WM 2026: Alles zu Anstoßzeiten, Format und TV-Übertragung

Die WM 2026 bringt 48 Nationen, neue Anstoßzeiten und ein überarbeitetes Format. Wer überträgt die Spiele – und was ändert sich für deutsche Fans?

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Kramt die Farbstifte aus dem Keller und stellt die Kästen kalt, denn es ist Zeit für die WM. Deutschland gewinnt das erste Vorbereitungsspiel mit 4:0 gegen Finnland, und Deniz Undav performt so gut, dass selbst Nagelsmann es nicht mehr leugnen kann. Es riecht nach einem famosen Sommer – einem Sommer, in dem „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani und die Sportfreunde Stiller wieder einmal ihre zweite Renaissance erleben. Einem Sommer der Fanfeste wie die Fanmeile am Brandenburger Tor und … Moment. Stand 2. Juni sind es noch 9 Tage bis zur WM, und weder wurden Bühnen aufgebaut noch Versammlungen angekündigt. Die Fanmeile vor dem Brandenburger Tor wurde abgesagt und alle reden von Boykott. Was erwartet uns also bei der WM? Warum fühlt es sich diesmal anders an – und wo kann man Julian Nagelsmann dabei zusehen, wie er versucht zu erklären, dass Deniz Undav eben doch nicht so gut ist, wie alle denken?

Die Anstoßzeiten

Wer sich schon darauf eingestellt hatte, Arbeitszeitbetrug zu begehen und auf der Toilette Kongo gegen Usbekistan anzuschauen, muss leider enttäuscht werden. Denn dieser Hochkaräter findet um 1:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt. Eine Weltmeisterschaft auf einem anderen Kontinent bringt generell interessante Anstoßzeiten mit sich: Von 18:00 bis 6:00 Uhr morgens ist in der Gruppenphase alles dabei. Das bedeutet für den deutschen Angestellten zwar, dass er sich beim Formatieren von Excel-Tabellen vollends auf die Zahlen konzentrieren kann – setzt aber auch voraus, dass der Nachbar kein Fan der Türkei, Ghanas, Marokkos oder der USA ist. Denn während die FIFA großen Wert darauf legt, Spiele von Ländern mit hoher Zuschauerschaft an die günstigsten Sendezeiten zu legen, dürfen sich türkische Fans auf Anstoßzeiten von 4:00, 5:00 und 6:00 Uhr morgens freuen. Deutschland hingegen trägt seine Spiele um 19:00 bzw. 22:00 Uhr aus. Am besten also vorsorglich bei den Nachbarn klingeln und nachfragen, für welches Team das Herz schlägt – um sich an den entsprechenden Tagen rechtzeitig Oropax in den Gehörgang zu schieben.

48 Nationen, unzählige Reibungspunkte

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationalität des Gegenübers bei dieser WM vertreten ist, fällt diesmal besonders hoch aus – es sei denn, Pizza ist das Nationalgericht. Denn die Gruppenphase wurde von 32 auf 48 Teilnehmer aufgestockt. Darüber hinaus hält die WM dieses Jahr einige geopolitische Reibungspunkte bereit. Eine WM in Kanada, Mexiko und den USA bietet nicht nur fußballerische, sondern auch politisch brisante Paarungen. Da Länder wie Irak und Iran an dieser WM teilnehmen, könnte sich das Turnier zu einer gelebten South-Park-Folge entwickeln. Zum Glück findet der amtierende US-Präsident hierzu stets die passenden Worte: Er heißt die iranische Nationalmannschaft herzlich willkommen, hält es aber für deren eigene Sicherheit nicht für angemessen, dass sie überhaupt antritt. Der FIFA-Friedenspreisträger wird das schon alles im Griff haben. Was soll auch schiefgehen, wenn 48 Nationen in ein Land mit derart offenen Grenzen einreisen?

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Neues Format, neue Regeln

Da die FIFA sich stets an die Traditionen der Gastgeberländer anpasst, gibt es auch einige Neuerungen im Spielbetrieb. Neben den ersten Halbzeitshows der WM-Geschichte wird es gesetzte Trinkpausen nach der 22. Spielminute jeder Halbzeit geben – der perfekte Moment, um die Werbetrommel zu rühren. Zudem erhält der VAR mehr Befugnisse, und Pausen nach Behandlungen sind künftig Pflicht.

Doch wo schaut man die Spiele, wenn die Teams es lebend ins Stadion geschafft haben? Wie wäre es mit Tipico – dem freundlichen Sportwetten-Anbieter von nebenan? Wettsüchtige werden dort mit einer kostenlosen Übertragung aller Spiele belohnt. Zumindest hieß es das, bevor Tipico die Ankündigung nach wenigen Stunden von der Website nahm und auch die FIFA irritiert zurückließ. Die Deutschen können sich hingegen auf ihre bewährten Sender ARD und ZDF verlassen – also auf 60 der 104 Spiele, je nach Quotenpotenzial. Alternativ bietet sich YouTube an, wo alle Spiele übertragen werden – allerdings nur die ersten 15 Minuten. Wer länger schaut, kann auf MagentaTV umschalten: Hier werden tatsächlich alle Spiele gezeigt, jedoch mit Tom Kaulitz als „Fan-Experten“. Man muss eben überall Abstriche machen.

Späte Spiele, gelockerte Ruhezeiten

Wer die Hürden der WM – geopolitischer wie organisatorischer Natur – gemeistert hat, darf sich dieses Jahr über eine staatliche Ausnahmeregelung freuen. Um die späten Anstoßzeiten trotzdem zelebrieren zu können, gilt für Partien mit Anstoßzeiten bis einschließlich 22:00 Uhr eine Aussetzung der Ruhezeiten. Wer die deutschen Spiele bei einer Bratwurst und einem warmen Bier in alter Tradition genießen möchte, kann das also in aller Ruhe tun. Bleibt nur die Frage, ob Deutschland seine Gruppengegner Elfenbeinküste, Curaçao und Ecuador mit Neuer im Tor besiegt – und ob die alten Schwarz-Rot-Gold-Farbstifte aus dem Keller überhaupt noch malen.