Ariel Pink: Debussy und Disco


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Es ist eine seltsame Musik, die Ariel Pink mit seiner Band Haunted Graffiti auf seinem ersten regulären Album aufführt. Lo-Fi-Glam-Disco, 70s-TV-Serienmusik, 60s-L.A.-Funk, eingetaucht in ein seltsam unwirkliches, fast surreales Licht: Was ist das für ein Stil, Herr Pink? „Ich würde ihn vielleicht als Acid-Pop beschreiben“, sagt der Künstler und macht von altem R’n’B über Weird-Punk bis Debussy alles Mögliche als Einfluss aus.

Ariel Pink hat sich in Los Angeles einen Namen gemacht, weil er im Home-Recording-Verfahren ungefähr 500 Songs fertigstellte. Einige erschienen vor einer Weile auf dem Animal-Collective-Label Paw Tracks. Nicht wichtig, sagt Pink: „Ich höre zu, experimentiere, folge meiner Intution. Ich versuche, die Dinge zu Ende zu bringen, das ist meine Regel.“ Die Musik, das Leben, alles dasselbe bei Ariel Pink. Vielleicht ist es das, was man hört. Pink nutzt die Verweise auf seine eigene Art und baut sein Haus mit eigenen Händen. „Natürlich ist der Aufnahmeprozess bewusst – die Musik entwickelt sich aus Stilelementen der Sechziger, Siebziger und Achtziger, und ich bin nicht so blöd, Hip-Hop-Samples dazu zu tun. Aber vieles ist eher ein Würfelspiel. Es gibt im Studio eine unendliche Zahl möglicher Ergebnisse – was ich tue und was ich bin, verändert sich in diesem Prozess ständig, manchmal bleibt es aber auch so, wie es ist. Das Ganze ist nicht zuletzt Glückssache.“

Zumal Pink zum ersten Mal ein richtiges Studio gebucht hat. Kein beliebiges, sondern eines, das früher Tito Jackson von den Jackson 5 gehörte. Das passt doch. „Vielleicht ist die Platte so geworden, weil in Titos Studio die Geister vergangener Dekaden spuken.“ Eine schöne Vorstellung.

Jörn Schlüter

Ariel Pink’s Haunted Graffiti – Round and Round