Konzert im CBE gegeben hat) schickt sich mit Balthazar eine weitere Band aus dem Frittenland an, die Bühnen der Welt zu erobern. In der Heimat wurde das erste, komplett in Eigenregie entstandene Album (2010) zu Recht von Kritikern beklatscht und so erschien „Applause“ mit reichlich Verspätung Ende 2011 (PIAS) auch auf dem restlichen Kontinent. Nun tourt das Quintett um die beiden Bandleader Jinte Deprez und Maaerten Devoldere mit dem neuen Album „Rats“ (ebenfalls PIAS) durchs Land und mausert sich vom Geheimtipp zum Exporthit.

Rein optisch erinnern sie an die Shout Out Louds: vier Kerle, ein Mädel und gemeinsam könnten auch gut die Fachschaft für Sozialwissenschaften im fortgeschrittenen Semester stellen. Doch sobald sie loslegen, entsteht etwas Eigenes: mal düstere Rockoper („Fifteen Floor“), oder Elektro-Pop („Morning“), mal orchestrale Arrangements („Lion’s Mouth“) oder Tracks mit Bossa-Nova-Elementen („Listen up“). Trotz stilistischen Potpourris – jeder Track ist unverkennbar ein Balthazar Sound. Dafür sorgen 4-Stimmige Harmonien (alle außer Schlagzeuger Christophe Claeys schmettern mit), der großartige Lead-Bass von Simon Casier und Fiedeleinlagen von Patricia Vanneste und Deprez.

Balthazar machen Musik, die so bunt ist wie ihr Publikum. Unter tänzelnden Indie-Duttmädchen mischen sich Metalshirts-tragende Typen, die ihre Mähnen schütteln. Jung und alt zelebrieren Zeilen wie „I felt like shit before, but when I think of my baby leaving, I can’t take this smell no more“ (aus „Blues for Rosann“). Überhaupt ist das Publikum erstaunlich Textsicher, bedenkt man, dass der große Durchbruch, der 2004 gegründeten Band, noch auf sich warten lässt.

Sich selbst vergleichen Balthazar unbescheiden mit Arctic Monkeys, The Streets oder Gorillaz. Stimmlich erinnert die Darbietung hin und wieder an Cake („The Oldest of Sisters“, „The Man Who Owns The Place“) und die schleppenden Beats in „Blues an Rosann“ haben etwas Portishead-mäßiges. Glücklicherweise ist keiner dieser Vergleiche wirklich treffend. Ebenso wenig gibt es eine Erklärung für die zahlreichen biblischen Anspielungen, die sich in die Texte mischen: „When we parted we swore we wouldn’t try to win the heart of the whore of Babylon again“ (aus „Any Suggestions“), „I can walk up the walls, but can’t make water out of wine.“ (aus „I’ll stay here“) oder die Kirchenchor-artige Zugabe „Blood Like Wine“. Vielleicht, neben Zwist zwischen Wallonen und Flamen, Waffeln und Bier, auch etwas typisch Belgisches…



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