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Tote auf Urlaub: Bela B. trifft in „Hotel Bela“ George A. Romero

Das Sympathische an Bela B. Felsenheimer ist seine kindliche Begeisterung. In Lissabon steht er vor einem Hotel und erklärt: „Wir sind in Lissabon, weil George A. Romero in Lissabon ist. Morgen treffen wir ihn!“ Dann sehen wir Szenen von der Vorführung des neuen Romero-Films beim Festival: Als Zombies geschminkte Fans durchqueren das Foyer, jemand hat eine blutig wirkende Fleischattrappe in der Hand, manche stolpern oder gehen absichtlich gebückt, fast alle tragen Schwarz.

Die lebenden Toten sind gekommen, um ihren Erfinder zu ehren: den amerikanischen Regisseur George A. Romero, der 1968 „Night Of The Living Dead“ drehte und von den Anhängern des Genres als Schöpfergott bewundert wird. In dem Kino geht er schnellen Schrittes zum Mikrofon: ein großer Mann mit grauem, zum Zopf gebundenem Haar und großen Ohren, eine khakifarbene Safariweste über rotem Hemd. Er freut sich darüber, dass man in aller Welt seine Filme sieht. Freut sich darüber, dass er zu all diesen Festivals eingeladen wird. Darüber, dass die Jünger ihn erkennen, freut er sich weniger, wie wir später erfahren werden.

Wieder steht Bela vor dem Hotel, das für die Dauer der Dreharbeiten ihm gehört: „Hotel Bela“ heißt die Reihe bei Arte – Bela B. befragt Kulturschaffende, die häufig in Hotels absteigen. Mit Romero erfüllt sich der Schlagzeuger der Ärzte einen Wunsch: Schon die Frankenstein-Fingerpuppe weist darauf hin, dass der Gastgeber den Zombies zärtlich verbunden ist. „Ich freu mich!“ versichert Bela noch einmal, bevor er das Hotel betritt und auf die Stufen verweist, die für Zombies zu Stolperfallen werden können. Dann holt er den Schlüsssel zum Zimmer von Mr. Romero ab. Die Concierge lächelt schon. In dem großzügigen Hotelzimmer entdeckt der Eindringling amerikanische Stecker, einen Zombie-Film auf DVD, ein Sudoku-Heft – und zwei Gummi-Enten. Gerade untersucht er das Bad, da betritt George Romero seinen Raum. Gruselig ist das nicht, aber Bela zeigt sich doch überrascht von der Größe des Mannes, der ihn weit überragt.

Bela hat ein Geschenk mitgebracht: einen Portwein aus dem Jahr 1968, dem Jahr seines Debüt-Films, wie Romero sofort bemerkt. Gleich zündet er sich eine Zigarette an. Nun beginnt ein Dialog über Reisen und Hotelzimmer, aufdringliche Fans und Schokoriegel in der Minibar: Sie haben fast alle aufgegessen, tadelt Bela, und Romero widerspricht: Nein, es war nur ein Riegel drin! „That‘s not much!“

Dann führt Bela auf dem Flachbildschirm das Video des Ärzte-Songs „Junge“ vor, einen kleinen Zombie-Film. „Das Make-up und so ist sehr gut“, lobt Romero. Anschließend muss er anhand von Szenen aus Horrorfilmen erkennen, welche von ihm stammen – das erkennt der Alte sehr schnell. „Meine Zombies laufen nicht“, sagt er einmal. Sie inspizieren das Badezimmer, und Romero sagt, dass er oft das „Do not disturb“-Schild an den Türknauf hängt, denn bei den Film-Symposien lauern immer die Fans im Foyer. Andererseits seien diese Menschen nett und auch ehrlich: Wenn sie den neuen Film nicht mögen, dann sagen sie das.

Im Restaurant liest Bela Zitate vor, und Romero muss erraten, welche von ihm stammen. Die witzigeren schreibt er sich selbst zu – und er hat jedesmal recht. Der Kellner bringt im zeitlupenhaften, gekrümmten Zombie-Modus ein Glas auf dem Tablett und lacht im Zurückgehen. Bela ist begeistert. Romero erzählt, dass seine Filme immer eine Substanz jenseits des Gruseligen haben sollen. Die heutigen Gewaltporno-Schocker begreift er nicht. In seinen Werken gehe es doch immer um den Menschen und wie er ein Problem löse oder nicht löse. Und die Zombies sind ein Problem.

Zurück im Hotelzimmer, bestellt Romero telefonisch einen Gin-Tonic, eine Flasche Weißwein und eine Käseplatte. Wie er „That, too“ sagt und den Hörer auflegt, das allein lohnt diese halbe Stunde Komfort. Als die Zimmerkellnerin mit dem Wägelchen in der Tür steht, versucht Bela vergeblich, sie einen Zombie spielen zu lassen. Die Frau bleibt eisern. „Ich habe ja gesagt, dass Frauen so etwas nicht machen!“ ruft Bela den Filmleuten hinter der Kamera zu. Romero hat es sich behaglich gemacht. „Das war großartig“, sagt er zum Schluss. „Es war mehr als ein Interview.“ Auf dem Gang macht Bela zum letzten Mal seine Zombie-Nummer, nimmt den Papp-Aufsteller mit sich selbst unter den Arm und geht den dunklen Flur hinunter.

Tja. ist das jetzt zu einfach? Es ist so einfach wie „Durch die Nacht mit …“ und ebenso wahrhaftig. Ein Hotelzimmer, ein Fernseher, zwei Menschen, Room Service, Reden. Wenn man George A. Romero noch nie gesehen hat, dann wird man das Bild dieses freundlichen, uneitlen, erfahrenen Mannes nicht vergessen. „Hotel Bela“.  Arte, 31. Oktober, 23.40 Uhr

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