XXL-Bildband „Arnold“: Ein Mann als Superlativ

Ein spektakuläres Buch zeigt den „Terminator“ in allen Facetten. Das ist erstaunlich ironiefrei, wären da nicht die Schnappschüsse aus einer Zeit, in der Arnold Schwarzenegger noch nicht Mr. Universum und Everybody's Arnie war.

Gibt es Arnold Schwarzenegger wirklich oder ist er nur eine Erfindung? Die Vita des in der Steiermark geborenen und als Mr. Universum weltberühmt gewordenen Self-Made Man liest sich manchmal so, als wäre er kein Mensch, sondern eine literarische Figur. Fast zu perfekt verkörpert er als formvollendeter Muskelmann, der sein Glück in den Staaten macht, den Amerikanischen Traum. Also vielleicht doch eher eine Comicfigur?

Mehr zum Thema
Die zehn besten Filme von Arnold Schwarzenegger

Als Bodybuilder und Mister Olympia definiert er ein manchmal gar außerirdisches Männlichkeitsideal. Die Rolle des „Terminators“ ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Den Hollywood-Actionfilm und vor allem die turbulente, sinnfreie Action-Komödie definiert Schwarzenegger in den 80er Jahren, inzwischen längst eingebürgert in den USA, wie kein anderer. Er heiratet sogar eine echte Kennedy und wird als Ehemann einer Musterdemokratin republikanischer Gouverneur in Kalifornien. Wenn es nach den „Simpsons“ gegangen wäre, hätte er sogar das Zeug zum Präsidenten gehabt.

Im Konzert der Großen: Muhammed Ali und Arnold Schwarzenegger

Großes Ego, große Aura

Soweit kam es nicht, und Anfang der 70er, als Schwarzenegger in den USA gerade Fuß fassen wollte, hätten auch mehrere Schicksalsschläge sein Leben in eine völlig andere Richtung drehen können: 1971 kam sein Bruder Meinhard bei einem Autounfall ums Leben, im darauffolgenden Jahr erlag sein Vater in Österreich einem Schlaganfall. Aber Arnie – der ganz sicher einer der berühmtesten Einwanderer des Landes ist – hat durchgehalten, hat seinen eigenen Weg in Amerika gefunden. Dabei ist er oft genug belächelt worden. Vielleicht ist diese eher beiläufige, wahrscheinlich ungewollt erzeugte, aber eben charmante Überstrapazierung des eigenen Egos, die allen seinen Auftritten, nicht nur im Film anhaftet, sein Erfolgsmittel. Sie geht jedenfalls über seinen Austro-Akzent weit hinaus.

Womöglich ist es aber auch einfach eine Form der Aura, die ihm in die Wiege gelegt wurde. Ein Schimmern, das einst alle seine Kraftprotz-Darstellungen begleitete und auch bei jedem Foto-Shooting seiner Karriere aufschien. Eine Netflix-Reihe und vor allem ein XXL-Bildband aus dem Taschen-Verlag unter dem simplen, aber eben alles auf den Punkt bringenden Namen „Arnold“ zeigen, dass sich Schwarzenegger inzwischen auf einer noch einmal neuen Stufe des Arnieseins befindet.

Nun geht es um die Rekapitulation, um Denkmalpflege. Schaut her, hinter dem Alleskönner steckt auch ein Mensch. Aber eben einer, der nur Superlative zulassen mag. Für Selbstironie ist da nicht mehr all zu viel Platz. Die Porträts von all den großen der Fotografenzunft – Richard Avedon, Annie Leibovitz, Robert Mapplethorpe, Herb Ritts, Francesco Scavullo und Andy Warhol – liefern das Erwartbare. Sie zeigen einen Mann, der für Rekorde gemacht ist, der immer ein Lächeln zulässt. Einen Charismatiker. Einen Bühnenmenschen.

Mehr zum Thema
Annie Leibovitz: Die Ikonographin der Pop-Moderne

Über zehn Jahre entstand diese zweibändige Luxusausgabe, sie präsentiert Schwarzenegger als „Athelete“, „Actor“, „American“ und „Activist“, wobei die Reihenfolge zufällig angeordnet sein mag, aber doch den Kern trifft. Das ist Heiligenverehrung, und Filmstills und Making-Of-Aufnahmen, die dem Buch ebenso reichlich angefügt sind wie Interviews und einordnende Texte von Bekannten und Freunden, würden allein nicht den Aufwand rechtfertigen. Womöglich auch nicht den Preis („Arnold“ erscheint zunächst in einer Edition von 1947 Exemplaren für 1250 Euro, die Collector’s Edition wurde von Schwarzenegger signiert; das Buch wurde bei einer Luxusgala in Los Angeles präsentiert).

Arnold Schwarzenegger mit Verleger Benedikt Taschen und Charlotte Taschen

Dafür gibt es noch Fotos aus dem Familienarchiv, und die machen hier selbstverständlich den größten Reiz aus. Zu sehen ist der kernige, aber fast mittellose Bub aus dem Dorf Thal, der schon einen Plan zu haben scheint, wie er es allen zeigt. Nie ist auch nur ein Jota Selbstzweifel in diesen Fotografien zu erkennen.

Arnold Schwarzenegger in jungen Jahren, bereit die Welt zu erobern

Wie von selbst platziert sich Schwarzenegger, der dem Anschein nach sehr viel Herzblut in dieses Projekt investierte (die Autobiographie „Total Recall. Die wahre Geschichte meines Lebens“ stand vor etwas mehr als zehn Jahren noch unter dem Eindruck der Affäre mit seiner Haushälterin, die ihm auch ein Kind gebar und seine Ehe ruinierte), zwischen ähnliche Buch-Monolithen über Muhammed Ali, Annie Leibovitz, Ken Adam und Helmut Newton.

Arnie, der Gigant. Arnie, der Unbesiegbare.

Taschen
Stefanie Keenan Getty Images for Academy Museum
Taschen
Abonniere unseren Newsletter
Verpasse keine Updates