111 Songs: Der Plan – „Da vorne steht ’ne Ampel“


von

Den Hit in den deutschen Single-Charts mussten sie ihrem Labelkollegen und -zögling Andreas Dorau und dessen „Fred vom Jupiter“ überlassen. Der Plan verdiente sich niemals eine goldene Nase. Dafür taucht der Bandname in allen Geschichtsbüchern der Neuen Deutschen Welle gefettet auf. Noch bevor diese Fetenhits-Charakter annahm, hatten Moritz Reichelt, Kai Horn, Kurt Dahlke und Frank Fenstermacher in den frühen Achtzigern Musik „Made in Germany“ wieder eine eigene Identität verliehen, bauten elektronische Klänge, Melodien und Texte, die Kinderliedern ähneln, zu einem Markenzeichen auf. Als einflussreich erwiesen sie sich aber auch auf internationaler Ebene: Querverbindungen hörte man in Großbritannien, wo Synthie-Pop die Charts zu beherrschen begann – später bei neuer französischer Popmusik und schließlich beim Easy-Listening-Revival und bei Exotica.

Warum nicht mal bei Rot gehn? Nachdem die Avantgardisten aus der seinerzeit rührigen Düsseldorfer Szene um die Fehlfarben, D.A.F. und den Underground-Club Ratinger Hof zunächst herumexperimentiert und ihre musikalischen Eckpunkte austaxiert hatten, leitete die Ende 1980 veröffentlichte Single „Da vorne steht ’ne Ampel“ eine Kehrtwendung zu eingängigem Material und Schlagern mit dadaistischer Färbung ein. Der Plan zog alle Fäden selbst: Man hatte das eigene Label Ata Tak gegründet und lehnte alle Vertragsangebote von größeren Plattenfirmen ab. Lediglich für diese Single, die man heute noch neben Songs von Nena, Spliff und der Spider Murphy Gang auf deutschsprachigen Samplern findet, und für „ Gummitwist“ wurden Kooperationen mit Teldec bzw. WEA eingegangen. 

Nachlesen kann man die wechselhafte Geschichte des Trios in Moritz Reichelts Erinnerungen „Der Plan. Glanz und Elend der Neuen Deutschen Welle“. 2004 meldete sich Der Plan mit dem Album „Die Verschwörung“ zurück.