Jetzt hat Trump eine ölreiche Nation unter Kontrolle – FAQ zu Venezuela

Die USA haben Venezuelas Präsident Nicolás Maduro festgenommen. Hintergründe, Ablauf, Anklagen und internationale Reaktionen im Überblick.

ROLLING STONE Badge
Empfehlungen der Redaktion

In den frühen Morgenstunden des Samstags verkündete US-Präsident Donald Trump, dass US-Streitkräfte einen „groß angelegten Angriff gegen Venezuela und dessen Anführer, Präsident Nicolás Maduro“, durchgeführt hätten. Dabei seien Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores in einer nicht gerade verdeckten Operation festgenommen worden, bei der US-Munition über Caracas, die Hauptstadt Venezuelas, niedergegangen sei.

Trumps Ankündigung folgte eine Erklärung von Justizministerin Pam Bondi, wonach Maduro „bald die volle Härte der amerikanischen Justiz auf amerikanischem Boden vor amerikanischen Gerichten zu spüren bekommen wird“.

Grundlage seien neu erhobene Anklagen im Zusammenhang mit einer „Narco-Terrorismus-Verschwörung“.

Festnahme mit globalen Folgen

Die Vereinigten Staaten haben seit Jahrzehnten keinen ausländischen Staatschef mehr auf so direkte Weise entmachtet. Entsprechend wurden sofort Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit eines solchen Vorgehens gegen einen souveränen Staat laut. Details zur Operation und ihrer Rechtfertigung bleiben unklar, doch die Aktion dürfte erhebliche Auswirkungen auf die Region und die Welt haben. Das ist bisher bekannt.

Wer ist Nicolás Maduro?

Nicolás Maduro ist seit 2013 Präsident Venezuelas, nachdem er zuvor als Vizepräsident unter Hugo Chávez gedient hatte. Seine Amtszeit an der Spitze des ölreichen Landes ist geprägt von wirtschaftlichem Zusammenbruch, Menschenrechtsverletzungen und illegitimen Wahlen. Die Vereinigten Staaten klagten ihn 2020 während der ersten Trump-Regierung wegen Korruption und Narco-Terrorismus an. Am Samstag erhob die zweite Trump-Regierung weitere Anklagen, nachdem US-Streitkräfte Venezuela angegriffen und Maduro festgenommen hatten.

Umstrittene Präsidentschaft

Im Jahr 2025 begann Maduro trotz glaubwürdiger Beweise, dass er die Wahl 2024 deutlich gegen den Oppositionskandidaten Edmundo González verloren hatte, seine dritte sechsjährige Amtszeit. González war ein Ersatzkandidat für María Corina Machado, eine populäre Oppositionsführerin, der die Kandidatur gegen Maduro untersagt worden war.

Was genau geschah in Caracas?

Nach wochenlangen eskalierenden Militäroperationen und tödlichen US-Luftangriffen auf kleinere Schiffe in der Karibik, die laut Trump-Regierung Drogentransporte durchgeführt hätten, griffen die USA am Samstag die venezolanische Hauptstadt an. An dem Einsatz war unter anderem eine Einheit der Delta Force beteiligt.

Militärische Ziele im Visier

Ein Sprecher der venezolanischen Regierung bestätigte gegenüber mehreren Medien, dass mindestens vier strategische Ziele durch US-Luftangriffe getroffen worden seien, darunter Fort Tiuna, der wichtigste Militärstützpunkt in Caracas, sowie der Hafen La Guaira.

In einem Interview mit Fox News erklärte Trump am Sonntag, er habe die Angriffe von seiner Residenz Mar-a-Lago aus verfolgt. Dort habe er die Feiertage verbracht. Das venezolanische Präsidentenpaar sei in einem „stark bewachten“ Komplex festgenommen worden. „Es war eigentlich wie eine Festung“, sagte er. Ursprünglich habe die Operation an Weihnachten stattfinden sollen, sei aber wegen schlechten Wetters verschoben worden.

Ablauf der Festnahme

Laut CNN-Quellen schliefen Maduro und seine Frau zum Zeitpunkt der Festnahme und seien von US-Spezialeinheiten aus ihrem Schlafzimmer gezerrt worden. Trump sagte, das Paar sei per Hubschrauber zur USS Iwo Jima gebracht worden, die sie nach New York transportieren werde. Dort seien die neuen Anklagen gegen Maduro und Flores erhoben worden.

Gab es Opfer?

Trump erklärte gegenüber Fox News, es habe „einige Verletzte, aber keine Toten auf unserer Seite“ gegeben.

„Ich glaube, wir hatten niemanden, der getötet wurde. Ein paar Männer wurden getroffen, aber sie kamen zurück und sollen in ziemlich guter Verfassung sein“, sagte er. „Wir haben kein Fluggerät verloren. Alles kam zurück. Einer der Hubschrauber wurde ziemlich hart getroffen, aber wir haben ihn zurückgebracht.“

Unklare Opferzahlen

Der venezolanische Generalstaatsanwalt Tarek William Saab erklärte in einem Fernsehauftritt, dass „unschuldige Opfer tödlich verwundet und andere bei diesem kriminellen terroristischen Angriff getötet wurden“. Konkrete Zahlen nannte er jedoch nicht.

In einer Pressekonferenz am Samstag sagte Trump, der Angriff sei „tödlich“ gewesen.

Welche Anklagen gibt es gegen Maduro und Flores?

2020 war Maduro zusammen mit mehr als einem Dutzend weiterer venezolanischer Regierungsvertreter wegen mutmaßlicher Beteiligung an einer „korrupten und gewalttätigen Narco-Terrorismus-Verschwörung zwischen dem venezolanischen Kartell de los Soles und den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia (FARC)“ angeklagt worden.

Erweiterte Anklage

Zu den Vorwürfen gegen Maduro gehörten Narco-Terrorismus-Verschwörung, Verschwörung zur Einfuhr von Kokain, Besitz von Maschinengewehren und Sprengvorrichtungen sowie entsprechende Verschwörungen. Am Samstag machte Bondi eine ergänzende Anklageschrift öffentlich, die auch die venezolanische First Lady einbezieht.

Hat die USA die Befugnis dazu?

Die Festnahme Maduros löste sofort Zweifel an ihrer Vereinbarkeit mit internationalem Recht aus. Zwar wünschen auch andere Regierungen Maduros Absetzung, doch ein direktes militärisches Eingreifen zur Entmachtung durch US-Soldaten stellt offenbar einen klaren Verstoß gegen die Souveränität Venezuelas dar.

Kritik aus dem Kongress

Mehrere Kongressmitglieder erklärten, sie seien im Vorfeld nicht über die Operation informiert worden. Zudem habe die Trump-Regierung keine verfassungsrechtlich erforderliche Zustimmung des Kongresses für ihre inzwischen monatelange Militärkampagne gegen Venezuela eingeholt.

Senator Andy Kim schrieb, Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsminister Pete Hegseth hätten dem Senat versichert, es gehe nicht um einen Regimewechsel. „Ich habe ihnen damals nicht vertraut, und jetzt sehen wir, dass sie den Kongress dreist angelogen haben“, so Kim.

Internationale Reaktionen

Die Vereinten Nationen erklärten am Samstag, diese Entwicklungen stellten „unabhängig von der Situation in Venezuela einen gefährlichen Präzedenzfall dar“. Der Generalsekretär betone die Bedeutung der vollständigen Achtung des internationalen Rechts und der UN-Charta und sei zutiefst besorgt.

Was behauptet die Trump-Regierung?

Die USA erkennen Maduros Regierung seit 2019 nicht mehr an, als die erste Trump-Regierung den Oppositionspolitiker Juan Guaidó als legitimen Präsidenten unterstützte.

Rechtfertigung Washingtons

Auf dieser Grundlage argumentiert die Trump-Regierung, die Festnahme Maduros stelle keinen Verstoß gegen die venezolanische Souveränität dar, da es sich nicht um eine anerkannte Regierung handle. Außenminister Rubio teilte erneut einen früheren Beitrag, in dem er schrieb, Maduro sei nicht der Präsident Venezuelas und sein Regime nicht legitim.

Die US-Regierung nutzt seit Monaten Vorwürfe des Narco-Terrorismus zur Rechtfertigung ihres militärischen Vorgehens, insbesondere im Zusammenhang mit dem Tren-de-Aragua-Kartell. Ein Bericht des National Intelligence Council aus dem Jahr 2025 kam jedoch zu dem Schluss, dass das Maduro-Regime wahrscheinlich keine Politik der Zusammenarbeit mit diesem Kartell verfolge.

Strategische Ausrichtung

Ungeachtet dessen setzt die Trump-Regierung auf eine interventionistische Politik in Amerika. Laut Nationaler Sicherheitsstrategie 2025 will sie die Monroe-Doktrin erneut durchsetzen und amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre sichern. Trump sprach am Samstag von der „Don-roe-Doktrin“.

Wer übernimmt in Venezuela?

Das ist unklar.

Trump wollte auf Fox News María Corina Machado nicht ausdrücklich unterstützen, obwohl sie im vergangenen Jahr den Friedensnobelpreis erhielt. Er erklärte, seine Regierung werde Venezuela vorerst selbst „führen“, bis ein „sicherer, ordentlicher und vernünftiger Übergang“ möglich sei. Dabei sollen große US-Ölkonzerne eingebunden werden.

Ungewisse Zukunft

Die Mehrheit von Maduros engstem Machtzirkel ist weiterhin im Amt. Es ist offen, ob die Opposition genügend institutionelle Unterstützung mobilisieren kann, um die Regierung vollständig aufzulösen, und welche Rolle die USA dabei spielen werden.

Nikki McCann Ramirez schreibt für den ROLLING STONE USA. Hier geht es zum US-Profil