The Hold Steady streamen und reden über ihr neues „weniger hymnisches“ Album „Heaven Is Whenever“


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Sänger und Cheftexter Craig Finn kann eigentlich mit seiner Aussage, das neue Hold Steady-Album werde „weniger hymnisch“ nur gemeint haben, dass es diesmal weniger „Whooo Hooaa!“-Chöre gibt als noch im Vorgänger „Stay Positive“ (Video zum Titelsong siehe unten). Denn schon „The Sweet Part Of The City“, der Opener von „Heaven Is Whenever“ ist nicht weniger als eine Hymne – eben auf „The Sweet Part Of The City“. Finn singt dort: „We were living in / we used to live with it / we didn’t feel a thing / we were in heaven in / the sweet part of the city / the part with the bars and restaurants“ – natürlich ist es wieder dieser Teil der Stadt, in dem sich die Protagisten ihrer Songs vergessen und verlieren, verlieben und verlaufen – und saufen (nicht, weil es sich so schön reimt, sondern weil es stimmt).

Es fällt allerdings auf, dass die Gitarren nicht ganz so breitbeinig vorantreiben wie noch auf dem Vorgänger. Gitarrist Tad Kubler erklärte in diesem Interview recht detailliert die neue Soundvision, die er im Studio entschieden mitgeprägt hat. „Unsere letzten beiden Alben waren, mit jeweils einzwei Songausnahmen, in erster Linie laute Rockalben. Das wollten wir ändern.“

Kubler, der in jüngster Vergangenheit an Filmsoundtracks gearbeitet hat, wollte das dort Gelernte nun auch auf „Heaven Is Whenever“ anwenden. Aus nahe liegendem Grunde: „Craigs Lyrics funktionieren für mich sehr filmisch, so kam mir der Gedanke, dass ich meine Arbeit an Filmen nun auch auf unser Songwriting anwenden könnte.“

Wer vor allem die lauten, oft „springsteenesk“ genannten Gitarren an The Hold Steady schätzt, wird dennoch nicht enttäuscht. Kubler formuliert unübersetzbar so: „I think this is a guitar heavy record. But I would NOT say this is a heavy guitar record.“

Textlich zeigen sich The Hold Steady ebenfalls in gesunder Form. Craig Finn erklärt die lyrischen Themen des Albums: „Die Texte sprechen vom Straucheln und von der Belohnung danach. Es geht darum, auch das Leiden zu umarmen, und es als Teil eines erfüllten, freudvollen Lebens zu sehen.“ Kommt einem bekannt vor. Finn auch: „Ich glaube, es sind einige Charaktere aus vorherigen Platten wieder dabei. Auch dieses Album thematisiert die Höhen und Tiefen, die wir schon immer im Blick hatten.“

Unser Rezensent Rüdiger Knopf meinte in seiner Kritik: „Die zehn Tracks sind ein aufbauendes Gesamtvergnügen mit Muskeln und einer Hymnik und einer Message, die weit weg ist vom stumpfen Mucker-Hedonismus.“

Ob das nun alles so stimmt, kann nun jeder für sich hier hier im Stream überprüfen.

Daniel Koch