So war’s bei den First Steps Awards: Kinder reicher Eltern spielen Hollywood


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Ein verpeilt wirkender Holger Hiller, der sein Leben mit und ohne Palais Schaumburg Revue passieren ließ, war eine der wenigen Popmusik-Referenzen auf den „First Steps Awards“, die gestern Abend am Potsdamer Platz in Berlin vergeben wurden. Regisseurin Janine Jembere (HFBK Hamburg) konnte mit ihrer Biografie „Oben im Eck – Holger Hiller“ die Kategorie Dokumentarfilm zwar nicht gewinnen, blieb aber immerhin eine Ausnahme-Erscheinung des Jahrgangs 2012. Pop im Film bedeutet zwar keineswegs Sturm und Drang und tolle Stoffe, doch seine fast gänzliche Abwesenheit fiel dennoch auf. Wo Laudatoren von Corinna Harfouch bis zu einer nassforsch auftretenden Marketing-Managerin von Mercedes („Inspiriert von der neuen A-Klasse“) das Frische und Mutige der „jungen Leute“ beschworen, wirkte diese Leistungsschau seltsam kraftlos und brav.

Die tantenhafte Gala, die vom Blödelmoderator Joko Winterscheidt ohne jede Seele und Inspiration auf witzisch getrimmt wurde, mag man noch milde verzeihen. Award-Veranstaltungen sind meistens zäh. Doch dass die versammelte Endzwanziger-Jugend sich offenbar nahtlos ins bundesdeutsche Subventions-Filmwesen einreihen will, macht dann doch etwas traurig.

Familienproblem-Sujets, Animationen und allerlei Befindlichkeits-Stoffe waren die Subtrends in den sechs Kategorien. Bei den Kurz- und Animationsfilmen gewann mit „Kellerkind“ ein superdüsterer Zeichentrickfilm mit „Erasurehead“-Atmo. Bei den Werbefilmen galt es als tolle Schlusspointe, dass eine in die Antarktis übertragene Begegnung zwischen Schalke und Bayern mit 16 zu 1 ausgeht. Hoho. Regisseur und Drehbuchautor Robert Thalheim („Netto“ und „Am Ende kommen Touristen“) hielt eine liebedienerische Rede auf die ZDF-Reihe „Das Kleine Fernsehspiel“, die im nächsten Jahr ihren 50sten Geburtstag feiert und die sich nun endgültig als Camelot des Bildungsbürger-Fernsehens fühlen darf.

Natürlich sind die 30 nominierten Kurz- und Langarbeiten nicht DER deutsche Nachwuchsfilm und sicherlich schlummert unter den 2012er-Absolventen das eine ohne andere Großtalent. Doch als Festival der Kreativität (die gebetsmühlenhaft gedroppt wurde), geht der „First Steps Award“ eher nach hinten los. Vielleicht müssen die Organisatoren nur einige der berühmten Stellschrauben drehen, damit das Ganze nicht rüberkommt wie eine Geburtstagsfeier von gutsituierten 27jährigen, die von den Eltern bezahlt und organisiert wird. Und der Papi legt auf.

Der seit 1999 von Bernd Eichinger und Nico Hoffmann ins Leben gerufene Filmpreis zeichnet Abschlussarbeiten von Filmhochschulen und unabhängige Newcomer-Projekte aus.