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Tanz und Tempel


von

Frida Hyvönen war „zehn oder elf“ und hatte immerhin schon Madonnas „Like A Virgin“ intus, als Patrick Swayze mit all dem ihm gebotenen Charme auch in ihr Leben in der nordschwedischen 4000-Seelen-Gemeinde Randsfors tanzte. „Das war eine große Sache damals“, rekapituliert sie 20 Jahre später. „Wir liebten diesen Film. Und wenn ich jetzt in dem Song schreibe, ,it felt almost like Dirty Dancing“, kann es kaum ein größeres Kompliment geben: Besser kann sich etwas einfach nicht an-fühlen.“

„Dirty Dancing“, so heißt nämlich auch der romantisch gebrochene Song, der ihr zweites Album „Silence Is Wild“ eröffnet, schildert das unverhoffte Wiedersehen mit der gro­ßen, frühen Jugendliebe, die ihr nun als Schornsteinfeger in festen Händen aufs Dach zu steigen hat. Was Hyvönen zum nahe liegenden, gleichwohl hübschen Resümee veranlasst: „I guess you do the dirty now, and I do the dancing…“

Sich selbst hatte sie oben nicht vollständig zitiert, denn eigentlich heißt es viel besser: „It felt almost like ,Dirty Dancing‘ minus the United States.“ Eben dorthin brach die Pianistin und Sängerin am Tag nach unserem Gespräch auf, zu einer kleinen Tour. Es ist bereits Hyvönens vierte US-Visite, da hält sich der Kulturschock inzwischen in Grenzen. Allerdings ist sie gerade noch dabei, „wieder meine Schutzschilder hochzufahren“, die es braucht, um in der sogenannten Zivilisation halbwegs unversehrt durchzukommen, nachdem sie sich zum ersten Mal fast ein Jahr in ein altes Haus auf dem Land zurückgezogen hatte, um die Songs für „Silence Is Wild“ zu schreiben.

„Isolation hört sich gleich so dramatisch an. Ich wollte einfach mal jeden Tag ungestört arbeiten können. Aber es war dann schon eine große Veränderung, vor drei Wochen wieder die ersten Interviews zu geben. Wenn du da draußen länger allein lebst, wirst du sehr offen für alles, auch im Hinblick auf die Arbeit. Du setzt dich ans Klavier oder an den Computer und spürst, dass du einen viel besseren Zugang zu dir hast.“

Offen und dabei nicht wahllos verfügt Hyvönen auch über die musikalischen Möglichkeiten ihrer zwischen Amüsement und Melodrama changierenden Klavierlieder, die schwerlich als Piano-Pop zu fassen sind. Das Klischee der „Scandinavian Blonde“ nimmt sie fast in Honky Tonk-Manier auf die Hörner, eine altmodische Cabaret-Melodie erzählt das nüchterne Abtreibungs-Porträt „December“. Darüber versprüht sie Lust an Sprache, auch deren Mimikry, wenn sie in „Science“ die Gefühlskälte eines Fast-Autisten parodiert, dem sie natürlich den Laufpass ausstellen muss.

Der Song „Dirty Dancing“, konzediert sie, sei „heavily inspired by real events“, darüber hinaus „soll es keine große Rolle spielen, ob es autobiografisch ist oder nicht. Ich will einfach Geschichten erzählen, die unabhängig davon ihr eigenes Leben haben. Was ist schon eine wahre Geschichte? Wenn man sich mal vor Augen führt, wie oft wir uns auch selbst ganz schön was vormachen.“

Wahr ist jedenfalls, dass ihre Karriere schon mindestens zwei veritable Nebeneinträge vorzuweisen hat. So schrieb Hyvönen die Musik für „PUDEL“, eine Dance-Performance der Choreografien Dorte Oleson, die sie bei der Aufführung sogar ein bisschen mittanzen ließ, und nun arbeitet sie an der Musik für die Bonus-CD eines Ausstellungskataloges über die Geschichte und den Alltag thailändischer Frauen im ländlichen Nordschweden, die dort den größten buddhistischen Tempel Nordeuropas bauen (lassen).

Das Thema war schon neu für sie, und doch auch ein bisschen vertraut. „Es gibt auf dem Land in Schweden halt viele einsame Männer – und in Thailand viele Frauen, die da unbedingt wegwollen.“ Klingt nach „Dirty Dancing“. Minus Romantik. Aber die, sagt uns Frida Hyvönen im letzten Song „Why Do You Love Me So Much“, sei ja ohnehin „something slightly out-of-date…“

Jörg Feyer


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