111 Songs: Hildegard Knef – „Eins und eins, das macht zwei“


von

Bescheidwisser oder Musikwissenschaftler sagen gern: „Die Knef konnte gar nicht singen!“ Stimmt, gemessen an, sagen wir mal: Maria Callas, hat die Knef kein einziges ihrer Lieder richtig gesungen. Sie hat sie vielmehr gelebt, so wie sie ihre Rollen als Schauspielerin gelebt hat, so wie sie bis zum Schluss ihre Rolle als Diva eines längst untergegangenen Deutschlands verkörpert hat. Das unterscheidet sie von heutigen Streber-Stars wie Helene Fischer, die sich alles akribisch antrainieren, hinter deren perfekter Fassade man jedoch stets ein großes, kaltes Nichts befürchtet. Als veritable Marlene-Dietrich-Nachfolgerin bestritt sie ihre Karriere hauptsächlich mit Charakter – inklusive aller Schattenseiten.

In Hollywood trotz kurzer Ehe mit einem amerikanischen Schauspiel-Agenten gescheitert, kehrte sie Anfang der Fünfziger nach Deutschland zurück und versuchte sich ab 1955 auch als Chanson- und Jazz-Interpretin. Doch im Gegensatz zu heutigen Künstlern, bei denen Parfüm- und Klamotten-Kollektionen neben der Sängerlaufbahn mit zum Komplett-Paket gehören, machte die Knef ernst, suchte sich kongeniale Komponisten und Arrangeure wie Gert Wilden und Hans Hammerschmid, die sich musikalisch an französischen, italienischen und amerikanischen Maßstäben orientierten. So entstanden Sehnsuchtsmelodien voller Grandezza, Schwermut und Glanz, zu denen die Knef im Prinzip nur noch ihre leidgeprüften, todtraurigen Augen aufschlagen musste. In „Eins und eins, das macht zwei“ wechseln sich Melancholie und energischer Optimismus ab, Streicher-Wellen und schiefe Karnevalsmärsche. Und die Knef lässt uns an ihren Überzeugungen zum Thema Zweisamkeit teilhaben: „Eins und eins, das macht zwei/ Drum küss und denk nicht dabei/ Denn denken schadet der Illusion.“ Wird bitter: „Der Mensch an sich ist feige/ Und schämt sich für sein Gefühl.“ Kennt der Weisheit letzten Schluss: „Eins und eins, das macht zwei/ Drum küss und lächle dabei/ Wenn dir auch manchmal zum Heulen ist.“