„Schlimm für Depeche Mode“: Söder liebt „People are People“

Der bayerische Ministerpräsident lippte zu „People Are People“ – Depeche-Mode-Fans reagieren gespalten. Karnevalsscherz oder politisches Statement? Jetzt lesen.

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Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder ist für seine Aktivitäten in den einschlägigen Social-Media-Kanälen bekannt – insbesondere für regelmäßige Wurst-Huldigungen auf Instagram.

Am Dienstag (17. Februar) jedoch wich der CSU-Ministerpräsident von seiner kulinarischen Linie ab und überraschte seine Follower mit einem musikalischen Beitrag: In einem offenbar während eines Fluges aufgenommenen Selfie-Video präsentiert Söder eine lippensynchrone Darbietung des Depeche-Mode-Klassikers „People Are People“.

„An Fasching darf’s auch mal spaßig sein“, schrieb Söder zu dem Clip. „Heute einfach nicht alles zu ernst nehmen. Wünsche einen richtig guten Start in den Tag!“ Das kurze Video zeigt den Politiker gut gelaunt, während im Hintergrund der getragene Synth-Pop-Hit erklingt.

Ein Song mit Botschaft

Die Wahl des Songs sorgte auf diversen DM-Fan-Plattformen für Diskussionen. „People Are People“ erschien 1984 als Single und markierte den kommerziellen Durchbruch von Depeche Mode in Deutschland – es war ihr erster Nummer-eins-Hit hierzulande. Zudem wurde der Titel vom ZDF als Motto-Song für die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles eingesetzt. Inhaltlich ist der Song ein deutlicher Appell für Gleichheit und Toleranz: „So why should it be / You and I should get along so awfully?“ – eine Frage, die sich gegen Ausgrenzung und gesellschaftliche Spaltung richtet.

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Gerade vor diesem Hintergrund bewerteten viele Nutzerinnen und Nutzer Söders musikalische Einlage nicht nur als Karnevalsscherz, sondern auch als politisches Statement – oder zumindest als potenziell widersprüchliche Geste.

Von „Geil DM!“ bis „unschöne Überraschung“

Die Reaktionen in den Kommentarspalten des Forums depechemode.de fielen belustigt bis empört aus. Von enthusiastischen „Geil DM!“ bis hin zu „Schlimm für Depeche Mode“ reichte das Spektrum. Einige User stellten einen direkten Bezug zwischen Songtext und Söders politischem Wirken her. Eine besonders kritische Stimme sprach von einer „unschönen Überraschung“ und verwies auf frühere, als hart empfundene Aussagen Söders während der Corona-Jahre.

Andere Kommentierende zeigten sich irritiert über die Songwahl: „Der hat null Ahnung, was spaßig ist und was nicht. Ich frage mich, wie er ausgerechnet auf dieses Lied kommt…“, heißt es etwa. Wieder andere reagierten deutlich entspannter.

Ein Nutzer merkte an, Söder sei 17 Jahre alt gewesen, als „People Are People“ erschien – möglicherweise also tatsächlich ein Fan der ersten Stunde: „Noch ein DM-Fan, von dem man es wohl nicht erwartet hätte.“ Ein weiterer Kommentar brachte es bayerisch-lakonisch auf den Punkt: „Na wenn’s schee mocht!“

Popkultur als politischer Resonanzraum

Söders Spaß-Aktion über den Wolken zeigt einmal mehr, wie stark popkulturelle Referenzen im politischen Raum mittlerweile polarisieren – insbesondere, wenn sie von Akteuren genutzt werden, deren politische Positionen kontrovers diskutiert werden. Songs wie „People Are People“ sind längst mehr als nostalgische 80er-Hits; sie transportieren klare Botschaften, die im jeweiligen Kontext neu gelesen werden.

Ralf Niemczyk schreibt freiberuflich unter anderem für ROLLING STONE. Weitere Artikel und das Autorenprofil gibt es hier.