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Vinyl 2017: Warum Schallplatten immer begehrter werden, aber das den unabhängigen Händlern schadet

Seinerzeit, als die Compact Disc noch reißenden Absatz fand, beherrschten Megastores den Tonträgermarkt in den Metropolen. Nur mühsam konnten sich kleine Fachgeschäfte über Wasser halten, wenn überhaupt. Auch in der Provinz verschwanden alteingesessene Plattenläden, chancenlos im Verdrängungswettbewerb mit dem Versandhandel. Das sei eben der Lauf der Zeit, beschwichtigten die Fortschrittsgläubigen, derweil die Feuilletons das Plattenladensterben beklagten. Zehn Jahre zuvor hatte man dort den Tod der Schallplatte betrauert, zehn Jahre danach wird nun deren Wiederkunft gefeiert.

Aber natürlich war die Schallplatte nie tot, sie führte ihr Leben bloß eher im Verborgenen. Leidenschaftliche Liebhaber wussten sie aufzutreiben, mussten dafür freilich mehr Zeit, Geld und Mühe aufbringen als früher. Und viele Plattenläden überlebten, weil sie an der Vinylplatte festhielten und dafür zwar mit einer kleineren Klientel vorliebnehmen mussten – allerdings mit einer, die weit mehr für Musik auszugeben bereit ist als der durchschnittliche Schnäppchenjäger.

Vor allem letztgenannten Läden wird heute publizistisch gehuldigt. Ein gutes Dutzend Bücher ist in den vergangenen Jahren erschienen, darunter opulent ausgestattete Coffeetable-Schwarten, die den merkantilen Aspekt oft nur streifen und sich stattdessen mit Fragen von Moral, Ästhetik und soziologischem Kontext befassen.

Kooperation

Da hebt ein Raunen an über Subkultur und Subversion, da mutiert so mancher Plattenladen zum mythischen Ort, zum Musiktempel. Nick Hornbys „High Fidelity“ lässt fortwährend grüßen, berühmte Zeitgenossen wissen noch genau, wie wichtig, ja überlebenswichtig dieser oder jener Laden für sie war. Mit Hochglanzfotos der Sehnsuchtsorte wird gewuchert, Kuriositätenkabinette voller eingestaubter Grabbelkisten sind dabei, aber auch liebevoll und kennerhaft dekorierte Verkaufsräume voller Preziosen. Ohne Schallplatten wäre das Leben ein Irrtum, würde Nietzsche wohl sagen, hätte er hundert Jahre später gelebt. Paul McCartney sagt: „There’s nothing as glamorous to me as a record store.“

Schlicht: „Vinyls“

Der neue Vinylboom hat inzwischen das Plattenladenwesen umgekrempelt. Ungeachtet massenhafter Nutzung von Streamingdiensten steigt die Vinylnachfrage stetig und kann dank der Entwicklung neuer Pressmaschinen nun auch bedient werden. Engpässe bei der Produktion, etwa vor dem Record Store Day, wird es seltener geben, die Überlastung der Presswerke kann keine Ausrede für lausige Pressungen mehr sein. Das wird die Kundschaft freuen, die älteren Semester, die noch wissen, dass Vinyl nur das Material ist, aus dem Schallplatten gemacht werden, wie die jugendlichen Novizen, gern als Hipster geschmäht, die schlicht „Vinyls“ kaufen. So oder so eine goldene Zeit für Plattenläden, richtig?

Falsch. Denn was sich auch geändert hat, sind die Vertriebswege. Konnte sich der Kaufmann früher bequem bei ein paar Großhändlern und Importeuren eindecken, muss er heute immer öfter „haben wir nicht und kriegen wir auch nicht rein“ antworten, wenn der Kunde eine bestimmte Platte kaufen möchte. Ein wachsender Anteil aktueller Veröffentlichungen ist nur direkt beim Label oder beim Künstler zu haben, über Bandcamp oder am Merch-Stand bei Gigs. Hinzu kommt, dass der Umschlag binnen kürzester Zeit erfolgt, aufgrund streng limitierter Pressungen.

Die aufregendsten Bands in jüngerer Zeit – Fronteers, Shame, Goat Girl und Drahla – haben zusammen ein Dutzend brillanter Platten herausgebracht, ausschließlich Singles und EPs, von denen keine im Fachhandel bestellbar war. Frustrierender als für den Fan, der sich auf einschlägige Internetangebote verwiesen sieht, ist das allemal für den Betreiber eines Plattenladens. Es entzieht ihm tendenziell die Grundlage für sein doch so lange bewährtes Geschäftsmodell. Vom steigenden Vinylumsatz bleibt beim stationären Handel absurderweise immer weniger hängen.

Nüchterne Krämerseelen wird das nicht schrecken, sie richten ihren Warenbestand einfach neu aus, etwa an den Bedürfnissen solventer Audiophiler, die nicht murren, wenn eine LP 50 Euro kostet. Oder sie wechseln ins Wiederverwertungsfach und werden Dealer für Secondhand-Ware. Das ist krisenfest, indes ohne jede Aussicht auf pulsbeschleunigende Neuentdeckungen im Hier und Jetzt. Ein Dilemma, das manch gestandenen Händler entnervt das Handtuch werfen lässt, wie aktuell Mr. Dead & Mrs. Free in Berlin. Traurig.


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