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30 Jahre “Aliens”: Zu gut, um nur eine Fortsetzung zu sein

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30 Jahre “Aliens”: Zu gut, um nur eine Fortsetzung zu sein

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Auf dem Papier las sich „Aliens“ so, als hätten die prätentiösen Mockumentary-Metaller von Spinal Tap beschlossen ins Filmfach zu wechseln – und den Gitarren-Verstärker wieder mal auf elf zu drehen, wo doch eigentlich zehn das Maximum ist. „Aliens“, das war auf den ersten Blick: Militär statt Arbeiter, Maschinengewehre statt Stethoskope, und Aliens, viele viele böse Aliens – statt nur eines, wie im ersten Teil von 1979.

Regisseur James Cameron, damals 32, soll den Produzenten bei der Projektvorstellung gesagt haben: „Aliens statt Alien. Stellen Sie sich das ‚s’ einfach als Dollarzeichen vor.“ Und wie Recht er behalten sollte: „Aliens“ erzielte mit 85 Millionen Dollar die siebthöchsten Einnahmen des Jahres, beeindruckend damals für einen Horror-Film.

Wer heute durch die beliebten Listen der „besten Fortsetzungen aller Zeiten“ blättert, oder gar „Fortsetzungen, die besser sind als das Original“, entdeckt „Aliens“ ebenso häufig wie „Der Pate 2“, „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück“, „Star Trek 2: Der Zorn des Khan“, „The Dark Knight“, „Toys 2“ oder Camerons eigener „Terminator“-Fortsetzung.

Die Darsteller müssen knallen, nicht die Effekte

„Aliens“ bot mehr als ein immer höher, immer weiter, ein immer mehr, wie es von heutigen Sequels verlangt wird, von denen die meisten eben alles falsch machen. Weil es eben nicht nur darum gehen darf, dass das Effekt-Spektakel mehr knallt, um den Zuschauer ein zweites Mal zu fesseln. Denn wie bindet man den Zuschauer ein weiteres Mal? Vereinfacht gesagt: Indem man die Figuren selbst, nicht die Effekte, zu einem Spektakel macht, das noch mehr knallt.

Natürlich nicht nur, indem wir von der „Alien“-Überlebenden Ripley (Sigourney Weaver) den Vornamen erfahren (Ellen). Wir lernen sie im zweiten Teil überhaupt erst kennen. Planungssicherheit, Zielstrebigkeit und ein gesunder Sinn für Vorschrift, so stellte sich Lieutenant Ripley im Kampf gegen den ersten Außerirdischen (“Alien” von 1979)  dar, den ihre Crew ungewollt mit an Bord ihres Frachters nahm. Am Ende ist Ripley nicht nur die einzige Überlebende der Alien-Attacke, ihr gelingt es auch das Vieh raus in den Weltraum zu blasen. Was sie antrieb, warum sie so effektiv sein kann, für wen sie sich ins Zeug legte, das blieb unklar. Dass sie sich für Schutzbedürftige einsetzt, deutete ihr liebevoller Umgang mit dem Kater Jonesy an, für den sie ihr Leben riskiert.

In der Fortsetzung „Aliens“ wird Ripley nach 57 Jahren Tiefschlaf aus der Rettungskapsel geborgen. Das größte Opfer, das sie im Kampf gegen den Außerirdischen bringen musste: Ihre kleine Tochter hat sie nie wieder gesehen, sie ist mittlerweile an Altersschwäche gestorben (in einer herzergreifenden, nur in der Extended Version enthaltenen Szene sieht Ripley ein Foto der alt gewordenen jungen Frau).

Muttergefühle sind stark

Später wird der Ex-Lieutenant hunderte Aliens – und die Königin der Aliens – besiegen, weil sie ihr neues Kind beschützen will. Sie findet die elfjährige Newt (Carrie Henn), die einzige Überlebende vom Planeten LV-426, den die Monster überrannt haben. Ripley kämpft um ihre neue Tochter, so wie die Alien-Königin um ihre Nachkommen kämpft.

Heutige Kritiker sehen in dieser Kraftmobilisierung eine sexistische Idee, weil sie vor allem eng mit Muttergefühlen verbunden zu sein scheint. Aber das ist Quatsch. In „Aliens“ geht es schlicht darum, dass man sich von Biestern nicht mehr fertig machen lässt, sobald ein Instinkt erwacht, den jeder Mensch in sich trägt. „Get Away From Her You Bitch“ ruft Ripley der Königin entgegen, um ihre neue Tochter zu beschützen, das Zitat ist in die Kinogeschichte eingegangen. Weil es auf den Punkt brachte, dass hier zwei Mütter ihren Kampf untereinander austragen.

Völlig zu Recht erhielt Sigourney Weaver als erste Frau überhaupt (bei Männern gab es das bis heute nicht) für ihre erneute Darstellung einer Figur erstmals eine Oscar-Nominierung. Und Ellen Ripley wurde die erste potente Heldin des Horrofilms.

Die aufgeblasenen Marines

Es ist nicht eindeutig, ob Regisseur James Cameron mit „Aliens“ das Militär, seine Soldaten mit den dicken Zigarren und den Sprüchen, karikieren wollte. Allerdings zeigt er, wie machtlos Männer und Frauen mit den dicken Kanonen sind, sobald die Außerirdischen angreifen. Sie werden fast alle getötet, und das in nur zwei raschen Attacken. Ripley, eigentlich als Beraterin im Team, übernimmt schnell die Führung, packt den planlosen Chef der Mission, Lieutenant Gorman (William Hope), immer wieder am Kragen.

“Vergleiche mit dem Vietnamkrieg”, sagte Cameron, “sind passend. Auch hier erleben wir eine technisch höher entwickelte Militärmacht, die es nach dem Eindringen in fremdes Terrain mit einem asymmetrisch verteilten, versteckten Gegner zu tun bekommt.”

Das Soldaten-Ensemble ist großartig, die Darsteller wirken so, als hätten sie zur Vorbereitung ein gemeinsames Bootcamp durchstanden. Cameron-Freund Michael Biehn (Corporal Hicks) ist immer eine sichere Bank, aber es sind die drei Nebendarsteller Bishop (Lance Henricksen), Private Hudson (Bill „It’s over man, Game over!“ Paxton) sowie Private Vasquez (Jenette Goldstein), die am stärksten glänzen.

Vasquez (Jenette Goldstein) und Hudson (Bill Paxton)
Vasquez (Jenette Goldstein) und Hudson (Bill Paxton)
Bishop (Lance Henricksen)
Bishop (Lance Henricksen)

Frische Gesichter. In Teil eins hingegen, „Alien“, dachte man bei John Hurts Figur des Kane eben immer auch an den Schauspieler John Hurt. Henricksen, Paxton und Goldstein traten in “Aliens” derart vertraut, aber unverbraucht miteinander auf, dass Camerons damalige Partnerin Kathryn Bigelow weiteres Potential sah und das Trio gleich für ihren Vampirfilm „Near Dark“ (1987) engagierte.

57 Jahre waren seit „Alien“ vergangen, Ripley muss in der neuen Welt erst einmal ankommen, die Marines bringen sich in Stellung, und wir lernen die neuen Charaktere kennen. „Aliens“ gönnt sich einen Anlauf, wie es ihn bis heute im Kino nicht mehr gegeben hat. Von den 137 Minuten Spieldauer vergeht fast die Hälfte, bevor wir das erste Alien sehen – eine riskante Dramaturgie, gemessen an einem Monster, deren Aussehen man schon kannte, man daher nicht wissen konnte, ob es einen noch überrascht. Danach bricht jenes grandiose Inferno los, das die Unterscheidung zwischen „Alien“ als Horrorfilm und „Aliens“ als Action-Film erleichterte.

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James Cameron ist der Meister der aufeinander aufbauenden Action-Szenen, mit schnellen, auch die Handlung vorantreibenden Ortswechseln, in denen das Spektakel stets eine weitere Eskalationsstufe erreicht. Action nach dem Prinzip umfallender Domino-Steine. Auf den Alien-Angriff durch den Lüftungsschacht folgt die Flucht Ripleys und Co, dann startet die Rettungsmission für Newt, am Ende steht der Kampf zwischen Alien-Königin und Frau im Transport-Roboter. Alles in atemberaubenden 45 Minuten.

„Aliens“ würde danach Messlatte für das Adrenalin-Kino sein. Fünf Jahre lang, bis Cameron mit seinem „Terminator 2: Judgment Day“ wieder einmal das Genre revolutionierte.

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