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Unfrieds Urteil: 30 Jahre Tschernobyl – die Katastrophe verändert unsere Welt bis heute

Die Explosion von Block 4 des sowjetrussischen Atomkraftwerks Tschernobyl am 26. April 1986 gehört zu kollektiven Gedächtnis zweier bundesdeutscher Generationen. Der hoch politisierte Teil der einen Generation rechnete sowieso grundsätzlich mit dem Schlimmsten. „Jeder hat es kommen sehen, aber dass es dann tatsächlich kommt, war schon ein Schlag“, sagt Wolfgang Niedecken, Gründer und Sänger von BAP. Die Leute seien „schockgefroren“ gewesen. Er war damals 35, mit BAP auf Tour und besorgte sich über die Grünen die aktuellen Zahlen der Verstrahlung von Böden und Lebensmitteln. Der heutige Grünen-Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter war 15 und maß zuhause in einem Münchner Vorort die Radioaktivität des Regenwassers im Garten. Er erinnert sich noch genau, wie der Zeiger jedes Mal voll ausschlug, egal wie hoch man die Empfindlichkeit auch stellte. Beide, Hofreiter und Niedecken, waren dann ein paar Monate später in Wackersdorf. Der eine protestierte, der andere spielte beim „Anti-WAAhnsinn“-Festival im nahegelegenen Burglengenfeld gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage an. Tschernobyl hatte den Kampf gegen die Atomkraft zur zentralen Bürgerbewegung der alten Bundesrepublik gemacht.

Wackersdorf war auch der historische Höhepunkt der Koalition von Deutschrock und gesellschaftspolitischem Protest. Damals schien das erst der Anfang zu, doch das war ein Irrtum. Den Signature-Song hatte Wolf Maahn geschrieben: „Tschernobyl“ – mit dem unvergessenen Refrain „Heh, heh, stoppt die AKW. Heh!“ Aus meiner Sicht war der zentrale Song aber BAPs Version von Dylans „Like a Rolling Stone“. Wenn man sich das auf youtube ansieht, das Gesicht des jungen Niedecken, den Major und die ganzen Gäste, einschließlich des sturzbetrunkenen Kevin Coyne, der Kameraschwenk über die 120.000 – da scheint Pathos auf, Freude, Leidenschaft und der Glaube an die Kraft der Verknüpfung von gesellschaftspolitischem Engagement und Rock’n’Roll. Letztlich sogar noch der 60er-Jahre-Spirit, dass in dieser Welt noch mehr geht und man das irgendwie gemeinsam hinkriegt. (Das bilde ich mir jedenfalls ein.)

Naja, hinter der Bühne verkrachten sich die Bands wegen der Buchstabengröße auf den Plakaten.

Tschernobyl strahlt in unsere Gegenwart

Jetzt könnte man denken, 30 Jahre Tschernobyl sei ein nostalgisches Jubiläum angesichts des Atomausstieges nach der Dreifach-Kernschmelze von Fukushima 2011. Faktisch gibt es keinen vollzogenen Atomausstieg. Die AKW brummen auch in Deutschland immer noch und die letzten zumindest bis 2022. Sie brummen in der EU, manche davon womöglich aus dem letzten Loch. Sie brummen wieder in Japan. Weltweit sind um die 440 AKW am Netz.



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